Atlantiküberquerung: Cabo Verde nach Grenada

Geschafft!
Unfassbar wie groß und unendlich der Ozean ist, wie weit der Wind einen pusten kann, wie angenehm die Sonne einen wärmt, wie sehr der Mond blendet, wieviele Sterne am Himmel funkeln…krasse Natur! Beeindruckend wie ruhig und glatt – quasi nicht vorhanden, aber auch wie unruhig, kabbelig und hoch die Wellen sein können. 18 Tage auf dem Wasser: jede Menge Stille, Wale, Fliegende Fische, Seeschwalben, Sonne, Mond und Sterne und wir…

Wir sind gestern gegen 09.00 Uhr hier in Grenada angekommen…Land, Menschen, Autos…was eine Geräuschkulisse.

Unsere Atlantiküberquerung von A bis Z für euch im Überblick:

Angeln? Bisher noch nicht…zu wenig Power und zuviel Respekt vorm töten…kommt Hunger – kommt Fisch!

Blendend war der Mond, unglaublich wieee klar und hell – Georg schreit nach Mondbrillen für alle.

Chaos oder doch ein Spielparadies? Mia gestaltet sowohl über als auch unter Deck alles regelmäßig um, mit Kissen, Handtüchern, eigentlich allem was ihr gerade in Hände kommt und schon ist sie im Bus, in der Eisenbahn, in der Eisdiele oder auf dem Bonbonmarkt und spielt und spielt und spielt. Kaum zu glauben was wir dann alles an Bord haben: Schaukel, Strand, Flughafen, Kinderduschen, Schranken, Tunnel, ein Haus, einen Sportplatz, ein Krankenhaus und sogar einen Garten.

Dieselübergabe: Am 6. Tag bekamen wir per Fender und Schwimmleine einen 20 l Kanister Diesel von der Kali Mera übermittelt, nur für den Fall, dass uns in den nächsten Wochen noch mehr Flaute erreicht:-) Toller Spaß, insbesondere weil es noch einen frischgefangenen schon ausgenommenen und fertig präparierten Fisch dazu gab UND noch am selben Abend der Wind einsetzte. Doch besser etwas zuviel als zu wenig Diesel an Bord:-)

Ernährung: Frisches Gemüse wie Möhren, Auberginen, Tomaten, Kartoffeln, Süsskartoffeln, Zwiebeln und Knoblauch wurden pur, mit leckeren Gewürzen oder auch mal mit Kokosmilch zu Köstlichkeiten verarbeitet. Nudeln, Reis, CousCous, Pesto und Soßen im Glas gibt’s noch zu Genüge an Bord. Orangen, Birnen, Äpfel, Bananen haben auch fast bis zuletzt gehalten. Zum Frühstück gab’s 40 Scheiben frischen Gouda (der leider irgendwann nicht mehr sooo frisch war (eingeschweißten gab’s auf den Kapverden schlichtweg nicht), Leberwurst aus dem Glas, Marmelade und Nutella. Brot wurde nach 4 Tagen selbst gebacken und hin und wieder zauberte Georg ein paar Pfannekuchen. Als Snack wurden Kartoffel-, Nudel- oder CousCousreste mit Thunfisch (aus der Dose), Zwiebeln und Tomaten mit einem leckeren Sößchen zum Salat verarbeitet. Konserven haben wir 17 vertilkt (Linsensuppe, Königsberger Klöpse, Erbsen und Möhren, Chili con Carne, Gulasch mit Nudeln; alles was Erasco genießbares hergibt. Achja und wir haben ganze 36 Eier verbraten, verrührt, verkocht und verbacken:-)

Fliegende Fische sprangen tausende neben uns aus den Wellen und fast täglich beförderten wir 1-3 vom Deck wieder ins Wasser. „Seltsam knisternde Geräusche im Cockpit, oh nein ist es der Windpilot? Was ist mit ihm? Beim näheren Hinhören und sehen entdecke ich einen aufgebrachten Fliegenden Fisch…“ – dieser hat es sogar lebendig wieder ins Wasser geschafft!

Gesundheit und Wohlergehen: Georg startete mit Antibiotika und Schmerztabletten aufgrund einer entzündeten Zahnwurzel. Die Medikamente halfen, waren nur wahrscheinlich Auslöser für Magenbeschwerden in den ersten drei Tagen. Anschließend war er fit, mein Kreislauf dafür kurzfristig ein wenig niedrig. Doch solange wir uns immer abwechseln und noch einer für unsere beiden immerfitten Kiddies da ist:-) Mia verlangte hin und wieder mal nach ihrer Schüssel mit den Worten: Papaaaa sputten (spucken), doch wer bei dem Geschaukel auch noch Purzelbäume und andere Stunts hinlegt, muss sich nicht wundern…die Schüssel blieb leer und eine Pause in der waagerechten half vollkommen aus. Ihr ging’s super auf dem Wasser. Noah fühlte sich auch sehr wohl, verbrachte seine Zeit entweder in der Wippe unter der Sprayhood an Deck, in seiner Hängematte oder im Salon in Bauchlage oder rollend auf der großen ‚Spielwiese‘ (Salonkoje).
Bis auf immer wiederkehrende Müdigkeitsattacken aufgrund vom Geschaukel, des durch Wachegehen gestörten Schlafs und der mangelnden Erholungsphasen am Tage; Mia und Noah baten um unsere Aufmerksamkeit, ging es uns richtig gut!

Himmel – ja der hat eine ganz besondere Bedeutung auf dem Wasser, sonst gibts ja nix:-) da wäre z. B. die meist strahlende Sonne und ihr spektakulären Auf- und Untergänge, die den Himmel in allen rot bis lila Tönen aufleuchten lassen, der Mond, der uns von Neumond bis Vollmond komplett begleitete und die wundervoll funkelnden Sterne, insbesondere die in allen Farben glänzenden ‚Discosterne‘, wie wir sie tauften. Dann die Wolken, die wir glücklicherweise nur freundlichst erleben durften. Sie hatten den richtigen Wind in angenehmer Richtung für uns und hin und wieder ein paar kurze Regenschauern, die gemeinsam mir der Sonne einen, nein gleich zwei bezaubernden Regenbögen in die Atmosphäre warfen. Mia: „Ein Tunnel, ZIGZAG durchfahren. Viel Regen. Sonne kommt?! Sonne Küsschen geben.“

Ins Wasser ging’s am 3. Tag bei 4 km Wassertiefe und völliger Flaute um die Motorschraube von Seegras zu befreien UND natürlich für ein Bad im weichen, samtigen Ozeanwasser.

James…wäre ein super Name für unseren Windpiloten. Unser Windpilot hat keinen Namen. Sollte aber unbedingt erwähnt werden, also hier: der Windpilot ist eine Windsteuerung, die uns nur mit ein wenig Finetuning unsererseits seit dem 8. Tag perfekt auf Kurs hält und das ohne Strom! Eine wie wir finden unersetzliche Erfindung!

Kojen: Georg schlief während der Überfahrt in Mias Koje während ich mir mit Mia und zum Stillen auch mit Noah die mit einem Leesegel bestückte Salonkoje (tagsüber: Spielwiese) teilte. Irgendwie verkeilten wir uns mit Polstern und Kissen auf dem Rücken liegend um beim fortwährenden Rollen in den Schlaf zu finden. Noah schlief in seiner Koje (Kinderwagenaufsatz; ist ja schließlich mobil seine Koje) hinter dem Leesegel in der BB Salonkoje.

Lesen – ohja, wenn auch nicht soviel wie gedacht von der eigenen Lektüre:-) Dafür aber jede Menge Pixi Büchlein, Kinder- und Liederbücher.

Motoren mussten wir nur in den ersten Tagen…gar nicht so unangenehm, um wieder Seebeine zu bekommen, dann kam der Wind und blies uns in die Karibik.

Nächte; dunkel, lau, meist Sternenklar…Georg übernahm meist die Wachen in der ersten und ich in der zweite Hälfte der Nacht. Die Nacht begonn für uns meist recht früh gegen 20-20.30 Uhr und endete mit den ersten Sonnenstrahlen gegen 7.30-8.00 Uhr. Mia hatte das ziemlich schnell begriffen: sie entdeckte den Mond und sang „Der Mond ist aufgegangen…“, schaute uns mit großen Augen an: „Gleich schlafen wir?!“ Morgens öffnete sie dieselben, sah die Sonnenreflexionen an der Decke „Mama, bin ich wach, Sonne ist da“.

Ozean: unglaublich wie weit und gewaltig! Wie groß wohl das Tierreich ist, das sich im tiefen Blau tummelt?! Auf der Oberfläche gab’s so einige Seegrasfelder, die wir mit unserem Rumpf durchpflügten.

Puzzeln, malen, basteln, singen, musizieren, Fotos gucken, Turnen, klettern, rutschen, ’spazieren gehen‘, verkleiden…Mia ist immer was neues eingefallen um sich und meist damit auch uns voll und ganz zu beschäftigen!

Quallen, haben wir genau eine gesehen: eine vorbeisegelnde pinke Portugiesische Galeere.

Radar Alarm, dieser verlängerte unsere Wachrundgänge von 15 min auf 1 Stunde; Kurs check, Radar check, AIS Check, kein Boot in Sicht – weiterschlafen!

Segel; wir starteten mit der klassischen Schmetterlingsbesegelung; Großsegel in die eine und Genua in die andere Richtung ausgebaumt. Dann ließ der Wind nach, das Geklapper der Segel nahm zu, der Motor kam hinzu, die Besegelung auf den großen Blister (Leichtwindsegel mit Bergeschlauch) geändert bis wir dann ab dem 6. Tag die Genua mit dem Großbaum und den kleinen Blister mit dem Spinakerbaum ausbaumten. Mit diesen zwei Vorsegeln flogen wir wie ein Schmetterling über den Atlantik. Hier und da nahmen wir ein wenig Segelfläche weg, in dem wir die Genua etwas einrollten, optimierten die Segelstellung zum Wind anhand der Schoten und der Spibaumposition, doch die Besegelung blieb bis zum Morgen der Ankunft.

Temperatur ist immer weiter gestiegen…Klamotten werden völlig überbewertet!

UKW Kontakt am 4. und 5. Tag mit unseren österreichischen Freunden Tadeja und Herbert von der Kali Mera. Wir waren in der selben Stunde gestartet, schon am ersten Abend außer Reichweite voneinander entfernt und da trafen wir uns 600 sm vom Land in der Flaute auf dem Atlantik. Schwammen zueinander rüber auf einen Kaffee und ließen uns gemeinsam eine Weile einfach nur treiben.

Vögel sind erstaunlich viele da draußen über dem Meer, zwei Arten; die ‚Fette Ente‘ und sein Freund, der ‚Weißgefederte Elegante‘.

Wale gab’s gleich am zweiten Tag, unfassbar faszinierend diese Riesen im Wasser.

Yammiiee war der frische Limettenkuchen, den Mia mit Mama am 15. Tag auf See backten.

Zeitzonen: Deutschland minus 5 Stunden erreicht!

Soooo und inzwischen haben wir schon zwei schöne Tage mit Mamaomaangelika und Papaopagunther hier an ihrem Cottage direkt am Strand mit der Aussicht auf unsere ZIG  ZAG verbracht. Die beiden haben sich bereits ein wenig akklimatisieren können und morgen gehen wir auf große Inseltour. Auf Grenada bleiben wir auf jeden Fall bis Anfang Februar, dann segeln wir mit meinem Schwesterchen, Mareike, über ein paar weitere Inselchen nach St. Vincent und dann wahrscheinlich schon Richtung Panama bzw. zu den San Blas Inseln.

8 Gedanken zu “Atlantiküberquerung: Cabo Verde nach Grenada

  1. Wow, was für ein Bericht – und was für Bilder!
    Da könnte glatt ein Bestseller draus werden… Mit den Eltern über den Atlantik.

    Euch weiterhin gute Fahrt und zunächst mal schöne Landtage in der Karibik!

  2. Wie immer ein toller Text mit super Bildern. Die Atmosphäre kann ich so vom Schreibtisch aus immerhin ein Stück weit spüren. Wünsche euch weiterhin alles Gute auf der großen Fahrt!

    Da ich übrigens im Juni selbst zum ersten Mal Vater werde, ist eure Tour auch eine gute Inspirationsquelle für Reisen mit kleinen Kindern – danke dafür! 🙂

  3. ich mag garnicht hier weggehen, ohne euch nicht einen kleinen kommentar da gelassen zu haben!
    eure berichte lesen sich so toll und ich bewundere euren mut und eure leichtigkeit und ich freue mich bei jeder nachricht von euch riesig, an eurem abenteuer teilhaben zu dürfen!!!
    und ihr wisst, sollte es irgendwann in der südsee oder sonstwo etwas für mich zutun geben, komme ich gerne!!! ;o)))

  4. Ich habe begeistert den Bericht gelesen und die Fotos angeschaut ; fantastisch!
    Eine Superleistung! Jetzt wünsche ich erholsame Tage auf Grenada und schöne Zeit
    mit Angelika und Gunter – viele Grüße an die beiden!

  5. Es ist so schön, immer wieder ein bißchen auf Eurer Reise dabei zu sein! Danke für die schöne Auszeit gerade, in der ich Eure Fotos und den Text genossen habe! Was für eine intensive Familienzeit! Und intensive Naturerlebnisse! Mich würdet Ihr nie so lange und weit vom Land wegbekommen, aber es muss eine Wahnsinnserfahrung sein! Freue mich schon auf Eure Geschichten und Bilder von Grenada und andere karibische Eindrücke!

  6. an alle grenadischen horses,
    bin begeistert von so viel Tatendrang, Kreativität, Fantasie, Freude und Fröhlichkeit!
    Vielen Dank für fantastische Fotos und Schilderungen!
    Herzliche Grüße an Euch alle, viel Vergnügen und allzeit gute Fahrt wünscht
    Marlies

  7. Ich verfolge mit Begeisterung Ihre tollen Berichte und freue mich dass Sie den Atlantik so
    Problemlos überquert haben. Ein wenig Sorge habe ich mir natürlich bei der Erwähnung der entzündeten Zahnwurzel gemacht. Ich hoffe die Beschwerden verschwinden wieder, sonst muss ich eventuell doch noch anreisen.
    Liebe Grüße aus Uerdingen
    Zahnarzt
    Thomas Wolff

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.