Von der Nordsee bis in den Pazifik

12. Juni: Vor genau einem Jahr legten wir morgens um 08.10 Uhr im Hafen von Hellevoetsluis, Niederlande ab und schleusten uns noch am selben Tage in die Nordsee. Georg, die gerade zweijährige Mia und ich mit dickem Bauch, worin sich der kleine 8 Monate alte Embryo Noah befand. Und nun sind wir im Pazifik, 365 Tage später. Wo genau könnt ihr täglich hier nachsehen blog.mailasail.com/zz oder ihr schaut unter den Menupunkt „Wo ist ZIG ZAG?“ und klickt dort auf den Link. Bei knapp 7 Knoten segeln wir hart am Wind (sagt man so, wenn der Wind so ziemlich von vorne kommt;-) in Richtung Marquesas/Polynesien/Südsee. Wir sind nun 13 Tage unterwegs. Wir haben 1185 von 3800 Seemeilen bereits geschafft. Bisher sind wir 52 Stunden motort. Diesel haben wir für ca. 134 Stunden. Segel hoffentlich für den Rest der Welt. Die Galapagos Inseln haben wir vor drei Tagen in ca. 130 sm Entfernung links liegen lassen. Wir hätten sie uns wirklich gerne angesehen,doch die aktuellen Einklarierungsgebühren (ca. 1700 US-Dollar) haben uns einfach zu sehr abgeschreckt. Im Golf von Panama war es noch sehr gewitterig, es hat in den ersten Tagen immer mal wieder geregnet und wir hatten jede Nacht Wetterleuchten Kino. Dann wurde der Himmel blauer, dann war er mal wieder ziemlich wolkig, aber es blieb trocken. Warm war es ja sowieso und der Wind blies und bläst immer richtiger. Der Pazifik ist bisher im Großen und Ganzen ganz nett zu uns…wir haben ziemlich lange auf eine Ozeandünung gewartet, so wie wir sie vom Atlantik kennen, aber nix da. Die gibt es hier nicht. Der Horizont ist in der weiten Ferne klar erkennbar; unten ‚glatter‘ Ozean, oben Himmel. Auf dem Atlantik war das alles wesentlich welliger. Also anders. Stiller Ozean passt irgendwie ganz gut. Immer wieder vergleichen wir es mit dem wellenfreien Segeln auf dem Ijsselmeer;-) Naja, dann gibt es aber auch die Stunden, in denen wir uns vorkommen, als würden wir mit einem Jeep über eine Buckelpiste brettern – weniger angenehm, aber Wind baut halt Welle auf und wir wollen blöderweise ziemlich genau in die Richtung, wo der Wind herkam, immer weniger herkommt und wenn alles nach Plan verläuft haben wir in ein paar Tagen schon Halben Wind (Wind von der Seite) und dann auch von Achtern (Wind von hinten). Apropos ‚warm war es ja sowieso‘: Wir haben seit den Kapverden schon keine Schlafdecken mehr im Einsatz, auch wenn ich mich im wärmsten (deutschen) Sommer immer noch gerne in eine leichte Decke gekuschelt habe, beim Klima der letzten Monate habe ich mich dankbar an einen Luftzug gekuschelt! Nicht so in der letzten Nacht, da habe ich mir doch tatsächlich eine Decke rausgekramt, wenn auch so eine kleine, dünne, leichte Flugzeugdecke, aber mir war kalt! Wir nähern uns der Region, in der der Humboldtstrom strömt. Die Wassertemperaturen sind bereits von 29,4° auf 27°C gesunken und die Luft und die Winde sind deutlich kühler. Nachdem Noah am 3.Mai nach unserem Ausflug nach Deutschland das letzte Mal ein T-Shirt an hatte, schaute er ganz schön irritiert als wir ihm gestern eines über sein Köpfchen stülpten. Er zupfte immer wieder an diesem Stück Stoff und schaute uns mit großen fragenden Augen an ‚Wat soll dat denn? So kann ich meinen Bauch ja gar nicht sehen!‘ Notwendig war es allerdings auch nur kurz am Morgen und ein Stündchen am Abend…und dann wird es sicherlich bald schon wieder wärmer;-) Soviel zu Wind und Wetter bei uns. An das Bordleben haben wir uns inzwischen auch wieder gewöhnt. Georg und ich haben meist so drei Tage gebraucht bis wir uns an den Wachrhytmus, Bordalltag und an die Schaukelei gewöhnt hatten. Auf dem Atlantik brauchten wir schon länger und der Pazifik bestätigt es noch einmal, pro Kind müssen wir noch ca. 2 Tage draufrechnen. Jetzt ist alles gut, doch die ersten 6 Tage waren recht anstrengend. Das Wetter unbeständiger, wir müde von den Schiffsbewegungen und dem Wachegehen. Die Stimmung schwankte, die Kraft und Geduld füreinander hielt sich in Grenzen, doch am 7. Tag hatte es sich eingependelt, der Biorhytmus gewöhnt sich langsam um und wir toben, malen, kneten, lesen, spielen, tanzen, klettern und singen wie es uns bzw. insbesondere Mia und Noah gerade so passt. Ihr hättet Georg, Mia und Noah mal sehen müssen wie sie gestern bei 30 Grad Schräglage im Salon die Schiffsplanken runter gerutscht sind. Ansonsten haben wir gestern die letzten Bananen zu einem Shake verarbeitet, die letzten Paprika wanderten schon vor ein paar Tagen in eine Gemüsepfanne, doch nach 23 Tagen, denn so lange ist unser Einkauf auf dem Gemüsemarkt in Panama City schon her, gibt es immer noch was Frisches an Bord; Kürbis, Knoblauch, Zwiebeln, Knoblauch, Aubergine, Kartoffeln, Weiß- und Rotkohl, Christofine, Mangos und auch noch ein paar Ananas hängen nicht nur zu Dekozwecken noch im Cockpit. Der Seegang ermöglich uns tatsächlich so manche kulinarische Highlights zu dem neben denen in Pancaketeig frittierten Ananas, insbesondere auch die Pizza Hawaii mit frischen Ananas zählte. Dann stand bzw. steht noch ein Limettenkuchen auf dem Programm. Vorgestern wurden die Limetten ausgepresst, gestern das Kochbuch und das Mehl rausgeholt und heute wird der Teig hoffentlich gemischt und der Kuchen gebacken. Solche Dinge gehen auf solchen Überfahrten manchmal eben nur langsam voran;-) Aktuell steht ein Weißkohl, Kartoffel- Hackauflauf im Ofen… Hack aus der Dose … erstaunlicherweise wirklich außerordentlich gut zu genießen. Ein Steakhouse Besuch bleibt wohl für die nächsten Monaten für uns ein wahrer Traum;-) Was sollte noch unbedingt erwähnt werden? Der Sternenhimmel hier draußen ist unbeschreiblich schön! Der Ozean fluorziert prächtig nachts und Krabbeltierchen in Pastatüten sind ätzend. Ja, so nah sind sich Traum und Alptraum auf so einem Boot;-) Schon zwei Tage bevor wir die Las Perlas verlassen haben, habe ich ein paar Stunden damit verbracht unsere 8 kg Brotbackmischungen zu öffnen und auf Mehlwürmer und kleine schwarze Krabbeltierchen zu überprüfen. Dabei wollten wir nur ein Brot backen…doch die erste Packung lebte und so öffneten wir alle zweifach verpackten Brotbackmischungen, die wir uns doch in den letzten Monaten immer wieder haben einfliegen lassen. 3kg waren mir zu wurmig und krabbelig, die gingen über Bord. Die anderen 5 kg wurden Teelöffel für Teelöffel geprüft, ggf. vom Krabbelviech befreit und in 1,5 L Flaschen getrichtert, verschlossen und noch einmal mit Tape versiegelt. Am vierten Tag auf dem Pazifik sollte es Pasta geben. Beim Öffnen der Packung, kam mir wieder so ein Krabbelvieh entgegen…grrrr…nicht auch noch die Nudeln! Doch! Sch…mit Highpower Stirnlampe öffnete ich ca. 12 Pastatüten und Kartons und Nudel für Nudel wurde neu verpackt, unfassbar, wo diese Mistviecher sich versteckten…Makkaroni habe ich durchgepustet. Farfalle gedreht und gewendet und Spaghetti abgeklopft bis nix mehr zu sehen war. Da diese Tierchen sich durch Plastiktüten und Pappkartons fressen, haben wir nun fast alles in 1,5 L Flaschen bzw. 3 L Container umgefüllt…Hoffentlich haben wir die meisten erwischt! Und noch was schönes aus dem Tierreich zum Schluss: Am ersten Abend begleiteten uns stundenlang Delfine. Wir machten einen Familienausflug an den Bugkorb und genossen den Anblick ihres Spieltriebs. Irene hat 2 m neben dem Boot eine Meeresschildkröte treiben sehen und die Vogelvielfalt hier auf dem Pazifik ist beeindruckend. Jeden Tag schweben große graue entenähnliche Vögel, Schwalben, Fregattvögel und Möwenarten durch die Lüfte, drehen eine extra Runde um unser Boot und lassen sich auf dem Wasser nieder um zu ruhen. In diesem Sinne….habt noch einen schönen Sonntag! Irene und Crew Ohahhhohhh und lieber Benne, lieber Christian, liebe Dirty, liebe Kerstin, liebe Geburtstagskinder: HAPPY BIRTHDAY nachträglich von uns!

4 Gedanken zu “Von der Nordsee bis in den Pazifik

  1. Hallo Ihr Weltenbummler, mal wieder ein interessanter u. beeindruckender Bericht – macht Spaß, diese immer wieder zu lesen. Alles Gute, eine gute Reise und bis demnächst mal wieder.
    Wir hatten zwischendurch einen fürchterliches Unwetter mit Bergabrutschen, Hochwasser mit unglaublichen Keller- und Erdgeschoßüberflutungen, meterhohen Strassenüberflutungen. Leider gab es auch Tote in Weissbach, Künzelsau und Schwäbisch Gmünd. Auch hier holt uns der Klimawandel hautnah ein.

    Steffen Pferdmenges aus dem Kochertal

  2. Hallo Ihr Lieben, ganz herzlichen Dank für die tollen Berichte, als Motorbootfahrer träumt man natürlich von einer solchen Weltreise, aber für uns war England schon eine gute Herausforderung. Ich wünsche Euch den besten Wind (nicht gerade von vorne!) viel Freude und stetzt eine Handbreit Wasser unterm Kiel.
    Euer Reinhold vom Crefelder Yacht Club

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