Oh wie schön ist Panama

Ola,

da sind wir schon wieder in einem spanisch sprechenden Land, hätten wir doch unsere Spanischlernbücher nicht nur mitgenommen, sondern auch mal in die Hände genommen…denn bei den Kunas (der lokalen Indianer Bevölkerung) kommen wir hier mit Englisch, Deutsch, Französisch und selbst mit Holländisch so gar nicht weiter, aber mit Händen und Füßen, wird das schon klappen.

Verdammt, Janosch hatte recht: Oh wie schön ist Panama, das sind paradiesische Eindrücke hier seit vorgestern!

Hart erkämpft! Nach 18 Tagen waren wir endlich in Curacao aufgebrochen. Ziel: San Blas Inseln. Es war ordentlich Wind angesagt, aber nicht mehr so wie in den Tagen davor mit über 40 Knoten in Böen. Ernst und Angelika von der Lulu aus Bremen, verließen die Curacao Marina mit uns gemeinsam. Ziel: San Blas Inseln…hervorragend! Mit ihnen hatten wir in den letzten Tagen das Wetter diskutiert und einen Abfahrtstermin festgelegt. Die schwimmende Pontonbrücke öffnete sich für uns und das Geschaukel ging los. Der Wind war perfekt für unsere große Genua, Mia war sehr müde. Sie schlief insbesondere durch das Rollen schon ca. nach ‘ner halben Stunde ein und zwar gleich für fast 15 Stunden. Wir hatten Respekt vor dem vor uns liegenden Abschnitt unserer Reise. Jetzt sind wir hier uns alles ist gut, ABER es war ECHT anstrengend! Mir ist es ein absolutes Rätsel wie Georg in den letzten Tagen überhaupt in der Lage war von unterwegs irgendwas zu schreiben. Respekt! Wir waren müde und erschöpft. Der Wellengang, der Wind, das Wachegehen…zu viel…zu anstrengend – Aber: GESCHAFFT!

Gedanken von unterwegs (beim stillen oder, wenn ich vor lauter Wind-/Segelgeräuschkulisse mal nicht schlafen kann und zufällig mal einmal alle um mich herum schlummern, mach ich mir immer Notizen ins Handy):

18.3. Kurz nach unserer Abfahrt
Seltsames Gefühl die Zivilisation wieder zu verlassen! So sehr wir das Angebot der Supermärkte und der Truci Pan (nächtliche Imbissbuden an der Straße in Curacao), insbesondere den BBQ Express auch schätzen gelernt hatten. Wir freuten uns wieder auf die Einfachheit des Langfahrtensegelns, darauf Vorräte zu minimieren und grundsätzlich mit weniger sehr gut klar zu kommen. Gespannt sind wir auf die Müllentsorgungspartys, von denen wir hörten; Segler treffen sich zum Müll verbrennen und BBQen am Strand. Muss man halt nur aufpassen, das Fleisch auf die richtige Feuerstelle zu schmeißen Das Bewusstsein für Müll wird gerade sehr sensibilisiert, krass wie viel Müll man produziert, doch wohin, wenn nicht einfach ein Container irgendwo rumsteht!? Wir versuchen also schon seit langem so wenig möglichen Müll wie möglich an Bord zu haben, damit so wenig wie möglich entsorgt werden muss; jegliche Etiketten (ja selbst die von Äpfeln), jegliche Umverpackungen, was auch nur irgendwie weg konnte, ist weg!

19.3. Irgendwie ist der Tag umgegangen…schaukelig, müde. Wir sind schnell, sehr schnell, nur mit der großen Genau, Maximumspeed 14 Knoten, durchschnittlich über 8. Krasse Strömung! Ich bin ziemlich groggy und liege 95% der bisherigen Strecke im Salon mit den Kiddies, an, unter, über und neben mir. Noah ist soooo viel mobiler geworden. Er geht plötzlich immer mehr in den Vierfüßlerstand, liegend spielen ist scheinbar was für richtige Babys…Noah will sitzen, sich irgendwie vorwärts bewegen, vierfüßler, rollen, krabbeln UND er findet es fürchterlich witzig sich während des Segelns sich nun auch an Polsterkissen und am Leesegel hochzuziehen.

20.3. Hatten wir bisher schon 1,2 und vllt. auch 3 oder 4 Fliegende Fische morgens an Deck, von der letzten Nacht habe ich zur großartigen Erheiterung von Mia ganze 85 mini, kleine und große Exemplare auf dem Deck aufgesammelt und über Bord befördert. Da hätte man sich wirklich mal von ernähren können, doch sie stinken wirklich grässlich fischig! Apropos stinken: Georg ist trotz ordentlichem Wellengang mit Mia duschen gewesen; Wellenbad halt. Noah und ich stinken weiter, das ist einfach zu schaukelig, deshalb sind wir mit den Kiddies kaum an Deck und wir stinken. Dann mussten wir leider eine halbe Wassermelone entsorgen; stank auch. Warum? Lag auch zu lange rum…zu schaukelig! Glanzleistung des Tages meinerseits; Auberginen, Paprika, Tomaten, Zwiebeln, Knoblauch und Hackfleisch kulinarisch verarbeitet, bevor es auch noch stinkig wird. Wir hatten Obst und Gemüse teils aus dem Supermarkt: gekühlt und teils vom Floating Market (Venezolanische Gemüsehändler): sehr sehr reif…beides nicht optimal für unsere Lagerungsmöglichkeiten…muss man halt ggf. schnell verarbeiten. Sonst stinkt’s! Georgs Glanzleistung hatte heute was fischiges. Nein, ICH hatte die 85 (!) Fische aufgesammelt, aber scheinbar hatte ihn nun der Ehrgeiz gepackt, mal ‘nen leckeren Fisch an Bord zu ziehen. Glanzleistung: Köder raus und schon nach 7,5 Minuten hatte es einen herrlichen TUNA am Haken. Silber und blau schimmernd lag er nun im Cockpit; “ein Fisch, ein Fisch” Mia war begeistert und schaute Papa interessiert zu, als er ihm mit dem Hammer das Lebenslicht ausknipste und seine Eingeweiden entfernte. Ganz schön blutige Angelegenheit und wie ich finde wiederum ganz schön stinkig! Georg schaffte es heute übrigens tatsächlich 2 Mal unter die Dusche.

21.3. Ätzend wackelige Nacht! Scheiß Wellenlänge, scheiß hin und her!
Anstrengend!
Am Abend kam noch eine Welle durch das kleine Cockpitfenster auf Mias bei den Überfahrten allerdings Georgs Koje;-( alles nass…

22.3. siehe 21.3.!
Morgens um 4 beschließe ich den Motor zusätzlich anzumachen, in der Hoffnung etwas weniger zu schaukeln und schneller zu sein! Wir sind so müde und haben echt keinen Bock mehr auf noch ‘ne Nachtfahrt, es ist heiß im Boot, sowieso schon doch durch das Motoren kommt noch mal eine ganze Portion Hitze obendrauf! Die Wellen kommen immer wieder von der Seite und knallen gegen die Bordwand, spritzen hin und wieder ins Cockpit. In Vorfreude aufs Ankommen lese ich Mia “Oh wie schön ist Panama” und “Auf 8 Metern um die Welt” vor. Einmal von Janosch und einmal von Sebastian Pieters. Super Lektüre, insbesondere für eine zweijährige, segelnd auf dem Weg nach Panama. Ansonsten hat sie sich schon wieder voll und ganz ans Überfahrtensegeln gewöhnt; macht Purzelbäume, spielt Flugzeug (ihres hat sogar ein Schwimmbad) und besucht Hannah (du weißt schon ihre Cousine) und ‘ALLE’ in Deutschland. Noah war in den letzten 4 Tagen ca. 10 min draußen in der Wippe, er schwitzt und wie! Kein Wetter da oben für unsere Zwei. Mias geflochtenen Zöpfe verfilzen, zu den wohl bekannteren Bauchnabelfusseln, zeigen unsere beiden Schätzchen inzwischen auch Halsfaltenfussel. Wenn alles gut geht, sind wir heute Abend vor Anbruch der Dunkelheit vor Anker, genießen eine warme Dusche und anschließend ein weiteres Tunasteak. DIESER PLAN IST AUFGEGANGEN.

Wir ließen den Motor bis zur Ankunft auf dem ‘Kuna Yalas’ wie die Kunas ihre Inseln nennen mitlaufen. Nicht besonders sportlich, aber wir wollten noch im Hellen eine Ankerplatz finden. Noch anderthalb Stunden bis zum Ankerplatz?! Doch wo waren die Inseln? Daaaa plötzlich im Dunst. Der Himmel war bewölkt und alles wirkte ziemlich grau als an Backbord doch tatsächlich einige flache Inseln mit Palmen zu erkennen waren, es wurden immer mehr und als wir links hinter dem Riff abbogen, ließ die Welle nach und die Welt war wieder in Ordnung, vor uns zwei Inseln mit hohen Palmen, drei ankernde Boote, ruhiges Wasser, eine Schildkröte, die gemächlich ihren Kopf zu uns hinaufstreckte und wieder verschwand, war das alles echt? Der Anker fand seinen Halt, Motor aus…Ruhe…nein, Moment?! Schreie von der Insel? Pfiffe? Die Kunas? Sind es etwa schon die von Georg beschriebenen Aufschreie während ihrer allabendlichen Treffen? Nein, so spät war es noch nicht. Affen? Vögel? Krasse Geräuschkulisse; Wellen die langsam über da Riff auf die Insel rollen, diese Schreie und sonst nix! Auf der Insel konnten wir zwei hüttenähnliche Bauten erkennen und eine Hängematte. Am Ende der Insel ein Feuer…verbrennen sie dort Palmen? Dann lief dort ein Kuna in Shorts und freiem Oberkörper. Ganz schön spannend alles!

Heute waren wir an Land. Wir liefen ein wenig durch die Palmen am Ufer entlang bis wir einen Weg entdeckten. Dieser führte uns zum Inseldörfchen; 5 kleine Hütten…sollen wir da einfach mal hin oder lieber umdrehen? Wir tasteten uns langsam voran, zunächst war niemand zu sehen. Dann begleitet uns ein Hund und zwischen Bauten und Wasser folgten wir dem Strandabschnitt. Dann sahen wir ein paar sehr zurückhaltende Kunas, wir winkten und lächelten aus der Entfernung. Sie sahen uns, zeigten aber keine Reaktion. War ‘Winken’ für sie unbekannt? Verständigung mit Händen und Füßen vielleicht doch nicht möglich? Spannend. Wir laufen freundlich mit gefühlt ausreichendem Abstand auf einen anderen Sandweg, von dem wir glauben, dass er uns wieder auf die andere Seite des Inselchen führt. Eine ältere Frau schaute doch noch um die Hütte herum zu uns rüber und winkt. Wie fremd diese Bewegung des Winkens an ihr aussah. Dann ein ‘Ola’ eines Jungen, was sollte das heißen? Sollten wir doch noch einmal zurückgehen? JA, dafür machen wir ja diese Reise! Wir kehrten um, zwischen den Hütten, neben dem Feuer, auf dem die Fische des Tages gegrillt wurden, saßen zwei sehr alte, eine jüngere Frau, ein junger Mann und ein kleines Mädchen. Die Frauen waren ganz farbenfroh gekleidet und ihre Unterarme und Waden waren von feinsten Perlenketten beschmückt. In ihren Nasen, hatten die Älteren goldene Knöpfe. Ein Junge sprach uns auf Spanisch an, wir antworteten mit einem Mix aus Spanisch, Französisch und Englisch. Eine der älteren Damen bot uns Armbänder und Molas an. Besonders aufgefallen ist uns gleich das Armband mit den reingeflochtenen Hakenkreuzen! Interessant! Eine Mola ist eine traditionelle Handarbeit aus mehreren Lagen farbenfrohem Stoff, die kunstvoll miteinander vernäht werden. Durch Heraustrennen einzelner Bereiche werden die darunter liegenden Lagen sichtbar und es entstehen bunte Motive, meist Vögel, Fische, Schildkröten oder Delfine. (Danke Sebastian für die hervorragende Beschreibung einer Mola ) Die Molas waren wirklich sehr schön, doch wir sagten wir kämen morgen wieder, waren doch komplett ohne Dollars von Bord gegangen. Unser besonderer Icebreaker waren wieder mal Mia und Noah. Der kleine weiße Mann befand sich ganz schnell friedlichst bei der ältesten Dame, einer echten Kuna Indianerin auf dem Arm und lachte sie an.

Und dann verließen wir dieses Fleckchen Welt und begaben wir uns wieder auf den sandigen Pfad in Richtung Dinghy und unserer ZIG ZAG, unserem Zuhause.
Ein spannender Tag!

Wir beabsichtigen hier ca. 2 Wochen durch das Archipel zu segeln, am Strand zu spielen, uns die Inseln, wunderschönen Fische unter Wasser und die beeindruckende Lebensweise der Kunas über Wasser anzuschauen und dann weiter nach Colon zu segeln. Bisher haben wir hier kein Handynetz, geschweige denn Internet. Wir freuen uns auf ein paar ‘Urlaubstage’ hier, sind aber noch ein wenig zu erschöpft von den letzten Tagen, tanken nun Energie und machen Urlaub. Wir melden uns wieder, wenn wir wieder in der zivilisierteren Zivilisation sind.

Zitat Georg heute Nachmittag: Da gibt es Menschen für die ist es eine Erfüllung einen Tesla statt eines Passat zu fahren und hier geht es einfach nur darum, einen Fisch zu fangen, damit es was zu essen gibt und ggf. noch ein Armbändchen oder eine Mola zu verkaufen…

In diesem Sinne – Ciao!

6 Gedanken zu “Oh wie schön ist Panama

  1. Sehr spannend bei euch. Bin ja froh, dass ihr gut angekommen seid. Nun genießt die kommenden Tage und lasst es euch gut gehen. Es gibt bestimmt sehr schöne Steinchen oder Muschen dort 🙂 Ich denke den bunten Sachen könnte ich schon nicht wiederstehen. Viel Freude beim kennenlernen der Menschen und der schönen Natur.
    Ganz liebe Grüße
    Petra

  2. ich habe versucht,mir alles so vorzustellen, wie ihr die Fahrt so anschaulich beschreibt. Mein Magen macht ja beim lesen schon purzelbäume. Aber zum Glück seid ihr ja wieder in ruhigem Fahrwasser angekommen, aber der Spruch“die Zivilisation hat uns wieder“ stimmt ja wohl nicht. Auf dem Smartphone habe ich ein Video gefunden: Rundflug über die Saint Blas Inseln es gibt einen kleinen Eindruck, wo ihr gerade seid Frohe Ostern Mamaomaangelika

  3. Hallo ihr Lieben!
    Ich habe gerade euren Bericht vorgelesen und Sebastian freut sich ein Loch in den Bauch zitiert worden zu sein 🙂
    Genießt ALLES in vollen Zügen!
    Etwas neidische Grüße von den 3 Pieters´

  4. Spannend, spannend, was ihr da so erzählt…. Ich habe Folgendes über dieses „Hackenkreuz“ herausgefunden:
    Zu allererst ist dieses Kreuz bzw. Symbol auf der Flagge der Kuna abgebildet, allerdings verkehrtherum (also nicht in der gleichen Richtung wie das eine bekannte Kreuz).
    Das Symbol stellt einen Kracken dar, der nach lokaler Überlieferung die Welt erschuf (Danke Wikipedia!).
    Ist doch interessant, oder?

    damit habe ich mir doch echt einen Armband von den Kunas verdient, finde ich! 🙂

    LG

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.