Oh wie schön ist Vanuatu! Oh wie liebevoll sind die Menschen, wie unvergesslich die vielen Begegnungen, wie interessant ihre Traditionen, wie anders ihre Art zu leben.

Ich freue mich endlich auch den Bericht unseres letzten Besuchs fertig gestellt zu haben. Mein Geschenk für euch zum Muttertag. Manche Inselnamen werden euch vielleicht bekannt vorkommen, weil wir sie im letzten Jahr schon besucht haben. Siehe Bericht Vanuatu 2018.

Unser zweiter Besuch des Landes war nicht weniger interessant und hat so viele Kontakte und das Gefühl für die Lebensart der Ni-Vans intensiviert.

Am 6. September letzten Jahres haben wir nach 3 Monaten in Vanuatu ausklariert. Zum zweiten Mal. Ich war traurig, weil unsere Zeit hier abgelaufen war und gleichzeitig so überglücklich dieses Fleckchen Erde besucht zu haben.

Ich bin dankbar für die Begegnungen mit den Ni-Vans, für die Einblicke in ihr Leben und hoffe irgendwann irgendwie noch einmal zurückkehren zu können zu unseren neuen Freunden und unserer neugewonnenen Familie in der Inselwelt Vanuatus. Viele der Orte, die wir 2018 besucht haben, haben wir in den letzten drei Monaten noch einmal beankert, wir haben unsere Kontakte intensiviert und so viel mehr über das Leben, den gelebten Brauch und ihre Traditionen kennenlernen dürfen. Wir haben aber auch neue Inseln und Dörfer besucht, wir hatten das Glück das Landdiving (Turmspringen) in Pentecost und das 4. Nationale Kunstfestival in Lakatoro auf Malekula mitzuerleben. Wir fühlten uns hier sehr wohl. Die größte Faszination: Immer, wenn wir abends zurück an Bord waren, waren wir so reich und erfüllt mit den Begegnungen des Tages. Wir haben tolle Wasserfälle gesehen, brodelnde und rauchende Vulkane, klarste Flüsse, traumhafte Strände, beeindruckende Vegetation im Busch, doch das faszinierendste sind für uns die Menschen hier. Ihr Lächeln, ihre Ausstrahlung, ihre Gastfreundlichkeit, ihr Umgang, ihre Zufriedenheit und Raffinesse mit dem einfachen Leben, das sie leben. Was ist ihr Geheimnis? Der recht regelmäßige Konsum des berauschenden und beruhigenden Kavas? Die Abgeschiedenheit? Das Leben ohne Fernsehen, tägliche Nachrichten und die ständige Nutzung des Internets? Ihr Freizeitprogramm und Allgemeinwissen ist in unseren Augen sicherlich etwas beschränkter. Doch ihr Stresslevel ist sehr gering und wir haben den Eindruck sie leben selbstbestimmter als die meisten Menschen in unserer westlichen Kultur. Sie haben ihre Familien, Dorfgemeinschaften, ihre Gärten und ein Dach über den Kopf und sie sind glücklich. Ja, wir können das Ergebnis des Happy Planet Index nur bestätigen: Der Südseestaat Vanuatu im Pazifik beherbergt die glücklichsten Menschen der Welt.

Hier sollte die Einleitung in unseren Reisebericht von Vanuatu 2019 eigentlich enden. Doch aus aktuellem Anlass noch ein Einschub:

Am 6. und 7. April diesen Jahres wirbelte der Zyklon Harold (Kategorie 5) durch den Pazifik und sorgte für große Schäden und sicherlich einige Menschenleben in Vanuatu. Die Inseln Espiritu Santo, Malekula, Pentecost und Ambrym sind am schlimmsten betroffen. Wie schlimm, ist leider immer noch nicht wirklich bekannt. Die Kommunikation war aufgrund von zerstörten Funkmasten beispielsweise in Pentecost für zwei Wochen lahm gelegt. Nach einigen Tagen erreichte uns ein Lebenszeichen von Freunden auf Malekula und dann nach 16 langen Tagen haben wir endlich Nachrichten aus Pentecost erhalten. Wir sorgten uns sehr, doch jegliche Anrufversuche per Satelitentelefon endeten im Nichts, keiner unserer Kontakte reagierte über Facebook Messenger. Wir befürchteten das Schlimmste. Doch dann Erleichterung: Niemand, den wir kennen ist persönlich zu Schaden gekommen. Wir hatten gehofft, dass sie früh genug in die Berge und Höhlen geflüchtet sind um sich zu schützen. Ja, sie versteckten sich und waren erfolgreich. Ganz Loltong hatte Zuflucht in der Kirche (aus Stein gebaut) gefunden. Das Dorf befindet sich direkt am Wasser und die hohen, mächtigen Wellen sind in ihre Hütten und Häuschen geschossen. Der Strand ist weg- und viele Korallen, Steine, Baumstämme wurden aufs Land gespült. Unsere Freunde im Norden von Pentecost hat es nicht ganz so schlimm getroffen wie Mitte und den Süden der Insel. Es gibt viel aufzuräumen und zu reparieren, neu anzupflanzen.

Wir sind traurig und wünschten helfen zu können. Es ist so gut zu wissen, dass Ni-Vans starke und zähe Menschen sind. Für uns, die ja so viel haben, ist es unvorstellbar alles zu verlieren. Für sie ist es natürlich auch nicht schön, aber sie haben weniger Kram und sie werden wieder aufstehen und ein neues Haus bauen, ihre Gärten in Ordnung bringen, Kava trinken und Lächeln. Das wünschten wir ihnen zumindest und seit dem letzten Videoanruf wissen wir: genauso ist es. Das Dorf Loltong sieht sehr verwüstet aus, doch sie räumen, knoten neue Dächer, sind guter Dinge und Lächeln.

Gesamtübersicht 09.Juni bis 12. September 2019

  1. Aneityum (08.-14.Juni)
  2. Tanna (14.-17.Juni)
  3. Eromango – Efate; Port Vila – Epi (17.-27.Juni)
  4. Pentecost, Wali (28. Juni-1.Juli)
  5. Port Sandwich (02.-06. Juli)
  6. Malekula; Port Stanley, Wala, Vao – Espiritu Santo; Luganville (06.-17.Juli)
  7. Pentecost – Loltong (18.-31.Juli)
  8. Maewo – Ambae – Maewo – Espiritu Santo – Ambrym (01.-18.August)
  9. Malekula; Lakatoro Festival (17.-22.August)
  10. Espiritu Santo (22.-29.August)
  11. Banks -Torres (29.August – 12.September)

Wir haben uns dieses Mal entschieden den Bericht zu unterteilen und hoffen ihr habt Lust Kapitel für Kapitel bzw. Fotogallerie für Fotogallerie mit uns durch Vanuatu zu reisen.

Vanuatu 2019, 1.Teil: Aneityum 08.- 14. Juni

Am 9.Juni sendeten wir folgende WhatsApp Nachricht an unsere Familie:

‚Liebe Grüße aus Anatom, Vanuatu😘😘😘😘😘 Sind vorgestern Nacht um 0200 Uhr hier angekommen. War fast, aber auch nur fast, wie nach Hause kommen, die Menschen hier sind so freundlich…später mehr von uns!‘

Das antwortete meine liebe Schwiegermutter: ‘Dann kommt doch einfach nach Hause, wir sind doch auch ganz freundlich.‘

Recht hat sie und deshalb fühlen wir uns so wohl in Vanuatu. Es fühlt sich so vertraut und so gut an umgeben zu sein von liebevollen Menschen.

Wir hatten zwei Nachtfahrten von der Iles de Pins, Neukaledonien hinter uns. Unterwegs hatte Noah auf dem Tablet gelernt seinen Namen zu schreiben. Ansonsten war es eine recht unspektakuläre Überfahrt. Wir kamen nachts an. Es war stockdunkel, doch der Ankerplatz war deutlich beschrieben und es ankerte ein anderes Boot dort, so falsch konnten wir also nicht liegen.

Aneityum oder auch Anatom ist kein offizieller Einklarierungshafen von Vanuatu. Wir hatten vorab per E-Mail beim Zoll um Erlaubnis gebeten hier einklarieren zu können. Leider hatten wir nie eine Antwort erhalten, doch laut unserer Recherche sollte am nächsten Morgen ein Kreuzfahrtschiff einfahren, daher sollten sich ein paar Offizielle vom Zoll und der Einwanderungsbehörde auf der Insel befinden.

Wir waren also etwas angespannt: Dürfen wir bleiben oder nur für eine Nacht und dann weiter, werden sie an Bord kommen, dürfen wir unser in Neukaledonien teuer erstandenes Obst und Gemüse an Bord behalten oder werden sie es mitnehmen, um es zu vernichten?

Nach dem Frühstück wollten wir an Land gehen und die örtliche Polizei Station besuchen. Morgens landete ein kleines Flugzeug auf der vorgelagerten kleinen Insel: Mystery Island. Gerade als wir in Richtung Land fahren wollten, kam auch ein Longboat mit einigen freundlich winkenden Menschen angefahren. An Land stellte sich heraus, dass genau diese welche vom Zoll und der Einwanderungsbehörde waren. Perfekt! Das sollte Klarheit geben. Unsere Anspannung legte sich nach wenigen Minuten. Mit dem Fuß, den wir aus dem Dingi auf den Strand setzen, überkam uns das Gefühl von Heimat. Es waren sicherlich nicht die Sandkörner, eher die freundlichen Gesichter, die fröhlichen Stimmen, die Art des Willkommens heißen der Ni-Vans auf ihre Insel, in ihrem Land. Durch einen Hintergarten, in dem wir auch die ca. 8-jährige Rosalyn mit ihrem kleinen Babybruder auf dem Arm kennenlernten, wurden wir zum Quartier der Offiziellen geführt; eines der wenigen Betonhäuser auf der Insel. Die Beamten freuten sich über unsere Anwesenheit und machten deutlich, dass sie ja gerade erst angekommen seien, aber morgenfrüh um 9 Uhr könnten wir gerne wiederkommen, um die Formalitäten zu erledigen. Das ließ hoffen. Noah bekam ein Bündel frische Erdnüsse am Strauch geschenkt und die teilte er in den nächsten Stunden mit jedem, der uns über den Weg lief. Und das waren einige bis keine Nuss mehr übrigblieb. Er ist und bleibt unser größter Kleinster gemeinsame Teiler. Wir spazierten und erkundeten das Dorf und wurden so auch zum Chief geführt, der sich gerade auf die Eröffnung einer religiösen Jugendbegegnung konzentrierte. Dieser wohnten wir auch bei, genossen die farbenfroh gekleideten Gäste, die Blumenkränze und die gelassene Stimmung aller Anwesenden. Später beschlossen wir eine Wanderung zu einem Wasserfall zu machen, schnell wurde deutlich, dass diese allerdings eine Tagestour wäre und der Wasserfall mit den Kids eher unrealistisch zu erreichen wäre. So spazierten wir einfach zu einem schönen Flusslauf, entlang einiger Gärten, Pampelmusenbäume und vieler Menschen, die uns immer wieder mal ein Stück begleiteten. Hilfreiche war auch, die Frau ausfindig zu machen, die den Schlüssel für den Laden hat, in dem wir, auch wenn es Sonntag war, eine SIM-Karte kaufen konnten. Unsere Kinder und ich denke Noah zum ersten Mal kamen in den Genuss eine kleine Babykatze im Arm halten zu dürfen und irgendwann verließen wir selig mit einigen Pampelmusen das Land und tourten wieder zurück zur ZIG ZAG.

Am nächsten Morgen waren wir pünktlich um 09:00 Uhr an Land zum Einklarieren. Wir wurden hineingeleitet; Formulare und Kugelschreiber wurden organisiert und wir füllten alles brav aus. Uns war klar, dass wir aufgrund dessen, dass Anatom kein offizieller Einklarierungshafen ist, 50 Euro extra zahlen müssen, doch das nahmen wir gerne in Kauf. Es gefiel uns gut hier und Mystery Island sollte ein Traum sein. Einen Traum, den wir dann einen Tag später ohne Kreuzfahrt Touristen ganz alleine leben durften. Wir erkundeten zunächst einmal weiter das Dorf und lernten Roselyne, Harry, Tochter Lavvenda und ihre Familie kennen. Harry war der lokale Pfarrer der Adventisten Gemeinde. Wir hatten noch nicht gefrühstückt und gingen zum Boot zurück, aßen etwas, backten einen Kuchen und besuchten die Familie erneut. Sie freuten sich sehr und füllte uns einen Korb mit Maniok, Kokosnüssen, Pampelmusen und Orangen. Großartig.

Am 10.06. schrieb ich in unser Tagebuch: Heute hat Lino das letzte Mal tagsüber Milch getrunken. (Hahaha, das war so – für ganze DREI Tage) Ich habe ihn ja immer noch fleißig gestillt…wann immer es ihn gelüstete. Am darauffolgenden Tag erkundeten wir Mystery Island. Das Kreuzfahrtschiff hatte die Bucht wieder verlassen und wir hatten die Insel ganz für uns und ein paar wenige Einheimische, die ein wenig Laub fegten. Mia schnorchelte hier das erste Mal mit ihren Flossen, die sie in Australien zum Geburtstag bekommen hatte und Noah machte schon die ersten richtigen Schwimmbewegungen. Wir liefen einmal komplett um die Insel herum, bestaunten die Gras Landebahn des Flughafens, genossen die einsamen Strände, suchten Muscheln und wir spielten und plantschten am Strand. Ein Tag ganz nach unserem Geschmack.

Am nächsten Tag zog es uns wieder zu den lieben Menschen ins Dorf und so trafen wir Walter, der uns anbot am darauffolgenden Tag mit uns einen Berg hinauf zu spazieren, der eine super Sicht auf ZIG ZAG und Mystery Island versprach. Außerdem begaben wir uns auf die Suche nach Mias und Noahs Flip Flops, die wir drei Tage vorher wohl am Strand vor einer Palme vergessen hatten, als die Kids versucht hatten diese zu besteigen. Das unglaublich coole war, dass wir sie tatsächlich von ein paar Kindern zurückgebracht bekamen. Mias Paar durften sie behalten und wir brachten Ihnen noch ein riesen Dankeschön für das Zurückgeben von Noahs Lieblingsflipflops. Wir spazierten noch einmal zum schönen Fluss, flitschten ein paar Steine und die Kinder nahmen ein Bad.

Den letzten Tag verbrachten wir nochmal sowohl auf Mystery Island, als auch im Dorf, mit Walter und den Jungs Moray und Ray auf dem Berg. Walter erklärte uns die vielen Nutzen der Büsche und Bäume, die wir sahen…alles hatte einen Namen, alles hatte eine Funktion; entweder konnte man es Essen, es wurde zum Kochen verwendet, zum ein- oder verpacken von Essen, zum Hütten bauen oder dekorieren. Als letztes an diesem Tag, es dämmerte bereits verabschiedeten wir uns von Harry und Roselyne, die für uns einen riesen Abschiedskorb mit Pampelmusen, Manjok und Co vorbereitet hatten. Harry übergab uns als Erinnerung an sie außerdem eine große Triton Muschel. Wir fühlten uns geehrt. Der Tag war einfach zu kurz gewesen, es war schon stockdunkel als wir mit warmen Herzen, erfüllt mit großer Freude über unsere ersten Tage hier mit den liebevollen Ni-Vans wieder an Bord der ZIG ZAG ankamen.

Zu Teil 2: Vanuatu 2019, Teil 2/11: Tanna 14.- 17. Juni

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