Windige Grüße aus den Tuamotus

Hallo ihr Lieben, Angekommen. Voll schrotti. Am ersten Abend wollten wir gleich Wasser machen…haben wir auch. Kurz. Bis etwas ‚peng‘ machte oder so ähnlich, dann… Das hatte ich bereits vor drei Tagen geschrieben, dann bin ich einfach nicht mehr dazu gekommen. Auch jetzt will eigentlich jemand anders meine Aufmerksamkeit, aber hier ein kurzes Update: Wir starteten am 4. August in die Dämmerung hinaus auf See. Der Plan war nach 4 Tagen pünktlich zum Tidenwechsel ohne Gegenströmung den Pass von Raroira zu erreichen. Segel hoch, Motor an. Wassermacher hochfahren. Ein seltsames Geräusch sorgte dafür, dass wir den Wassermacher schnell wieder runter regelten und die Maschine stoppten. Die Segel waren eh oben und es war herrlichster Wind, aber wir hatten quasi kein Wasser mehr, nicht mehr viel. Denn in der letzten Bucht war das Wasser nicht wirklich perfekt um Wasser zu machen. Was war geschehen? Der Blick in den Motorraum ließ uns erschrecken, alles voller Öl. Scheiße! Woher? Erstmal beseitigen. Wir schöppten also 5,5 l Öl aus dem Motorraum in einen Trichter und in ein paar leere Flaschen. Wir hatten das Öl erst Mitte Juli getauscht (11 l sind im System). Mit dem Ölwechsel hatten wir auch den Ölfilter getauscht. Georg meinte, er hätte ihn nun noch anderthalb Umdrehungen festdrehen können, das Öl sei bestimmt daraus gelaufen. Klang nach einer Erklärung. Müssen wir ’nur‘ alles reinigen und neues Öl nachschütten. Soweit so gut. Das neue Öl war allerdings tief vergraben in einer der achterlichsten Backskisten. Beim dem Geschaukel bzw. der Schräglage kopfüber darein, dann den 20 l Eimer mit Öl in Flaschen umfüllen und dann in den Motor trichtern – keine Chance! Den Motor lassen wir erst einmal aus. Ohne Motor kein Wassermacher. Der Wind ist gut und kräftig und bringt uns schnell voran. Wasser haben wir, wenn wir sehr sparsam sind für die nächsten Tage genug. Das Gefühl nicht zu wissen, ob und wann wir den Motor wieder hinkriegen und ob der Filter wirklich das Problem war, macht mich wahnsinnig. Ändern kann ich aber nichts. Also Ruhe bewahren. Irgendwie. Wir sind sehr angestrengt, müde, hatten schon fast vergessen wie es auf dem Ozean ist;-) Über einen Monat waren wir in den Marquesas von Bucht zu Bucht getingelt, maximal eine Nacht auf dem Wasser gewesen. Nun mussten wir wieder Seebeine und eine Bordroutine bekommen. Mit der psychischen Belastung nicht zu wissen, was mit dem Motor und dem Wassermacher ist, fiel mir dies allerdings verdammt schwer. Eigentlich ist es uns auch nicht gelungen. Zu kraftlos, müde und frustriert. Und dabei hatten wir eigentlich wirklich guten Wind und seglerisch war alles gut. Für die Einfahrt in die Atolle der Tuamotus ist der funtionstüchtige Motor aber ein muss. Das belastet. Der Wind blies weiterhin 4 bis max. 6 Windstärken und wir errechneten, dass wir einen ganzen Tag schneller sein könnten, wenn es weiterhin so läuft. Und ja, nach nur 3 Nächten, sahen wir am Nachmittag Land. Flache Inseln mit hohen Palmen. Der Anblick erinnerte uns an die San Blas Inseln. Wir hatten definitiv mit 4 Nächten gerechnet. 450 Seemeilen waren geschafft. Super, so schnell gewesen zu sein, doch der Motor hatte noch kein neues Öl. 2 Stunden vor der Passeinfahrt von Raroia wurden der Seegang aufgrund der Atollabdeckung etwas ruhiger und Georg schaffte es, das Öl rauszukramen und wir füllten es ein. Motor an. Check. Der Ölfilter war dicht. Doch der Boden des Motorraums war schnell wieder mit Öl bedeckt. Bei näherer Betrachtung erkannte Georg die Ursache. Es kam aus der Ölablassdüse, es fehlte die kleine Gummikappe, die den Weg nach dem Ölwechsel bisher noch nicht zurück an Ort und Stelle geschafft hatte. Hätte ich gewusst wie wichtig dieses kleine Pinöpelchen ist, hätte ich es nach ein paar Tagen auf der Küchenanrichte nicht in die ‚Lost und Found‘ Dose gepackt;-( Pinöpel wieder drauf, Motor an. Kein leckendes Öl mehr. Fertig. Als nächstes: Wassermacher check. Klingt nicht gut, also wieder aus. Segel runter. Und eh wir uns versahen, fuhren wir zum perfekten Zeitpunkt mit nur einem Knoten Gegenströmung in unser erstes Atoll. Sehr spannend. Die Passageneinfahrt und die ersten Meilen waren sogar mit Spieren gekennzeichnet und plötzlich teilt die Seekarte einem mit, dass der vor uns liegende Bereich einfach nicht mehr kartographiert worden ist. Die Ankerplätze sind allerdings auf der anderen Seite des Atolls und so navigieren wir per ‚Eyeball Navigation‘ 6 Seemeilen durch das Atoll. Ich stehe auf dem Vordeck, der Wind bläst immer noch kräftig, im Atoll aber ohne Welle und ich schaue mit polarisierter Sonnenbrille voraus ins Wasser. Helle Flecken, türkises Wasser im tiefen Blau lassen kleinere und größere Riffe erkennen. Manchmal nur so groß wie ein Küchentisch und dann aber auch so groß wie ein halbes Fußballfeld. Gut das die Sonne richtig steht und sich die Untiefen leicht erkennen lassen. Außerdem mussten wir uns einen Weg durch die vielen Bojen suchen. Bojen, die unter Wasser möglicherweise mit Leinen verbunden sind. Bojen die, die hiesigen Perlenfarmen markierten. Sehr spannend diese Art der Navigation. Unglaublich geschafft ließen wir dann den Anker vor einem wunderschönen Motu (so schimpfen sich die Inseln hier, die ein Atoll umsäumen) fallen. Flache Insel, riesen Palmen und unverschämt schöne türkisfarbende Abstufungen des Wassers und überall ein paar Riffflecken zu sehen. Da waren wir nun. So sieht die Südsee aus. Leider konnte ich den Anblick nicht ganz genießen. Ich räumte gleich nach der Ankunft die große Backskiste leer. Ich wollte wissen, was der Wassermacher für ein Wehwehchen hat. Schnell war deutlich, dass es sich leider nicht einfach nur um einen abgeplatzten Schlauch handelte. Das Membrangehäuse hatte einen Riss. Die offene Wunde zeigte Glasfasersplitter. Scheiße. Das sah nicht gut aus. Aber immerhin der Motor war in Ordnung. Ich war bedrückt und die Gedanken kursierten, wer, wie, wo evt. helfen könnte das Gehäuse zu ersetzen. Am nächsten Morgen erbaten wir uns von dem einzigen sichtbaren Boot im Atoll ein wenig Wasser und so tauschten wir 4 Dingiladungen voll mit ca. 40 l in Wasserkanistern gegen Bananen und Tomaten. Überglücklich füllten wir das Wasser in unsere Tanks. Kleinere Mengen erhitzte ich, so dass ich die Bilge mit etwas Spüli entölen konnte. Step by step. Das Öl aus dem Motorraum hatte seinen schleimigen Weg durch die Bootsbewegungen leider überall in die Bilge geschafft. Wäsche wartete darauf entsalzen zu werden. Alles im und am Schiff war salziger als nach der Pazifiküberquerung. Wir hätten die Salzmühle füllen können, soviel Salzkristale klebten am Deck.Es war eine schnelle, aber auch recht spritzige und nasse Überfahrt. In keinster Form gefährlich, nur halt keine Kaffeefahrt. Nach der ersten Nacht vor Anker war Georg der Auffassung, dass man das Gehäuse auch ggf. mit Glasfasermatte und etwas Harz wieder hinbekommen könnte. Vielleicht finden wir im nächsten Atoll eine Perlenfarm, die zufällig gerade etwas Matte verarbeitet. Parallel beschritten wir Wege, Ersatzteile nach Tahiti zu bekommen. Soweit so gut. Oder auch nicht. Aber wir waren angekommen. Machten uns an die Reinigung des Schiffes, der Wäsche und der Crew, holten Schlaf nach, kochten und aßen mal wieder gemeinsam an einem Tisch und freuten uns sehr am Nachmittag ein paar Motus weiter einen befreundeten Katamaran zu sehen. Die Skylark ankerte nur ein paar Meilen weiter und bei Kaffee und Kuchen tauschten wir uns über die Ereignisse der letzten Wochen aus. Lou, Stewart und ihre Mädels; Elenora und Hannah kommen aus Schottland bzw. Großbritannien und sind vor fast zwei Jahren in Amiland gestartet, um bis zum Ende nächsten Jahres nach Australien zu segeln. Sehr nette Familie! Auch sie waren so nett und spendierten ein paar Liter Wasser, so dass ich sogar meine Haare entsalzen konnte! Wasser ist schon was feines. Inzwischen liegen wir nebeneinander vor Anker. Zwischen all dem ‚Klar Schiff‘ machen, schauen wir immer wieder mal auf ‚unser‘ Motu und die Farben des Wassers, der Insel, der Palmen wirkt völlig unwirklich. So schön. Gestern waren wir auch endlich mal für ein Stündchen am Strand (leider freuten sich dort ziemlich viele Mücken auf uns) und im klaren Wasser. Was eine Erfrischung. Und das sah ich doch tatsächlich, etwas für hier ziemlich übliches an der Wasseroberfläche: eine Haiflosse, blacktipped. Das ‚Baby‘ war vielleicht anderthalb Meter lang, drehte ein Runde und verschwand. Doch zurück zur Skylark. Sie hatten tatsächlich vor ein paar Wochen Glasfaser verarbeiten müssen und waren mehr als gewillt uns ihre Reste zur Verfügung zu stellen. Toll! Eine möglicher Reparaturversuch war in Sicht. Doch erst einmal tapten wir das Gehäuse (mit dem neuen Tape, dass ich unter Mias Koje achtern herausholen musste. Also einmal alles hinter ‚dem Vorhang‘ ausräumen. Diejenigen, die schon mal an Bord waren, wissen was das bedeutet.) Alles abgeklebt, spülten wir das System und insbesondere die Membran nun mit Süßwasser. Dann baute Georg das Gehäuse auseinander, verpackten die Membran und er machte sich an die Glasfasermattenverarbeitung. Inmitten von allem was wir aus der großen Backskiste ausräumem mussten, um überhaupt an das Gehäuse zu kommen. Also inmitten von allem was sich normalerweise in dieser Backskiste befindet; zwei Klappräder, Seile, Sitzkissen, ein Grill und und und packte er Stunde für Stunde Glasfaser auf die defekte Röhre. Das ist der Stand der Dinge. Ob’s hält werden wir heute irgendwann testen, dann werden wir auch wissen, ob das Manometer (Druckmesser) etwas mitbekommen hat…die Befürchtung steht im Raume. Es bleibt also spannend hier im Südseeparadies. Wir halten euch auf dem Laufenden und hoffen heute mal einen kleinen Familiespaziergang am Strand zu machen, bevor wir dann der Skylark morgen in Richtung Macemo; einem weiteren Atoll, 60 Seemeilen südwestlich von hier entfernt, folgen. Bis bald! Irene und Crew

9 Gedanken zu “Windige Grüße aus den Tuamotus

  1. Spannend.wie immer geschrieben.Irene du schreibst so ausführlich das ich alles vor Augen haben kann.Danke dafür..Ich hoffe dss baldigst euere Wasseranlage wieder kräftig Duschwasser fabrizieren kann.Weiterhin Ahoi und guten Wind.

  2. Hallo Ihr Lieben Welt Reisenden, Sitze am Flughafen Stockholm Skavsta und warte auf Georgs Papa, meinen Bruder Gunther. Ich hatte viel Zeit euren Bericht intensiv zu lesen und drücke nun die Daumen dass der Wassermacher nun hält. Wir liegen am Götakanal und Gunther und ich wollen in den nächsten 14 Tagen in Richtung Göteborg Segeln beziehungsweise den Kanal befahren. Grüße also von Segelboot zu Segelboot Euer Reinhard

  3. Der Saint-Exupery, der mir dem kleinen Prinzen und den 80 tagen um die welt, der musste mal in der Wüste landen und hat dann morgens die tautropfen von seinem Flugzeug gesammelt. Nur falls der Wassermacher nicht mehr will. Aber ihr seid ja technisch gut drauf. Kautschuk isoliert übrigens auch. Grüße aus der mal wieder unfassbar heißen provence, wo das größte Problem ist, den Rosé kalt zu bekommen.

    1. wahnsinnig spannend, erlebnisreich und anschauliche Berichte. Kann mir gut vorstellen, alles auf engsten Raum umzukrempeln um gerade an das heran zukommen was man benötigt. Weiterhin alles Gute und eine gute Brise.

      Steffen + Regine

  4. Danke für eure Kommentare und ganz liebe Grüße vom Atoll Makemo!

    Der Wassermacher funktioniert immer noch nicht. Wir verdursten jedoch nicht weil unser aktuelles Buddy-Boat Skylark uns blendend mit ihrem Wasser mitversorgt.

    Oli, du hast mir eine Nuß zu knacken gegeben wie der 80-Tage-Typ heißt der um die Welt ist. Saint-Exupery isses nämlich nicht. In einem lichten Moment fiel es mir wieder ein: Jules Verne! Jetzt freue ich mich dass ich es wieder weiß. Auch ein Franzose wie Saint-Exupery, glaube ich. Ist aber friedlich im Bett gestorben der Jules und nicht wie Saint-Exupery im Mittelmeer abgestürzt (wobei „abgestürzt“ ein Euphemismus ist für „von einem Deutschen abgeschossen“). Ansonsten werde ich deinen Hinweis gerne beherzigen und morgen früh Irene nach draußen schicken das Boot nach Tautropfen abschlecken.

  5. hallo Ihr 4 lange nichtsmehr von euch gehört.
    Seit Ihr in Papeete ausgestiegen weil es dort so schön ist?
    Oder seit Ihr schon weiter?

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