(Hier geht es zu Teil 10: Vanuatu 2019 Espiritu Santo 22.- 29. August)

Heute kommen wir zum letzten unserer Teil unserer Vanuatureihe. Am 29. August verließen wir Espiritu Santo mit dem Ziel Gaua. Wir kamen morgens um 5 Uhr an und ankerten mit dem ersten Morgenlicht. An Land trafen wir auf viele Kinder und ein paar wenige Frauen, scheinbar waren alle Männer in ein Nachbardorf gegangen, und die Nachbardörfer sind meist so weit entfernt, dass man nicht morgens hin und abends wieder zurückkam. Drei der Damen boten uns an ihre Watermusic zu demonstrieren und wir waren ganz aufgeregt. Denn die Watermusic Vanuatus kommt ursprünglich aus Gaua, den Bank Islands hier in Vanuatu. Was ein Erlebnis, was ein Sound. Beeindruckend wie sie es mit Hand- und Armbewegungen schafften diesen Bass in unsere Ohren zu zaubern. Mit einem Strahlen im Gesicht platschten sie dahin und gaben uns eine kleinen Kurs in ‚How to play watermusic‘. Die Kinder hatten riesen Spaß daran die schwarzen Sandberge runterzurutschen und in den Fluss zu springen. Wir freuten uns dem Dorf einige Klamotten für Groß und Klein zu übergeben und zogen allerdings noch am selben Tag weiter in die Bushman Bay, Gaua. Nun waren wir also in den Banks. Sie waren noch abgelegener als die abgelegensten Inseln Vanuatus, die wir bisher besucht hatten. Wenn der Internetempfang auch manchmal nur wage war und nur ein paar Nachrichten durchrutschten, hier ging nix mehr.

Die Banks gelten als Malaria Gebiet. Wir hatten in den letzten Wochen viel mit den anderen Familienbooten und auch mit Georgs Schwester (Dr. in Deutschland) über die Möglichkeit der Prophylaxe diskutiert. Einige hatten sich entschlossen nichts zu nehmen, andere täglich…wir waren hin- und hergerissen. Sich gegen Mücken zu schützen ist schwer, doch über Monate, die wir in Vanuatu, den Salomonen und Papua-Neuguinea (alles Malaria Gebiete) verbringen werden, Medikamente als Prophylaxe zu nehmen, war uns zu Wieder. Wir waren trotzdem noch unsicher, denn Malaria bekommen, wollten wir natürlich auch nicht. Wir beschlossen letztendlich Therapie Medikamente an Bord haben zu wollen und von der Prophylaxe abzusehen. Hier in den Dörfern gab es Malariafälle und für die Einheimischen war das völlig normal und nicht dramatisch.

In der Bushman Bay kam ein Kanu auf uns zu gepaddelt und der Mann, namens Chief Richard fragte, ob wir das Malaria Team seien auf das das Dorf wartete. Ääähhm nein, das waren wir nicht, aber immerhin konnten wir ihm mit Zucker aushelfen, den er sich für seinen Tee wünschte. Es ist nicht so als das er diesen bei sich hatte und etwa nach einem Löffel Zucker fragte. Wir gaben ihm ein ganzes Paket und mit der Zeit und den vermehrten Anfragen für Zucker füllten wir diesen in leere Gurken oder Nudelsoßengläser und portionierten ihn auf diese Weise. Die Bushman Bay ist wirklich ein herzallerliebstes Dorf. Die Kommunikation wurde schwerer, doch wir verstanden ihr dankbares Strahlen als wir ihnen Kinderklamotten schenkten und der Spaß war groß beim gemeinsamen Fußballspielen mit dem neuen Ball, den wir im Dorf ließen. Hier lernten wir auch Nico (18 Jahre) kennen, der in Sola zur Schule ging. Er knackte und röstete und herrlichste Nangai Nüsse und war ganz verliebt in Lino.  Eine der Frauen, sagte wir sollten doch bitte länger bleiben, sie würde sich so freuen ein wenig mehr Englisch zu lernen. Doch unser Zeitplan sah vor am nächsten Tag nach Losalava, Gaua weiterzuziehen, von dort aus sollte man zu einem Vulkansee, dem Vulkan und einem riesen Wasserfall wandern können. Wir waren uns noch nicht so sicher, ob wir das alle zusammen machen können, mit oder ohne Übernachtung und und und…

Am 31.8. erreichten wir Losalava. Mit vor Anker war BRAVE und auch FAMILY CIRCUS. Wir machten eine kurze Erkundungstour an Land und verabredeten uns mit Ray und Carlton, nachdem wir sie dann irgendwann ausfindig gemacht hatten, für den nächsten Morgen. Gemeinsam mit Kim (Mama von BRAVE), Sayo (Mama von FAMILY CIRCUS) und Kims zwei Töchtern starteten wir auf unsere Tagestour. Der Deal war 6000 VAT für einen den Walk zum Kratersee, Schwimmen in und Paddeln über diesen, Blick auf den Vulkan und ein weiterer Walk bis zum Aussichtspunkt zum Wasserfall. Die Wanderung war wunderschön, aber auch sau anstrengend. Meine Zehennägel sind inzwischen nach 8 Monaten fast verheilt und haben keine bräunlich- schwarzen Flecken mehr. Wir hatten Sonnenschein und auch heftigsten Regen. Mal war der Vulkan zu sehen, dann war er komplett in Wolken verhangen. Wir konnten im Kratersee schwimmen und uns in der genialsten Umkleidekabine der Welt; einem riesen Banyantree umziehen und haben den Walk durch den Busch sehr genossen. Es war schon dunkel, als wir wieder im Dorf ankamen, es war ein langer und erfüllter Tag in der Natur und Ray und Carlton sind als Führer für diesen Trip sehr zu empfehlen. Mir ist es immer noch ein Rätsel wie Ray den gesamten Tag in Gummistiefeln rumlaufen konnte, doch ‚Mr. Gum Boots‘ hatte es einfach drauf und kannte den Weg samt aller Hindernisse im Schlaf. Am nächsten Tag besuchen uns Ray und Jen, sie helfen uns das Unterwasserschiff sauber zu schrubben und wir lunchen gemeinsam auf der ZIG ZAG. Als sie dann zum Land paddeln wollten, kentern sie mit ihrem Kanu und Ray verliert seine Machete. Trotz vielem Suchen und Schnorcheln nach ihr, war sie nicht aufzufinden.

Eines Morgens gegen 4 Uhr wachten wir auf, Mia fieberte heftig und wir hatten Angst, dass sie Malaria hat. Da hatten wir soviel darüber diskutiert und endlich eine Entscheidung getroffen, war sie falsch gewesen?!? Am Tag zuvor waren wir bis zur Station des Flying Doctors Dr. Mark hier in Gaua gelaufen. Ihn selber hatten wir nicht angetroffen, doch seine Frau und sie hatte uns mit Therapy Medikamenten just in case ausgestattet und uns seine Telefonnummer und Emailadresse gegeben falls wir noch mehr Fragen haben sollten. Verrückt und nun fieberte Mia zunächst mit über 40 Grad und dann mit konstanten 39,5…Malaria by the book. Was tun? Therapy beginnen, testen lassen? Netterweise antwortete Dr. Mark schon morgens gegen 6, dass wir doch am besten an Land gehen sollten, testen und dann ggf. Therapie beginnen sollten, denn schon die Einnahme einer Tablette würde den Test verfälschen. Oh was waren wir dankbar für diesen Tipp. An Land wurde Mia negativ gestestet und wir konnten einige dieser Tests abkaufen, so dass wir in Zukunft im Zweifel selbst an Bord testen konnten. Nun fühlten wir uns gewappnet. Auf unserem Weg zurück zum Boot, trafen wir Nico aus der Bushman Bay. Er war bis hier hergelaufen und nun fragte er uns, ob wir ihn und eine Freundin Ghloe (20) mit nach Sola nehmen könnten, wo ihre Schule vor zwei Tagen wieder angefangen hatte. Bis nach Sola rüber war es eine Tages- und keine Nachtfahrt. Ghloe und Nico erschienen uns sehr nett und es war uns eine Freude sie mit rüber zu segeln. 

Sola 4.8.-9.8. Die Überfahrt war unspektakulär bis auf die große Schule Delfine, die uns eine Zeitlang begleitete. Als wir in Sola ankerten, kam auch die Fähre an auf den einige ihrer Mitschüler neidisch rüber winkten. Nicht das sie laut und stinkig war, sie war auch voll gepackt bis oben hin.   

In Sola freuten wir uns mal wieder etwas Fleisch kaufen zu können, ‚goldene Eier` für stolze 70 VAT pro Stück, Bananen und Pampelmusen. Außerdem besuchten wir noch einmal die Krankenstation hier und baten um einen erneuten Malaria Test, denn Mia war immer noch nicht fit und fieberte noch ordentlich. Sie machten eine Bluttest und auch dieser bestätigte: Malaria negativ. Es hatte sie wohl einfach eine lokale Grippe erwischt. Sola war uns zu groß, es war eine richtige Kleinstadt, aber hier mussten wir ausklarieren. Es war Zeit. Das Dreimonats Visum war abgelaufen und die Salomonen riefen uns. Super war Rickie zu suchen und zu finden. Er ist der kleine Bruder von Ray und lebt in einem kleinen süßen Häuschen direkt am Strand in Sola. Er hat sich gefreut Besuch zu bekommen und wir freuten uns über einen letzten persönlichen netten Kontakt bevor wir das Land unserer Träume verlassen würden.

Zwei Stopps hatten wir noch eingeplant: Die Pakman Insel: Ureparapara.  Man ankert quasi in einem Vulkankrater und dann wollten wir noch eine Kokosnusskrabbe in den Torres Inseln verspeisen. Chief Nickerson begrüßte uns in Ureparapara, doch irgendwie war die Stimmung seltsam und der Chief hatte eine nicht gerade sympathische Ausstrahlung. Es stellte sich schnell raus, dass er Geschenke für die Menschen im Dorf ungleich, unfair verteilte und wir verstanden das noch früh genug, so dass wir den Leuten direkt Dinge schenkten. Hier in Ureparapara gab ich mein mit Mia, Noah und Lino getragenes türkises Stillkleid ab an eine junge Mama. Georg und Chris; ja wir waren immer noch zusammen mit FAMILY CIRCUS unterwegs, flickten zwei Fiberglasboote und Lino genoss der Star der Kids zu sein. Das Setting des Ankerplatzes war beeindruckend, doch das Dorf gefiel uns nicht so richtig, daher beschlossen wir nach zwei Tagen weiterzuziehen.

Wir fanden einen geschützten Ankerplatz in den Torres Inseln und wurden gleich von fünf Mantas begrüßt. Sie waren ganz zutraulich und überhaupt nicht ängstlich als wir zu ihnen ins Wasser kamen. Dann machten wir Klarschiff und dachten juchuuuuu da kommt ein Boot und bringt und Koksnusskrabben. Zu früh gefreut! Auf dem Boot waren mehrere uns nicht ganz positiv gegenüber eingestellte Männer, die unsere Papiere sehen wollten, sich als Polizisten ausgaben und uns aufforderten noch heute ankerauf zu gehen, da sie uns sonst arrestieren würden. So hatten wir uns unseren Abschied aus Vanuatu nicht vorgestellt. Wir hatten den Eindruck, dass einer der Herren heute ‚Böser Bulle‘ trainieren wollte, um seine Kollegen zu beeindrucken. Das war ihm wohl gelungen. Wir waren zwar enttäuscht und wütend, doch uns war auch die Lust auf Kokonusskrabben vergangen. Wir checkten das Wetter, beendeten unsere soeben gerade gestartete Sushi Mach Aktion und bereiteten uns auf die Überfahrt nach Utupua, Salomonen vor.

Noch vor Anbruch der Dunkelheit starteten wir die Maschine und verließen Vanuatu.

ZIG ZAG durch Vanuatu, in diesem Jahr machten wir unserem Namen alle Ehre. Drei Monate Inselhopping von einem liebevollen Dorf zum Nächsten und manchmal wieder zurück. Nie werden wir die Gastfreundlichkeit vergessen, die uns entgegnet wurde. Mit einem Lächeln denken wir an das ‚Vanuatu Ja‘ zurück: Augenbrauen hochziehen heißt ‚JA‘. Das simple Leben hier hat uns schwer beeindruckt und wir hoffen uns immer daran erinnern zu können, dass es nicht viel braucht, um glücklich und zufrieden zu sein. Danke liebe Ni-Vans für den gemeinsamen Lebensabschnitt. Danke für euer Lächeln, das Spielen mit unseren Kindern, das Teilen eurer Obst- und Gemüseernten und den gemeinsamen Austausch über das Leben. Vanuatu – das Land unserer Träume!

Ihr habt Lust noch ein Video zu sehen? Chris hat eines zur Watermusic Vanuatu gemacht:

Übersicht aller Vanuatu 2019 Berichte:

Teil 1: Aneityum 08.- 14. Juni

Teil 2: Tanna 14.- 17. Juni

Teil 3: Eromango, Efate – Port Vila und Epi 17.- 27. Juni

Teil 4: Pentecost, Wali 28. Juni – 02. Juli

Teil 5: Port Sandwich, Malekula 02.-06. Juli

Teil 6: Port Stanley, Wala, Vao, Luganville 06.- 17. Juli

Teil 7: Loltong, Pentecost 18.- 31. Juli

Teil 8: Maewo – Ambae – Maewo – Espiritu Santo – Ambrym 31.Juli – 16. August

Teil 9: Lakatoro Festival, Malekula 17.- 22. August

Teil 10: Espiritu Santo 22.- 29. August

One Reply to “Vanuatu 2019, Teil 11: Banks, Torres Islands 29. August – 12. September”

  1. Angelika pferdmenges says:

    Ja meine Lieben, ein schönes Fleckchen Erde habt ihr mit Vanuatu gefunden. Wie verschieden wir dagegen leben. Es ist beeindruckend wie ihr das beschreibt. An den Fotos freue ich mich mehrmals.

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