Heute ist der 6.September 2019. Wir haben heute in Vanuatu ausklariert. Zum zweiten Mal in unserem Leben. Ich bin traurig, weil unsere Zeit hier nun abgelaufen ist und gleichzeitig so überglücklich dieses Fleckchen Erde besucht zu haben. Ich bin dankbar für die Begegnungen mit den Nivans, für die Einblicke in ihr Leben und hoffe irgendwann irgendwie noch einmal zurückkehren zu können zu unseren neuen Freunden und unserer neugewonnenen Familie in der Inselwelt Vanuatus. Ich habe soeben den Bericht unserer ersten Reise nach Vanuatu in 2018 vollendet. Viele der Orte, die wir im letzten Jahr besucht haben, haben wir in den letzten drei Monaten noch einmal beankert, wir haben unsere Kontakte intensiviert und so viel mehr über das Leben, den gelebten Brauch und ihre Traditionen kennenlernen dürfen. Wir haben aber auch neue Inseln und Dörfer besucht, wir hatten das Glück das Landdiving (Turmspringen) in Pentecost und das Nationale Kunstfestival in Malekula mitzuerleben. Wir fühlen uns hier sehr sehr wohl. Die größte Faszination: Immer, wenn wir abends zurück an Bord kamen, waren wir so reich und erfüllt mit den Begegnungen des Tages. Wir haben tolle Wasserfälle gesehen, brodelnde und rauchende Vulkane, klarste Flüsse, traumhafte Strände, beeindruckende Vegetation im Busch, doch das faszinierendste sind für uns die Menschen hier. Ihr Lächeln, ihre Ausstrahlung, ihre Gastfreundlichkeit, ihr Umgang, ihre Zufriedenheit und Raffinesse mit dem einfachen Leben das sie leben. Was ist ihr Geheimnis? Der recht regelmäßige Konsum des berauschenden und beruhigenden Kavas? Die Abgeschiedenheit? Das Leben ohne Fernsehen, tägliche Nachrichten und die ständige Nutzung des Internets? Ihr Freizeitprogramm und Allgemeinwissen ist in unseren Augen sicherlich beschränkter. Doch ihr Stresslevel ist sehr gering und wir haben den Eindruck sie leben selbstbestimmter als die meisten Menschen in unserer Kultur. Sie haben ihre Familien, Dorfgemeinschaften, ihre Gärten und ein Dach über den Kopf und sie sind glücklich.

Wir hatten eine unvergesslich schöne Zeit hier in Vanuatu, waren nur selten mal grippig und auch jegliche kleine boils wurden bisher im Keim erstickt. Gewusst wie;-) Mia kann super schwimmen und schnorcheln inzwischen. Alle drei Kids verstehen und die beiden Größeren sprechen ein super Englisch. Das Rechnen und Schreiben lernen ist ein immer größeres Thema an Bord und macht allen Spaß. ZIG ZAG ist in einem guten Zustand. Georg hat heute seine ersten eigenen kandierten Ingwerstäbchen fertig gestellt und ich endlich mal wieder einen Bericht. Was will man mehr. Wir machen uns nun bereit für unsere Weiterfahrt nach Uriparapara, zu den Torres Inseln (beides noch Vanuatu) und dann zu den Salomonen. Wahrscheinlich werden wir einige Wochen kein Internet haben und über das Satphone kurze Positionsmeldungen auf dieser Webseite posten ohne einen Newsletter auszulösen. Wenn ihr also neugierig seid, wie es uns geht, schaut einfach rein und erfahrt mehr. Der generelle Plan für die kommenden Monate sieht vor über die Salomonen, Papua Neuguinea über die nördliche Route Indonesien zu erreichen.

Doch nun reist mit uns in die Vergangenheit und genießt unsere ersten Eindrücke von Vanuatu aus dem letzten Jahr.

Vanuatu 18.09 – 15.11.2018

Am 14.September 2018 hatten wir in Nadia, Fiji ausklariert. Wir blieben illegaler Weise noch eine Nacht vor Anker; wir packten das Dingi auf das Vorschiff und machten alles an und unter Deck seefest. Wir spannten das Leesegel auf unsere Spielwiesenkoje, kochten noch etwas vor und gönnten uns noch eine Nacht guten Schlaf. Am nächsten Morgen ging es los: eine dreitägige Überfahrt nach Vanuatu. Unser erstes Wunschziel war Tanna, die Insel auf der wir uns unbedingt den aktiven Vulkan Yasur anschauen wollten. Lenakel ist der offizielle Ort zum Einklarieren, der Ankerplatz war allerdings nur unter ganz ruhigen Bedingungen geeignet. Für Port Resolution, die von den Seglern bevorzugte Ankerbucht brauchte man vorab eine Genehmigung. Wir hatten diese beim Zoll erbeten, doch leider am Tage unserer Abfahrt mit dem letzten Netz eine Absage bekommen. Was ein Ärger, eine Woche vorher hatten Freunde von uns noch eine Erlaubnis bekommen…

Tanna 18.-25.09.2018

Wir entschieden Tanna anzusteuern uns zu versuchen in Lenakel anzulanden. Als wir uns Tanna näherten hatten wir locker 5 Windstärken und in der Nacht zuvor war unsere Herdaufhängung gebrochen. Der Herd ist kardanisch aufgehangen, also war er zumindest; das bedeutet, dass es rechts und links einen Aufhängungspunkt gibt und dass wir auch in Schräglage kochen können, ohne dass die Suppe aus den Töpfen schießt. Die Töpfe werden zusätzlich noch mit Topfklemmen an den Herd geschraubt. Eine dieser Aufhängepunkte hatte wohl seit 2003 (Baujahr unserer ZIG ZAG) so viel geschaukelt, dass er nun am Ende war und brach. Es war aber auch eine ätzende Welle, ein olles Geschaukel in den letzten Stunden. Wir hingen den Herd mit Hilfe ein paar Seile hoch und waren froh, dass bis auf ein paar Kratzer am Holz nichts passiert war. Schließlich hängt da auch eine Gasleitung am Herd, die beschädigt hätte werden können. Für uns war die Wetterlage und die gebrochene Aufhängung Grund genug andere Segler in Port Resolution anzufunken und nach den dortigen Bedingungen zu fragen. Wir bekamen von zwei Seglern eine Rückmeldung, die uns eindeutig empfahlen Port Resolution anzulaufen, an Land zu gehen und mit dem dortigen Chief zu sprechen, der würde sich dann mit dem Zoll in Verbindung setzen und es gäbe sicherlich kein Problem. Eine andere Yacht wäre auch ein Tag zuvor ohne einklariert zu haben in Port Resolution angekommen. Ich fühlte mich bescheiden mit dem Gedanken eine Bucht anzulaufen für die wir keine Genehmigung bekommen hatten, aber ich konnte es mir mit der gebrochenen Herdaufhängung recht gut legitimieren. Nach unserer Ankunft machte ich unseren Captain flott schnell das Dingi ins Wasser zu lassen, ich wollte so schnell wie möglich Klarheit haben, schließlich riskierte man laut Website der Regierung Bußgelder und eine Strafverfolgung. An Land trafen wir Warry, den Bruder des Chiefs und baten ihn dem Zollbeamten in Lenakel unsere ‚dramatische Situation‘ zu erläutern. Er griff zum Telefon und ich hörte wie er ihn begrüßte; shit den Namen kannte ich, der war mit im Emailverteiler für die Ablehnung unserer Anfrage. Warry übergab uns das Telefon. Anspannung. Am anderen Ende eine sehr relaxte Stimme; wir sollten am nächsten Morgen vorstellig werden zum Einklarieren, Warry würde uns bringen. Ja, für 3000 VAT (knapp 30 Euro) wollte er uns nach Lenakel bringen, später zum Vulkan, von wo er uns am Abend auch wieder abholen wollte. Erleichterung. Der Plan stand. Der Zollbeamter war selbstverständlich ein Cousin von Warry und es schien irgendwie ok zu sein, dass wir dort waren wo wir waren. Zurück zum Boot, klar Schiff machen, warme Klamotten und Schuhe raussuchen UND anprobieren. Denn seit unserer letzten langen Hose, waren die Kids wahrscheinlich schon gewachsen. Am nächsten Morgen ging es schon sehr früh an Land, wir waren spät dran und rasten an Land. Motor auf Vollgas. Dann ein Schlag mit einem ratternden Kratzen, verdammt wir sind mit dem Propeller aufgesetzt. Ein böses Geräusch. Georg bekommt den Motor wieder an. Dieser klingt nicht gesund, aber wir fahren langsam zum Strand und konzentrieren uns auf das was vor uns liegt, nicht ahnend wie sehr wir unserem Motor geschadet hatten.

Warry ist startklar und wir fahren mit seinem Jeep los. Wir fuhren entlang des Dorfes; Strohhütten, ein ‚echtes‘ Gebäude war zu erkennen, das war die Schule. Dann fuhren wir weiter.  Fahren konnte man das nicht nennen, wir hoppelten eine Erd- und Wurzelhaufenstrecke entlang; hoch runter, schräg nach links, schräg nach rechts; abenteuerlich. Straße konnte man das nicht nennen. Irgendwann waren sie ebenerdiger. Dann wurde die Landschaft karg und der Boden recht grau und wir fuhren am Vulkan vorbei durch die Lava Mondlandschaft, über Aschfelder auf Feldwege bis nach Lenakel; dort gab es richtige Straßen. First stop: Bank. Mit der Kreditkarte bekamen wir unsere ersten Vatu (1 VAT = 0,80 Euro). Dann ging es auf direktem Wege zum Zoll. Dort bekamen wir dann einen versiegelten Briefumschlag mit dem wir in Port Vila, Efate noch einmal zum Zoll und zur Immigration gehen sollten. Die 5000 VAT ‚Strafe‘ für das Anlaufen eines nicht offiziellen Einklarierungshafen zahlten wir direkt vor Ort. Anschließend führte uns Warry zu einem Schrott- oder Schraubplatz. Dort hatten wir die Hoffnung, dass uns jemand unsere mal wieder gebrochene Schraube der Wassermacherpumpe schweißen kann. Ein Schweißgerät war vorhanden. Den richtigen Schweißdraht mussten wir erst noch irgendwo kaufen. Das Schweißen dauerte eine gefühlte Ewigkeit und glückte auch nicht bei den ersten Versuchen…irgendwann hatten wir dann ein fertig geschweißtes Ersatzteil in der Hand. Ein Besuch auf dem Markt, sorgte wieder für ausreichend Obst und Gemüse an Bord und wir freuten uns über ein Brot, das wir nicht selber backen mussten. Eine SIM Karte sorgte dann für unsere völlige Glückseligkeit. Nach einer kurzen Lunch Pause fuhr uns Warry dann zum Vulkan. Gegen 15.00 Uhr sammelten sich immer mehr Menschen am Eingang zum Vulkan. Für knapp 100 Euro pro Person wurden wir Willkommen geheißen, betanzt und mit einem Jeep hoch zum Vulkan gefahren, ein paar Meter weiter hochlaufen und da waren wir: Der Yasur rauchte. Es kochte und es flogen Lavabrocken in die Luft. Es war kalt, aber wir waren bestens vorbereitet mit Mütze, Jacken und Co. Langsam wurde es dunkel und das Glühen der Lava wurde deutlicher und deutlicher. Brodelnde Urgewalt bahnt sich kilometerweit durch die Erdkruste und bot uns ein spektakuläres Schauspiel und knallte donnert wie ein Sektkorken aus dem Lavaloch. DAS ist also ein Vulkan. Sehr beeindruckend für Groß und Klein. Begeistert und müde fuhren wir mit dem Jeep wieder zum Fuße des Vulkans, dort gab es dann ein paar Kekse und ein paar Obststücke. Alles rundum gut organisiert. Schade, nur das die Eintrittsgelder nur an einen Menschen geht und nicht wirklich an die lokale Bevölkerung. Irgendwie schafften wir es am späten Abend dann noch mit dem Dingi zurück zum Boot, aber klar war, dass wir uns am nächsten Tag den Motor widmen müssen.

Es folgten zwei Tage an Bord; Wassermacherreparatur, Herdaufhängung durch eine Schraube ersetzt; alles wieder funktionstüchtig. Traurige Wahrheit über den Außenbordmotor. Getriebe schrott. Da muss was Neues her. Vanuatu ist nicht unbedingt ein Land in dem Land in dem man einfach in den nächsten Außenbordmotorladen gehen kann und sich Ersatzteile oder einen neuen passenden Motor aussuchen kann, aber wir versuchten unser Glück telefonisch bei ein paar Adressen in Efate, Port Vila; der Hauptstadt Vanuatus. Fehlanzeige. Da gab es nix für uns. Wir grübelten und grübelten. David und Linda bekamen bald Besuch aus Tasmanien. Also versuchten wir mit ihrem Einverständnis nach einem Ersatzteil in Tasmanien, dass der Besuch dann mitbringen würde. Ebenfalls ein nicht ganz einfaches Unterfangen. Auf Emails reagierte in Tasmanien NIEMAND. Also baten wir dann den Schwiegersohn in einer der Firmen mal anzurufen und für uns zu recherchieren. Thanks again Jodie and Andrew. Irgendwie fand er dann einen kompletten gebrauchten baugleichen Motor und die Firma verkaufte ihm den kompletten Schaft (den unteren Teil des Motors). Dieser schaffte es dann tatsächlich in ihr Gepäck und nach einer Steuerzahlung an den Zoll in Vanuatu auch bis zu uns an Bord. Dies allerdings erst zwei Wochen später. Mit wieviel Gesprächen, Gedanken und Sorgen so eine Ersatzteilanschaffung verbunden ist, kann man sich in Europa sicherlich nur schwer vorstellen. So ein Motor ist doch ziemlich essentiell für das Anlanden eines Seglers, wenn man seine Familie nicht täglich per Paddel befördern möchte. Die FAJO war uns schon einige Mailen voraus, bot uns aber freundlicherweise an, uns ihren Ersatzaußenbordmotor (5 PS, wir haben eigentlich 9,8 PS) bis Australien zu leihen. Solange wir das Teil aus Australien nicht sicher an Bord wussten, war das eine attraktive Alternative. Irgendwann befanden sich INVICTUS und FAJO für eine Nacht in derselben Bucht und 1 fix drei, dachte ich mir, da sollte ich doch mal kommunizieren und so wanderte der Motor zugegebenermaßen etwas überrumpelt (SORRY FAJO) von Mathias und Silke, die ihn erst einmal herauskramen mussten zur INVICTUS und dann später in Vila zu uns.

Bis es soweit war gab es für uns allerdings noch einiges mehr zu entdecken und wir ließen uns entweder abschleppen, fuhren sehr langsam und schonend oder paddelten.

Nach zwei Tagen Reparaturen und Organisation an Bord ohne auch nur einen Fuß an Land zu setzen war es endlich Zeit ins Dorf zu gehen. Wir begaben uns in Hauptdorf Ireupuow. Schon am ersten Tag hatte uns jemand gefragt, ob wir evt. noch Babymilchpulver an Bord hätten, es gäbe ein Neugeborenes und die junge Mutter hätte Probleme mit dem Stillen. Und ja tatsächlich hatte ich noch eine große Dose Milchpulver an Bord, dass ich irgendwann einmal gekauft hatte, für den Fall, dass ich Probleme mit dem Stillen bekommen würde. Lino war inzwischen 11 Monate, da war es mir eine Freude das Pulver weiterzugeben! Im Dorf angekommen wurden wir gleich mit Bananen und Kokosnüssen begrüßt, wir dürften sie auch gern liegenlassen und später abholen. Bei der Menge ein nicht abzuschlagendes Angebot. Die Menschen hier leben WIRKLICH in Strohhütten und kochen auf Feuer. Elektrizität war quasi nicht vorhanden, daher kam auch immer wieder die Frage, ob wir vielleicht Batterien hätten. Einige Solarpanele gab es, wodurch dann doch das ein oder andere Handy oder eine Lampe geladen werden konnte. Möbel gibt es nicht. Hier und da mal ein Plastikgartenstuhl, aber ansonsten galt die aus Pandanusblättern geflochtene Matte als Sitzfläche, Picknickdecke, Hüttenteppich, Bett. Wenn wir irgendwo begonnen mit einer Familie zu sprechen, eilte meist jemand in eine Hütte und kam mit einer Matte wieder raus, faltete sie aus und bot uns an darauf Platz zu nehmen. Entweder gleichzeitig oder kurz darauf wurden uns Bananen, Papaya, Pampelmusen, Kokosnüsse oder auch Stachelannone angeboten. Back to the roots. Der Lebensstil der Ni-Vanuatu oder auch Nivans; so nennt man die Bevölkerung in Vanuatu, ist wirklich von Einfachheit geprägt. Es braucht scheinbar nicht viel zum Glücklich sein. Sie waren alle so zuvorkommend und freundlich. Der ein oder andere Mann, groß, sehr dunkele Hautfarbe, mag einem vielleicht in der allerersten Sekunde ein wenig düster vorkommen, doch wenn er dann eine Millisekunde später von einem bis zum anderen Ohr lächelt und ein freundliches ‚Hello‘ hervorbringt, spüre ich immer wieder eine unfassbare Faszination, welch eine Zufriedenheit und Glückseligkeit die Menschen hier ausstrahlen.

Wir waren also auf der Suche nach der Mama, die auf der Suche nach Babymilchpulver war. Wie es so ist in einem Dorf, hatten wir sie schnell gefunden. Natürlich wurde uns das kleine Kerlchen auch gleich vorgestellt und wir schauten was wir Passendes an Spielzeugen und Kleidungsstücken für die Kinder hier in unseren Rucksack gepackt hatten. Als Dankeschön bekamen wir Obst und Gemüse. Chuckos oder auch Christophine kannten wir schon aus der Karibik. Wikipedia lehrte uns nun auch den deutschen Namen: Chayote. Chayote schmeckt etwas wir Kohlrabi und da man es auch genauso zubereiten kann, gab es für uns auch Kohlrabi hier in Vanuatu. Denn Kohlrabi lieben unsere Kids. Es war Sa. Auf der Dorfwiese wurde Fußball gespielt. Während sie in Fidschi mehr auf Volleyball standen, rasten die Jungs in Vanuatu lieber dem Fußball hinterher. Ich setzte mich zu den Mädels und Kindern. Georg fotografierte das samstägliche Leben und unsere Kinder spielten schnell mit anderen Kindern auf der Wiese. Lino wanderte von einem Mädel zum nächsten und war ganz happy herumgetragen zu werden. Wir lernten wie anstrengend es ist die Wasserpumpe des Dorfbrunnens zu bedienen und ließen Vanuatu auf uns wirken. Voller positiver Eindrücke tourten wir zurück zur ZIG ZAG. Krass dieses Vanuatu. Diese wahnsinnige Vegetation, so grün, der Vulkan, die Strohhütten, diese Menschen. Wir waren begeistert und konnten es kaum erwarten mehr zu erleben und zu entdecken.

Am nächsten Tag fuhren wir an den schwarzen Strand auf der anderen Seite der Bucht. Wir nahmen ein paar rohe Eier und einen Topf mit, wir hatten gehört, dass man hier am Strand in den heißen Quellen Eier kochen könnte. Am Strand wurden wir gleich von Willi, Shila und vielen Kindern begrüßt. Willi zeigte uns gleich die heißen Quellen. Das war vielleicht ganz gut so, denn es gab Steinpools, die einfach angenehm warm waren uns andere in denen man sich wirklich gleich verbrannt hätte, wenn man einfach reingefasst hätte. Die Pools wurden bei Hochwasser einfach überspült, doch zeitlich passte alles perfekt und als die Eier gleich geglückt waren, beschlossen wir Nudeln und rote Soße im Boot zu holen und für alle Mittagessen in den Hotsprings zu kochen. Coole Aktion! Nudeln kochen direkt im Sieb. Wir füllten alle IKEA Schüsselchen und Teller, die wir hatten und bekochten so alle die am Strand waren. Nudeln und Soße für die Ni-Vanuatu eine Delikatesse und eine sehr willkommene Abwechslung. Nudeln und Soße; eine für sie finanziell nicht erschwingliche Mahlzeit. Sie ernähren sich hauptsächlich davon was in ihrem Garten wächst, läuft oder im Meer schwimmt. Taro, Maniok, Yams sind alles Kartoffelähnliche Wurzeln. Manchmal haben sie auch Süßkartoffeln. Die Bananenvielfalt ist riesig, so gibt kochen sie grüne Kochbananen, andere reife Bananen, dazu ein Kokosnusssößchen und selten mal etwas Hühnchen, Fisch und noch seltener: Schwein dazu. Island cabbage ist eine Art Blattspinat mit ganz großen Blättern. Den kochen sie einfach so, oder wickeln, Banane (Simboro), Yams (Laplap) und ggf. kombiniert mit Corned Beef ein. Dazu gibt es ähnlich üblich wie eine der Wurzelsorten auch gekochten Reis dazu.

Der Tag vergeht schnell, Mia und Noah haben großen Spaß mit den Kindern, Lino ist fröhlich bei den Mädels und Muttis. Georg macht eine kleine Wanderung zu anderen dampfenden Quellen und lernt so Willi etwas besser kennen. Willi hat eine kleine Tochter und ist Lehrer an der Grundschule. Shila, seine Frau erläutert mir, dass Kleidung für sie sehr teuer ist. Willi arbeitet und teilt seinen Lohn auch mit seiner Mutter. Die Grundschule ist hier in Tanna kostenfrei, die Sekundarstufe kostet und stellt daher für viele ein Problem da. Leben können die Ni-Vanuatu von ihrem Garten, auf dem Land der Familie in selbsterbauten Hütten, doch wie und wo sollen sie Geld verdienen, um ihren Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen? Auf den Inseln gibt es nur wenige bezahlte Jobs. Manche versuchen auf den lokalen Märkten ihr Obst und Gemüse in ein paar VAT zu verwandeln, andere bieten für Yachties wie uns kleine Spaziergänge an und verdienen so ein wenig. Die Frauen flechten Matten und Körbe, Hüte und Fächer, in den größeren Städten Port Vila und Luganville nähen die Frauen traditionelle Kleider und versuchen auf den Märkten auch Schmuck und Schnitzereien zu verkaufen. Doch das Schulgeld kostet ca. 30000 Vat pro Jahr, wenn das Kind bei der Familie untergebracht ist, wenn es die Heimatinsel für mehrere Monate verlässt und im Internat ist kostet es ca. 75000 Vat pro Jahr. Das muss erst einmal verdient sein. Einige Frauen uns Männer verbringen ein paar Monate im Jahr in Australien oder Neuseeland, arbeiten dort auf den Obst- und Gemüseplantagen, um finanziell besser dar zustehen. Die Kinder bleiben dann einfach bei der Familie, irgendjemand kümmert sich.

Nach 8 Tagen gingen wir Anker auf, doch natürlich gingen wir noch einmal ins Dorf, um uns von dem ein oder anderen zu verabschieden. Wir nahmen auch ein paar Babyklamotten mit, die wir der Schwester des Chiefs schenken wollten. Sie war hochschwanger und als wir sie suchten, teilte man uns mit, dass sie wenige Stunden zuvor ihr Baby bekommen hatte. Geburtstag 24.09.2018. Da kam unser Geschenk ja genau richtig.

Efate, Port Vila 26.09.-07.10.2018

Nach einer Nachtfahrt erreichten wir Port Vila. INVICTUS und auch JOSIDA waren bereits in der Marina. Wir wollten eigentlich an eine Mooring, doch nachdem man uns warum auch immer einen Platz an der Mauer zum selben Preis anbot, sagten wir nicht nein. Gemeinsam mit der INVICTUS besuchten wir einen Thai Imbiss…heute lassen wir kochen. Wir hatten uns einiges zu erzählen, schließlich hatte die INVICTUS in den letzten Wochen um das Leben von Mislin (Micheline) gekämpft, einem 10-jährigen Mädchen aus Pentecost. Ihre gesamte Geschichte findet ihr ausführlich beschrieben unter folgendem Link: www.save-micheline.com. Es war eine traurige Geschichte, ihr Zustand war schlecht, aber besser als noch in ihrer Hütte in Pentecost. Sie hatte Fusionen bekommen und ihre Wunden der autoimmunen Erkrankung der Haut ‚Pemphius Vulgaris‘ wurden nun hier im Krankenhaus versorgt. Dieses Krankenhaus war allerdings maßlos überfordert mit dem kritischen Zustand der Kleinen. Tobi und Nicole (INVICTUS) besuchten sie täglich, versuchten weitere Untersuchungen, eine Verlegung nach Australien oder Neuseeland in die Wege zu leiten und kümmerten sich rührend um sie. Ohne ihren Einsatz wäre Mislin heute nicht mehr am Leben, davon konnte ich mich selbst überzeugen. Ich besuchte sie auch ein paar Mal. Ich war einmal dabei als ihre Verbände gewechselt wurden und mir liefen nur beim Anblick die Tränen hinunter. Dieses arme Mädchen hatte so heftige und schmerzhafte Wunden. Die Schmerzen eines Verbandswechsels sind nicht in Worte zu fassen. Sie brachte ab und an einzelne Worte über die Lippen, meist in Bislama; die Sprache der Ni-Vanuatu. Wenn sie klare Momente hatte und es waren nicht viel, kommunizierte sie über ihre Augen und Augenbrauen. Ein Wort, dass sie immer wieder sagte war Pampelmouuuse. Sie liebte Grapefruit und wir fütterten was wir auch nur irgendwie in sie hineinbekamen. Sie musste wieder zu Kräften kommen, irgendwie. Ihr Vater und seine neue Freundin (ihre Mutter war einige Jahre zuvor an der gleichen Autoimmun Erkrankung verstorben) waren mit ihr im Isolationszimmer untergebracht. Einer konnte auf einem Bett schlafen und einer auf dem Boden auf einer geflochtenen Matte. Die Definition eines Isolationszimmers in Port Vila beschränkt sich wohl darauf, dass sich nur ein Patient darin befindet. Mit vielen Gesprächen und einem großartigen Einsatz, organisierten Nicole und Tobias eine Verlegung nach Nouméa, Neukaledonien. Ein großer hoffnungsvoller Schritt. Sie begleiteten, begleiten und werden sie wohl bis an ihr Lebensende begleiten. GROßARTIG!

Wir hatten recht schlechtes Wetter und viel viel Regen. Wir blieben letztlich 12 Tage in Port Vila. Aufgrund der Mislingeschichte war uns auch nicht wirklich zum Weiterreisen. Wir machten klar Schiff und freuten uns sehr darüber Barbara und Sven mit ihren beiden kleinen Mädchen kennenzulernen. Die MUKTUK hatte uns miteinander in Kontakt gebracht. Sie kommen aus Berlin und Sven ist für 2 Jahre als Entwicklungshelfer hier im Land. Wir fuhren mit einem der vielen kleinen 9-Sitzer Busse bis zu ihrer Haustür; ja hier auf der Hauptinsel gab es anstelle von Strohhütten richtige Häuser. Ein toller Tag; Spielen in einem echten Kinderzimmer, gemeinsames von der Couchspringen, Kaffee und Kuchen und einem tollen Austausch mit ganz lieben Menschen aus der Heimat.

Die Tage vergingen mit viel Regen, wir besuchten den Au Bon Marché; den größten Supermarkt Vanuatus, genossen einen Chai Latte im Nambawan Café an der Uferpromenade, schauten uns den Gemüse und Kunstmarkt an, warfen einen Blick in die riesen Hallen; die bis unter die Decke vollhingen mit vor Ort gefertigten bunten Kleidern. Die Jungs schmeißen sich an einem Abend ins Nachtleben von Port Vila und am nächsten Tag besuchen sie den Dutyfree Laden und seitdem haben wir eine Drohne. Teuer, aber sie liefert wirklich tolle Einblicke von den Buchten hier. Sonntags fuhren wir mit INVICTUS und JOSIDA zur Mele Bay und trafen uns dort auch mit Barbara und Family. Wir aßen eine PIZZA, klingt für deutsche Ohren nicht besonders, doch es war unsere einzige Pizza in der gesamten Vanuatuzeit UND sie war dazu auch noch recht lecker. Sonntags veranstaltet eine lokale Gruppe junger Erwachsener am Strand immer einen ‚Circus‘…die Vorführung hatte allerdings mehr mit einem albernden Sketchabend zu tun…wir waren mäßig begeistert. Da muss man nicht unbedingt hin. Bevor Barbara mit ihrer ganzen Familie und dem Besuch aus Deutschland nach Tanna fliegt, kommen sie uns noch auf dem Boot besuchen und die großen Mädels verkleiden sich gleich und haben riesen Spaß zusammen. Ein letztes Mal spielen sie noch alle zusammen bei Barbara und Sven während Georg, Lino und ich einen Großeinkauf machen. Es regnet immer noch und immer wieder, viele Straßen sind überflutet und überall sind riesen Pfützen. Überall sah man die gleichen bunten Regenschirme und wir vielen unter unserem Exemplar fast gar nicht mehr auf. Und schwupps war es Anfang Oktober und Linos Geburtstag rückte näher. Wir waren immer noch in Port Vila und hatten gegenüber auf der Insel im Iririki Resort einen Tisch zum Mittagessen bestellt. Wir hatten Karotten/Äpfel Muffins und einen herrlichen Kürbiskuchen gebacken. Lino war ganz begeistert von den Geburtstagsfähnchen, den Luftballons und dem für ihn dekoriertem Kuchen. Die Kerze fand er so spannend, dass er ihre Flamme, bevor wir auch nur irgendwie reagieren konnten anfassen wollte. Kurzer Schreck, aber alles gut gegangen. Ganz toll fand er einen Blinkeball, den er auspacken durfte und auch ein Hinterherzieh Eselchen von Mia und eine Trinkflasche von Noah. Mit dem Dingi fuhren wir gemeinsam mit der INVICTUS zur unserer FestPartylocation. Bevor wir uns am Resort Pool niederließen, gingen wir zunächst ins Restaurant. Das Personal hatte uns eine ganze Festtafel auf der überdachten Terrasse mit Blick aufs Wasser und unseren Booten hergerichtet. Große blaue Schleifen, blaue Luftballons, Stuhlhussen und riesen Blumengestecke sorgten für eine sehr schöne und festliche Atmosphäre. Das hatten wir nicht erwartet. Wirklich sehr liebevoller Empfang. Das Essen schmeckte auch köstlich und wir wanderten und ließen uns letztlich auch mit einem Buggy zur Pool Area bringen, wo uns dann eine Wiese, Spielplatz, Picknicktische und einen Pool für das Nachmittagsprogramm zur Verfügung standen. Happy Birthday kleine Lino. Am Tag nach Linos Geburtstag brachten wir Michelin einen Geburtstagsmuffin und ich passt auf sie auf während ihr Vater und ihre Stiefmutter zur INVICTUS zum Lunchen gingen. Sie ließen sie nicht alleine im Krankenhaus und da war es auch für sie wichtig mal vor die Tür zu kommen. Michelin war sehr erschöpft vom Verbandswechsel und schlief viel, ich fütterte ihr etwas vom Muffin und wieder einmal eine Pampelmuse. Sie liebte sie und es war eines der Worte, die ich am häufigsten auf ihren Lippen gesehen hatte: Pampelmoooouuuse. Am Nachmittag besuchten wir das Nationalmuseum Vanuatus, Masken, Hüte, Tusker (Stoßzähne von männlichen Schweinen), Dugoutcanoes, Muscheln und viele viele Erklärungen. Leider war der Meister des Sanddrawings heute nicht da. Doch der nette Mann an der Kasse konnte auch das ein oder andere und präsentierte uns einige sandige Kunstwerke. Beim Sanddrawing geht es um Bilder die mit einer Fingerbewegung; einer Linie gemalt werden ohne diese zu unterbrechen. Für die letzten beiden Tage mieteten wir uns ein Auto, besuchten eine Aufzuchtstation für Babyschildkröten, die wir dann auch alle einmal festhalten durften, konnte riesen Meeresschildkröten mit Papaya füttern und ihren Panzer berühren. Wir besuchten die Mele Cascades und auch wenn der Eintritt mit fast 20 Euro pro Erwachsenen recht hoch war, lohnt es sich sehr. Eine tolle Wanderung durch, über und zu Wasserfällen. Wir trafen uns mit INVICTUS oben am Wasserfall. Auf dem Rückweg entdeckten wir eine tolle Naturrutsche, von der sich letztendlich alle Kinder trauten hinunterzugleiten. Marlene war die erste, die unbedingte rutschen wollte und den anderen versprach Tobi eine Tafel Schokolade, wenn sie sich trauten. Das war ein Argument von dem sich alle überzeugen ließen, den Spaß zu wagen. Nach der tollen Wanderung machten wir uns auf dem Weg zur Mele Bay. Jeden Freitag gibt es hier schon seit vielen Jahren eine Fire & Dance Show. Nach dem Zirkus waren wir etwas skeptisch. Zu Unrecht. Was eine Show! Wir waren begeistert. Die Publikumsreihen waren mehr als voll und die Show war großartig. Sie machte ihrem Namen alle Ehre: Fire & Dance. Immer wieder, wenn man dachte, das wäre nun das Finale und es könnte nicht spektakuläre werden, setzten sie noch einen drauf. Uns taten die Hände weh vom Klatschen. Ein absolutes Muss, wenn man an einem Freitag in Port Vila ist. Einen Tag später verabschiedeten wir uns von Michelin. Wir gingen zum ersten Mal mit der gesamten Familie. Micheline saß, vom Hals bis zu den Fußspitzen eingewickelt in Verbandsmaterial in einem Rollstuhl als wir ihr Zimmer betraten. Sie war in den letzten zwei Wochen wirklich etwas zu Kräften gekommen. Sie schaute einem immer klarer in Gesicht. Sie brachte immer mehr Worte über die Lippen und während wir uns am Anfang noch über Fingerregungen gefreut hatten, schaffte sie nun ihren ganzen Arm etwas zu bewegen und sich, wenn auch nicht all zulange aufrecht im Rollstuhl zu halten. Sie schlief immer noch viel, die entfachte Lungenentzündung war auch fast überstanden und wir verabschiedeten uns hoffnungsvoll, sie im nächsten Jahr wieder in ihrem Dorf in Pentecost besuchen zu können und gemeinsam mit ihr eine Pampelmuse zu essen und fangen zu spielen. Neben dem Nambawan Café in Vila gibt es einen recht guten Thai Imbiss, den und auch den Spielplatz auf dem Weg zurück zum Boot besuchten wir noch bevor wir bereit waren die Hauptinsel zu verlassen. Das letzte natürlich war allerdings der Marktbesuch für frisches Obst und Gemüse.

Lelepa, Kalakula 07.-10.10.2018

Am 07.10. legten wir ab und segelten ein letztes Mal gemeinsam mit der INVICTUS zu unserem nächsten Ziel: Lelepa. Zu unserer großen Freude beehrte uns auch die JOSIDA für eine Nacht. David hatte Familienbesuch in Vila bekommen, sie waren eine Insel weiter in einem Ferienhäuschen und wir hatten einen gemeinsames letztes BBQ mit unserem Segeltrio am Strand. David zauberte seine leckere Kartoffel, Kürbis Pfanne und da wir alle gerade noch den Metzger und Supermarkt besucht hatten schlemmten wir leckerste Salate, feinstes Rindfleisch und die Kids genossen die etwas zu scharfen Würstchen. Am Tage war Strand und Höhle angesagt, denn ganz in der Nähe gab es eine große Höhle, in die man ziemlich weit hineinlaufen konnte. Es wurde dunkler und dunkler, überall lauerten kleine Figuren und es waren Kerzen aufgestellt, die einem, wenn man das Feuerzeug nicht vergessen hätte den Weg geleuchtet hätten. Die Kids spielten nur noch Hexen, übten gruselig auszusehen und gehässig zu lachen. Am nächsten Morgen war die JOSIDA verhext. Weg war sie…zurück zu ihrer Familie, doch wir waren uns sicher sie schon bald wieder zu treffen. Georg machte mit den Kids noch einen Ausflug in den Busch, wo noch Flugzeugteile eines Absturzes zu entdecken waren. Ansonsten stand Strandspielen und Schwimmen auf dem Programm und wir bereiteten uns auf einen letzten gemeinsamen Abend mit INVICTUS vor. Für Nicole und die Mädels ging es per Flugzeug bald wieder nach Neuseeland. Tobi blieb noch etwas in Vila und organisierte noch was es zu organisieren gab rund um Micheline. Und auch wenn sich unsere Segelrouten nicht mehr kreuzen, irgendwann irgendwo auf der Welt werden wir uns einmal wiedersehen, davon sind wir überzeugt!

Wir fuhren weiter nach Kalakula; einer kleinen Privatinsel nördlich von Efate. Wir ankerten zwischen Efate und Kalakula in schönstem türkisen Wasser und fuhren mit dem Dingi zur Insel, auf der sich ein riesen Baumhaus in einem noch viel größerem Banyanbaum befinden sollte. Kalou hatte wie jeder zweite in Vanuatu eine große Machete in der Hand und kam langsam auf uns zugelaufen. Wir fragten, ob es möglich sei das Baumhaus anzuschauen und er druckste etwas herum, machte aber deutlich, dass wir dafür zunächst Mansel fragen müssten. Das ‚nein‘ sagen liegt den Ni-Vanuatu Menschen nicht im Blut. Er versuchte ihn telefonisch zu erreichen, erfolglos. Dann erklärte er uns wo wir den Mann, den Kopf des Inselmanagements finden könnten. Ziemlich aufwendig, aber gut wir leben ja gerade ein Abenteuer. Nach ein paar Minuten Spielen am feinsten weißen Sandstrand (darin sah Kalou kein Problem), stiegen wir wieder in unser Dingi und steuerten das Dorf gegenüber auf der Hauptinsel an. Ein paar Männer am Ufer wiesen uns den Weg und irgendwann landeten wir im Hinterhof von Mansel, der schlafend auf dem Betonboden unter einem Mangobaum lag. Wir baten ihn um Erlaubnis uns das Baumhaus anzusehen und er machte deutlich, dass wir das gerne tun dürfen, aber nicht den ganzen Tag auf der Insel verbringen sollten. Jut jut, das hatten wir ja auch nicht vor. Langsam liefen wir wieder zurück zum Dingi, tuckerten wieder rüber an den Strand und knapp 2 Stunden später machten wir uns dann also tatsächlich noch auf den Weg zum Baumhaus. Schnell trafen wir Kalou wieder, diesmal mit seiner Frau Rosita. Ein sehr sehr hübsches Ni-Vanuatu Paar, wie ich finde. Kalou ist lang, schmal und hat einen sehr langen dünngezwirbelten Bart. Sie wohnen noch eine Insel weiter nördlich auf Pele und wenn ihr sie irgendwann besucht, sagt `hallo` von uns und bringt ihren beiden Mädchen (Zwillinge, 2018 7 Jahre) doch eine Kleinigkeit mit. Das Baumhaus war sehr imposant, da hatte sich jemand wirklich etwas Großartiges überlegt. Insgesamt gab es frei Stockwerke und alles war so gebaut, dass der Baum und seine vielen Wurzeln und Äste nicht beschädigt wurden. Alles war etwas verwachsen und der Aufstieg der letzten Treppe aufgrund von fehlender Stufen etwas abenteuerlich, doch die Aussicht war schon ganz cool von da oben und das Baumhaus an sich war sehr beeindruckend!

Epi, 10.10. – 13.10.2018

Von Kalakula aus machten wir uns am 10.10. mit einer Nachtfahrt auf nach Epi, Port Revilieu. Hier hatten sich die FAJO und die INVICTUS sich vor ca. zwei Wochen unseren Ersatz Außenborder übergeben. Den hatten wir übrigens inzwischen sicher in unserer Backskiste verstaut und der Besuch von David (JOSIDA) hatte uns die passenden Ersatzteile aus Tasmanien mit nach Vila gebracht. Unser Außenborder war somit wieder vollständig funktionstüchtig. An diesem Tag brachte er uns an einen langen schwarzen Strand. Von ZIG ZAG aus erkannten wir die vielen herumrennenden kleinen ebenfalls dunklen Kinder am Strand zunächst gar nicht. Erst als wir uns näherten sahen wir sie freudig in und an einem Fluss spielen, der hier ins Meer mündete. Wir waren zwar etwas müde, doch die Nachtfahrt war recht angenehm gewesen und der Empfang hier war einfach so goldig. Strahlende Kinderaugen und Rita, die ganz interessiert war, wo wir herkamen und wie das so ist mit drei Kindern auf dem Boot zu sein. Sie zeigte uns den Weg durch den Busch in ihr Dorf, stellte uns ihre Töchter vor, die gerade mit der Kakaobohnenfermentierung beschäftig waren. Pascal, der Schwiegersohn hobelte an einem Holzstück als Hüttenwandverkleidung. Überall liefen Hühner herum und genau hier in dem Vorgarten dieser Familie, traf ich auf das bisher hübscheste Schokobaby in Vanuatu: Ellen. Sie war 3 Monate alt, winzig klein, hatte wunderschöne Augen und unfassbar lange, toll geschwungene Wimpern. Pascal verschwand kurz und kam wieder mit ein paar Trinknüssen, die er für uns zum Mitnehmen vorbereitete. Es schnitze sie mit der Machete genauso, dass er oben im Bast ein Loch hinein machen konnte, ein Bastband hindurch zog und die Nüsse waren perfekt zum Tragen. Sehr geschickt! Wir beschließen noch einen Tag zu bleiben und als wir anlandeten begrüßte uns Rita an diesem Tag mit einer Tüte Paprika, Papaya und frisch geernteten Frühlingszwiebeln aus dem Garten. Sie und noch ein paar andere Frauen wuschen gerade Klamotten im Flusswasser. So richtig mit Waschbrett und Waschwanne. Getrocknet wurde die Kleidung dann auf dem warmen schwarzen Sandboden. Die Kinder spielten um sie herum sprangen ins Flussbecken und hatten große Freude uns wiederzusehen. Wir wollen ein wenig Spazierengehen, vielleicht bis zum nächsten Dorf, doch zunächst besuchen wir Ellen und ihre Familie. Ich hatte einige Kinderklamotten und auch ein paar Shirts für die Erwachsenen dabei und wir suchten für jedes Exemplar einen neuen Besitzer. Sie freuten sich sehr. Es ist wirklich so, dass viele Menschen hier in Vanuatu Kleidung tragen, die wir aufgrund von Flecken, Löchern und sonstigen Mängeln in Deutschland noch nicht einmal mehr in den Altkleidersack geben würden. Für neue Kleidung braucht mal Geld, dass sie oft nicht haben und die Kleidung wird von Kind zu Kind weitergegeben und im täglichen Dorfleben stark beansprucht. Wir schauen also vor jedem Landgang nochmal in die Schränke und füllen unseren Rucksack neben der Kamera, Wasser und Keksen zum Teilen, mit Kleidung und Spielsachen, von den wir zu genüge haben. Es war eine große Freude zu sehen, wie stolz sie ihre neuen Sachen herumtrugen oder gleich anprobierten. Meist bedankten sie sich außerdem noch mit Obst, Gemüse oder Kokosnüssen. Davon hatten sie genug und wir freute uns riesig unsere Netze und Bäuche damit zu füllen. Tauschen vom FeinstenAuf dem Weg zum nächsten Dorf sehe ich eine Frau unter einem schattenspendenden Mangobaum sitzen. Sie flechtet gerade an einer neuen Matte. Als ich zu ihr gehe um sie zu grüßen, legt sie alles rasch bei Seite, holt eine fertige teils lila eingefärbte Matte, legt sie unter den Mangobaum und bittet uns doch Platz zu nehmen. Ihr Mann kommt auch um uns zu begrüßen und wieder einmal freuen wir uns über das außerordentliche Interesse und die unschlagbare Gastfreundlichkeit. Nach kurzer Zeit laufen wir weiter und schnell werden wir begleitet von ein paar Jungs aus dem Dorf. Sie sind vielleicht so 7 bis 12 und Elia ist derjenige, der am besten Englisch spricht und uns fragt, ob wir Kokosnüsse mögen. Nach unserem ‚Ja‘, rannten gleich ein paar Jungs los, kurz später kamen sie zurück und Elia erklärte uns, dass die Bäume hier zu hoch wären, aber etwas weiter am Wegesrand würden sie uns ein paar Nüsse runterholen. Das taten sie, soviel konnten wir gar nicht tragen. Bis zum nächsten Dorf erschien es uns irgendwann zu weit und wir gingen vom Hauptweg runter auf den Strand uns liefen langsam wieder zurück. Am Wasser angelten einige Mädchen und gleich kamen sie zu uns und wollten uns ihre ca. 5-10 cm langen, in bunten Farben leuchtenden gefangenen Fische schenken. Wir lehnten dankbar ab und öffneten ein paar der Trinknüsse. Irgendjemand ist immer in der Nähe mit einer Machete. Wir kamen auf die Idee, dass wir ja auch das Dingi holen könnten, dann bräuchten wir die ganzen Nüsse nicht zu tragen. Die Jungs waren ganz aufgeregt und wollten sehr gerne Dingi fahren und natürlich auch das Boot sehen. Wir packten also das Dingi voller Nüsse und Kids und fuhren zur ZIG ZAG. Wir hatten riesen Hunger und noch gekochte Nudeln, also holte ich alle Schüsselchen raus, die wir haben und füllte sie. Das Cockpit war voller kleiner und etwas größerer Jungs, die sich freudestrahlend über die Nudeln mit roter Soße und Kichererbsen hermachten. Ganz interessant war das zwei der Jungs 6 Finger; quasi 2 Daumen hatten. Das hatten wir bisher auch noch nicht gesehen. Wir fühlten uns wohl hier in Epi, es gefiel uns richtig gut, doch es war viel Wind angekündigt für die nächsten Tag und da wollten wir uns in den Maskelynes, im Süden von Malekula verkrümeln.

Maskelynes, Pescarus 13.-16.10.2018

Gesagt getan. Die Überfahrt war unspektakulär, die Einfahrt war etwas zum genauer Hinsehen. Kein Wunder, da musste man ruhig liegen bei dem vorgelagerten Riff.  Der Anker war kaum unten, da kam schon Tom in seinem Kanu vorbei. Von ihm hatten wir bereits über die FAJO gehört und er bot uns gleich seine Dienste an. Wir verabredeten uns für wenig später und gemeinsam mit zwei anderen französischen Crews zeigte er uns die drei Dörfer in der Bucht. Der Spaziergang war abwechslungsreich und vegetativ beeindruckend! Die Dörfer unterschieden sich immens in Größe, Charm und Lebhaftigkeit. Tom brachte uns auch zu einem jungen Mann, der das Sanddrawing besonders gut beherrschte. Er bat uns ihm dann ein paar Vatus zu geben. 1000 fanden wir zwar einen recht stolzen Preis, doch es sei ihm gegönnt. Tom selber war der erste Ni-Vanuatu bei dem wir das Gefühl hatten er wäre vor allem nur an ein paar VAT interessiert, unsere Wellenlängen passten nicht ganz so überein. Er organisierte dann noch ein paar Männer für zwei Tage später, die für uns Segler einen Smol Nambas Costum Dance präsentierten. Es war ein regnerischer Tag und das Event fand auf einer kleinen dem Ort vorgelagerten unbewohnten Insel statt, da diese Tänze außerhalb von wirklichen Anlässen nicht im Dorf veranstaltet werden dürfen. Wir hatten uns noch nie so touristisch in Vanuatu gefühlt, auf der anderen Seite, war es recht exklusiv für uns drei Boote und wir bekamen die einzelnen Tänze und ihre Kostümierung (Hut und Penisschaft) natürlich persönlich erläutert.

Am Sonntag hatte Georg Geburtstag. Wir wurden zum Gottesdienst eingeladen, oh da freute sich Georg aber…nicht. Doch Ablehnen war keine Alternative. Diese Presbyterier hatten es in sich. Leider erwartete uns kein außerordentlich schöner Gesang wie in manch einem Gottesdienst in Französisch Polynesien, sondern lange Monologe unterschiedlicher Prediger. Wir hatten dann am Ende das ‚Glück‘ uns in die Predigerreihe draußen auf die Kirchwiese zu stellen und ca. 300 Leuten die Hände zu schütteln. ‚God bless you, Gott schütze dich‘, wir hätte wahrscheinlich auch sonst was sagen können, aber wir hielten uns an die Spielregeln. Irgendwann war auch das geschafft und wir machten uns daran die drei gebackenen Kuchen in möglichst kleine Stücke zu zerteilen und unters Volk zu bringen. Kein Problem, aus allen Ecken kamen Kinder angerannt und irgendwann vergaben wir quasi nur noch Krümelportionen, nur damit jeder auch nur irgendetwas vom Kuchen bekam. Schon am Tag zuvor hatte uns ein Lächeln von Kylie, Junane, Quen und Lissing uns zu sich gelockt. Lissing hatte drei Töchter und wir hatten sie gleich nach dem Gottesdienst gefragt, ob wir später am Mittag einmal vorbeikommen dürften. So lernten wir auch Tavock, ihren Ehemann kennen, wurden freundlichst in ihr Heim eingeladen. Tavock verbringt jährlich ca. 5 Monate in Neuseeland auf eine Obst-/Gemüseplantage, so hatte er es geschafft in den letzten Jahren ein Steinhaus zu erbauen. Möbel gab es trotzdem kaum. Wir nahmen also auf dem Boden auf einer Matte Platz und boten ihnen unsere für sie gesicherten Stücke Kuchen an. Kylie war ein Teenager mit einer Beinprothese. Sie kam mit nur einem Bein auf die Welt und sie hatte das Glück durch einen Segler eine Organisation in Neuseeland vermittelt zu bekommen, die ihr bisher und auch weiterhin durchs Leben hilft. Großartig! Kylie strahlt einen nur so an und sie und ihre Geschwister zeigen Mia mit ein paar eingefärbten Streifen Pandanus  wie man Matten flechtet. Es wurde eine kleine Puppenmatte, die uns Mia anschließend stolz präsentierte. Riesen Spaß hatten wir als ihr Hund und ihre Katze friedlich gemeinsam dann noch die allerletzten Krümel aus der Backform schleckten. Ein herrliches Bild. Es war ein sehr netter Nachmittag und wieder einmal bestiegen wir das Dingi mit einem warmen Herzen wegen der so liebevollen menschlichen Begegnungen und auch mit ein paar frisch geernteten Früchten. Wir verabredeten uns mit der Familie für den nächsten Tag und holten sie ab zu uns auf die ZIG ZAG. Wir hatten sie am Tag zuvor gefragt, ob wir sie mit irgendetwas was wir vielleicht an Bord haben glücklich machen könnten und Lissing hatte den Wunsch nach Handtüchern geäußert und uns war es eine große Freude ihnen ein paar große Badehandtücher zu schenken. Dankbar sind die Menschen hier auch immer für leere, verschließbare Gläser (von Pastasoße oder ähnlichem). Wir hatten einen schönen Nachmittag an Bord und wir erweiterten unseren Bislama Wortschatz ein wenig:

Though tomas cooled  – yes danke,
Hemi straet – no problem,
Yu likim – du magst es,
Shietwater – Durchfall.

Malekula, Port Sandwich 16.-19.10.2018

Port Sandwich ist eine sehr große, sehr tief ins Land gehende Bucht in der man nicht schwimmen gehen darf. Haigefahr. Es gibt eine große Schlachterei und die ins Wasser geworfenen Fleischreste sorgten für verwöhnte Haie, die leider in der Vergangenheit ein Neuseeländisches Mädchen angebissen und ein kleines einheimisches Kind aufgegessen hatten…Klingt nicht so romantisch und nur weil es auf der Strecke lag, dachten wir schauen wir es uns doch mal an. Wir hatten von schönen Flusstouren gehört, die man per Dingi machen konnte. Wir ließen uns überraschen und sind so froh gestoppt zu haben. Am ersten Tag machte Georg mit den Kindern eine Dingitour (im südlichen Ende der Bucht) und alle kamen begeistert zurück. Tolle Mangrovenallee! Abenteuerliche Vegetation. Unser Ankerplatz, wir hatten uns bis ganz hinten in der Bucht verkrochen, sehr geschützt mit Blick auf ein Wrack, eine grüne Wiese mit ein paar hohen Kokosnusspalmen sowie viel Busch wohin man nur schauen konnte. Am zweiten Tag erkundeten wir noch einen weiteren Fluss, dessen Einfahrt sich direkt neben dem Wrack befand ca. 300m östlich des Wracks). Nach ein paar Hundert Metern, sahen wir am linken Ufer ein Fiber (ein hier übliches ca. 6 m langes Polyesterboot; Fiberglas, in dem die Ni-Vanuatu sich hier auf den und zwischen den Inseln von A nach B bewegen). An Land näherten sich ein paar Männer dem Boot, doch was schleppten sie mit sich? Wir fuhren etwas näher und da sahen wir das zwei von ihnen einen Kopf einer Kuh an den Hörner transportierten, zwei andere trugen die eine Hälfte der Kuh an den Beinen und die anderen beiden Beine wurden von zwei weiteren Männern getragen. Ein frisch geschlachtetes Exemplar, das nun vor unseren Augen ins Boot gelegt wurde. Noah strahlte vor Begeisterung und sagte ‚Mamaaa ich hätte davon gern ein Stück und ein Schwein und dann braten wir das.‘ Wir haben uns weggeschmissen vor Lachen. Noah tendiert wohl eher nicht dazu Vegetarier zu werden. Wir haben uns aber kein Stück abschneiden lassen, sondern setzten unser Dingifahrt fort. Die Flussufer waren bewachsen von Mangroven, Büschen, Sträuchern, Bäumen und Palmen unterschiedlicher Art, vielfältig und wunderschön. Wir wollten mal sehen wie weit wir kommen und tourten so noch ca. 400m weiter. Dann grüßten uns zwei Mädchen und ein Junge am Ufer und wir fragten sie, ob wir noch weit kommen könnten. Nein, wir waren am Ende angelangt, aber zu Fuß könnten wir weiter laufen bis zu ihrem Dorf. Sehr gerne! Es gab einen Mini-Strand am Ufer wo wir das Dingi hochzogen und an einem Baum befestigten. Lino wurde gleich von Josefine auf den Arm genommen. Wir fragten sie, ob die Schule schon aus sei oder es Ferien sind. Die drei belächelten diese Frage etwas, wir hatten ja keine Ahnung wie klein das Dorf war und das es dort gar keine Schule gab und die Kinder auch eher nicht in eine Schule gingen. Die drei waren mit einer Machete zum Feuerholzsammeln unterwegs gewesen. Als wir uns auf den Weg machten, sahen wir im Gestrüpp noch Gine. Eine weiße Ni-Vanuatu Frau. Sie hatte ein verletztes Handgelenk, hatte sichtlich Schmerzen, doch zum Arzt wollte sie auf gar keinen Fall, den gab es auch nicht ganz einfach um die Ecke. Sie war davon überzeugt, dass es schon bald verheilen würde und wir sagten ihr, wenn es noch nicht verheilt ist, wenn wir im nächsten Jahr zurückkommen, dann würden wir sie zu einem Arzt begleiten. Entlang von Wiesen, Büschen und Gestrüpp folgten wir ihnen in ihr Dorf. Aufgrund des vielen Regens in den letzten Tagen war der Weg durchaus rutschig und matschig, so dass sich Noah auf den letzten Metern leider auf seinen Hosenboden setzte. Dicke Tränen kullerten ihm die Wangen runter. Wir zogen die Hose einfach aus und tauschten auch seine Unterhose mit einer, die wir eigentlich einem anderen Jungen an diesem Tag schenken wollten. Gine zeigte uns gleich den Fluss, in dem sie ihre Wäsche wuschen und wir hatten Glück eine Frau stand mit einer Waschwanne und einem Waschbrett in der Flussströmung und schrubbte die Wäsche. Sie hielt ihre Hände auf und schwupps war Noahs Hose wieder halbwegs sauber und die Sonne würde sie in den nächsten Stunden schon trocknen. Im Dorf kamen gleich mehrere Frauen und Kinder und auch ein paar junge Männer sowie ein älterer Herr uns begrüßten uns freudestrahlend, aber auch überrascht. Wir fühlten uns zunächst wie ein paar Außerirdische, die auf der Erde gelandet waren. Gleich brachte man uns die beiden größten Papayas, die wir jemals gesehen hatten. Wir teilten unsere Cookies und die Kinder begonnen nach der ersten Kennlernphase an miteinander zu spielen. Lino wurde von irgendeiner Mami herumgetragen und war glücklich und zufrieden. Gine bot uns an ihren Garten zu zeigen und ein paar Paprika und Tomaten zu ernten. Lino ließen wir im Dorf und dann folgten wir den Mädels und Jungs: Durch den Busch, Hügel rauf,  Hügel runter, Kinder auf die Arme durch den Fluss, der sicherlich 5 bid 6 Knoten Strömung hatte, auf der anderen Seite den Hügel wieder hinauf, durch den Busch und da waren schon die ersten Kokosnusspalmen. Die Kids blieben mit ein paar Mädels bei den Kokosnüssen und bekamen gleich eine Trinknuss geöffnet. Georg und ich folgten Gine hoch zu den Paprika und Tomaten. Krass dieses Vanuatu. Gartenarbeit ist hier echt sehr hart, weil alles wuchert und wächst. Das Positive ist natürlich auch: Es wächst auch alles Essbare. Wir waren schon auf dem Rückweg, als uns irgendwann ein Mädchen aus dem Dorf uns entgegenkam mit den Worten Lino würde weinen. Ich legte einen Zahn zu und nahm ihn schluchzend entgegen, nach etwas Milch war er glücklich und zufrieden eingeschlafen. Wir saßen uns zu den Dorfbewohnern ins Gras, da kam jemand mit einem Teller voller Simboro oder wie sie in ihrem Dorf sagen: Napong; Island cabbage gefüllt mit Kochbanane mit Kokosnussößchen. Noah fand es so köstlich, dass er fast die ganze Portion alleine aufaß. Simborro schmeckte uns allen ganz gut und als sie unsere Freude am Essen bemerkten, schlugen sie vor uns zu zeigen wie sie es kochten. Großartig, ja gerne! Wir begaben uns also in ihre Kochhütte und schälten die Bananen, löffelten sie aus, legten und ein großes und dann ein kleines Blatt Island Babbage in die Handfläche, füllten das Blatt mit etwas Banane, falteten und rollten das Blatt und legten es in einen Kochtopf. Parallel hatte jemand eine getrocknete Kokosnuss (sowie wie wir Kokosnüsse eigentlich nur kennen) geraspelt, über die Raspel kam nun ein wenig Wasser und dann wurde sie Mampfe über den Blättern ausgequetscht. Simborro mit Kokosnussmilch. Die Feuerstelle war schnell entzündet (Mit Streichhölzernen und nicht wie ich ganz kurz dachte mit einem Stock und einem Stein😉. Kochtopf drauf und losgekocht. Wir begaben uns derweil wieder nach draußen und suchten ein paar neue Besitzer für den Sack Kinderklamotten, den wir dabeihatten. Smol Hokai wurde zu meinem absoluten Lieblingsdorf, auch wenn die Verständigung hier nur über ein paar Menschen und natürlich über Körpersprache ging, Man merkte deutlich, dass sich hier wenige Turranies (Weiße) hin verirrten und sie eher ihre eigene Sprache sprachen. Die Gesichter, ihre Ausstrahlung, die Nivans waren menschlich unsere absoluten Favoriten auf der Welt. Es war ein toller Nachmittag, doch vor dem Dunkeln wollten wir versuchen die ZIG ZAG wieder zu erreichen. Josefine und Linda begleiteten uns auch wieder zurück zum Dingi. Ohne sie hätten wir das ganze Obst und Gemüse auch gar nicht transportiert bekommen. Wir fühlten uns ein wenig als wären wir auf dem Markt gewesen: Kochbananen, Island cabbage, Papaya, Kokosnüsse, Paprika, Bohnen, Tomaten und alles sowas von frisch und ökologisch. Zurück an Bord der ZIG ZAG öffneten wir ein Bananenpäckchen mit Simborro und genüsslich ließen wir den Tag Revue passieren. Am nächsten Tag wollte der Rest meiner Crew mir unbedingt auch noch den ersten Fluss zeigen. Wir waren Tidentechnisch etwas früh dran und als wir fast nicht mehr weiterkamen, landeten wir an einer kleinen Brücke an und schon wurde uns zu gewunken und ein paar Jungs zeigten uns das Dorf, dass es direkt am Flussufer angesiedelt war. Große Trucks, viel Sand und Staub; hier wurde eine Straße ausgebaut. Wir ließen uns im Schatten eines Wellblechunterstandes bei ein paar Frauen und Männern nieder. Auf dem Boden spielte Christiane, 5 Jahre und autistisch. Wir plauderten, genossen Bananen aus ihrem Garten, Cookies aus unserem Rucksack und Christiane bzw. ihr Mutter freute sich über ein paar neue Kleidungsstücke für die Kleine. Jemand öffnete ein paar Trinknüsse und insbesondere unsere Jungs waren überglücklich: ‚Totusnuss‘. Nach einer Weile setzten wir unsere Dingitour fort und insgesamt konnte man sicherlich noch 30 Minuten lang hineinfahren in die Mangrovenallee. Dingitourtechnisch gefiel mir die andere Tour noch besser, aber das ist Geschmackssache, ich fand die andere vegetativ abwechslungsreicher, der Fluss war schmaler und romantischer. Da wollten wir nur mal unsere Nase in die Bucht stecken und waren sehr froh über alle Erlebnisse und jede Sekunde, die wir dort verbracht hatten. Das nächste Ziel war gesteckt: Ambrym.

Ambrym, Ranon 19.-24.10.2018

Ein paar Stunden segelten wir rüber nach Ranon, Ambrym. Dort trafen wir dann die französische Crew aus den Maskelynes wieder, die genau denselben Plan verfolgten wie wir: Vulkanaufstieg. Wir hatten in Port Vila Rosie, die Reinigungskraft von Barbara und Sven kennengelernt und sie hatte uns die Nummer ihres Bruders gegeben, der Touren auf den Vulkan; Mount Marum anbietet. Es stellte sich heraus, dass die Daniel (der Franzose) eben genau mit diesem John auch alles für den nächsten Tag besprochen hatte und wenn wir gemeinsam gehen würden, könnten wir uns die Jeepkosten teilen. Großartig! Allerdings galt es noch eine Babysitterfamilie im Ort zu finden. Lino nahm ich in die Trage, doch für Mia und Noah wäre es zu anstrengend geworden. Also gesucht und gefunden. Ranon, bzw. die Bewohner des Dorfes gefielen uns nicht so gut wie bisher. Doch wir fanden eine riesen Ansammlung von Kindern und trafen so auf Iva, die wie sich während des Gespräches rauskam irgendwie mit Micheline verwandt war und wir sie somit über den aktuellen Gesundheitszustand aufklärten und sie ein Video aufnahm für Micheline, welches wir dann Tobi in Vila schickten. Die Kinder spielten immer mehr zusammen und nachdem ich Noah und Mia gefragt hatte, ob sie am nächsten Tag hierbleiben würden, fragte ich Iva und ihre Familie, ob sie auf die Kids aufpassen würden. Gesagt getan, alle freuten sich. Am nächsten Morgen gaben wir sie dann mit Kuchen und Kürbissuppe, Müsli und Milch für alle in der Familie ab und fuhren mit der dreiköpfigen französischen Crew mit dem Jeep in den Busch. Uns erwartete eine holprige Stunde Fahrt auf der Ladefläche eines Pickups (naja zumindest die anderen, ich durfte mit Lino im Truck platznehmen), 1 Stunde Walk durch den Busch, 1 Stunde Spaziergang über die Ascheebene und eine Stunde Aufstieg zum Kraterrand des Vulkans Mount Marums. Soweit die zeitliche Orientierung. Der Himmel war blau, das Wetter passte und wir waren frohen Mutes. Der Jeep hält an, zwei von den vier Jungs, die uns begleiten steigen aus; eine Palme liegt quer über dem ‚Weg‘. In Deutschland würden wir wahrscheinlich versuchen, den Stamm ‚einfach‘ zur Seite zu ziehen. Hier schnappte sich einer der Jungs eine Machete und hackte los. Dann wurde doch noch eine Säge hinter dem Fahrersitz hergezaubert und der Stamm wurde geteilt und dann verlegt. Bahn frei und weiter geht’s. An der kleinen Siedlung Ranvetlam hielten wir an, einer der Einwohner bekam einige Vatus als Parkeintrittsgebühr und weiter gings. Nach ca. 1 Stunde endete der sowieso nicht immer als Weg erkennbare Buschweg und wir stiegen alle aus. Vor uns: Wald, hohe Palmen, Gras…alles ganz schön zugewachsen. John ging voraus, schlug uns den Weg mit einer Machete frei und ein weiterer Junge begleitet uns. Die anderen beiden fuhren zurück und wollten uns dann ca. 4-5 Stunden später hier wieder abholen. So wanderten wir durch den feuchttriefenden, dichten Dschungel, immer Berg auf. Gut das es nicht geregnet hatte und wir die Wege nicht entlangschlidderten. Irgendwann ließ die Vegetation nach, es wurde steiniger und letztlich aschiger. Eindeutig: wir hatten den nächsten Abschnitt erreicht. Auch hier wuchsen ein paar Sträucher, doch es war ganz klar der Weg durch das Aschefeld. Gut das John wusste, wo es lang geht…denn einen klar zu erkennenden Weg gab es nicht. Die Sträucher wurden weniger und irgendwann erreichten wir dann ein Zwischenlager, hier gab es eine kleine Hütte zum Nächtigen und auch eine zum Kochen. Wir waren den ersten Teil per Jeep gekommen, man kann allerdings auch komplett vom Dorf aus loslaufen, hier im Camp nächtigen und am nächsten Tag den Aufstieg zum Vulkan machen. Wir machten nur eine kleine Pause, Lino kam für ein paar Minuten aus der Trage und dann folgte der Aufstieg. Wir liefen durch ausgetrocknete Lavaflüsse, wir klettertet über und entlang großer Lavaklötze, über schwarze Asche und anthrazitfarbenes Gestein. Hier uns da wuchs was Grünes, doch es war karger, je mehr wir uns dem Krater näherten. Dünne Rinnsale Regenwasser meandern uns über Steine, Geröll und Lavasand entgegen und bilden in Kuhlen kleinere und größere Wasserpools, während wir das erste Teilstück in einem Tal aufsteigen. Dann hatten wir den Krater vor uns, über uns…wir folgten einem schmalen aufsteigendem Grat. Wolken zogen auf und es begann zu nieseln. Dann stärker zu regnen. Wetterwechsel. Aber noch alles gut wir können weiterlaufen. John forderte uns auf, wenn möglich etwas Gas zu geben, damit wir oben noch etwas sehen können, bevor es noch wolkiger wird. Viel mehr Gas konnten wir allerdings nicht mehr geben. Wir waren schon ziemlich angestrengt nun. Die Pumpe raste, es war steil und die Asche rutschte einem mehr und mehr und den Füßen weg. Die Beine zitterten vor Anspannung. Der Regen hörte wieder auf, es nieselte wieder. Wir waren fast oben, hatten es fast geschafft. Der Rundumblick war schon mächtig beeindruckend. Angekommen. Genießen.

Aufgrund der wärmebedingten Kondensation im Krater, war die Sicht auf den glühenden See versperrt. Beim Blick über der Kraterrand schlägt einem die Wärme wie eine intensive Infrarotlampe entgegen und die Massivität des Lavasees ließ sich erahnen. Die zu bewundernde Landschaft, der grün daliegende andere Vulkan, sehr imposant. Wenn die Sonne auch nicht zu sehen war, ließ sie die Wolken im Tiefweißen gleißen während der tiefschwarze Lavaboden den Kontrast bildet. Der kalte Wind kühlt und trocknet die nassgeschwitzten T-Shirts. Cracker, Bananen, Äpfel und eine Tüte Gummibärchen füllen unsere Energievorräte wieder aus. John ist völlig aus dem Häuschen, dass mit Lino das erste Baby auf dem Kraterrand steht und möchte ganz viele Fotos mit ihm zusammen haben. Neue Wolken zogen auf. Wir blickten noch einige Mal ins warme Loch vor uns in der fatalen Hoffnung, doch noch etwas mehr sehen zu können. Nichts außer Dampf. Weitere Wolken zogen auf und nach einer kleinen Verschnaufpause beschritten wir den Rückweg. Die Muskeln waren erschöpft und sehr konzentriert setzte ich einen Fuß vor den anderen und John reichte mir manches Mal die Hand, damit ich mit Lino vor der Brust auch ja nicht abschmierte. Selig waren wir darüber es bis oben geschafft zu haben, beeindruckt waren wir von der Aussicht und des idyllischen Aufstiegs durch die Lavalandschaft. Wie verabredet holten die Jungs uns mit dem Jeep wieder ab, puh…jetzt war ich wirklich mal fertig. Meine Muskeln zitterten ganz schön. Solltet ihr einmal vor Ort sein, ruft John an und grüßt ihn von uns 7793369.
Gespannt waren wir wie es unseren beiden ‚Großen‘ ergangen war. Bestimmt 20 Kinder kamen auf uns zugelaufen als wir angefahren kamen. Noah hatte eine einheimische Frisur geflochten bekommen. Mia hatte sich wohl geweigert;-) Alle schienen wohlauf zu sein, Mia war ein wenig genervt von Steve, er war genauso alt wie sie und sehr sehr aktiv und zippelte ständig an ihr rum. Doch auch ihr hatte es gut gefallen, sie waren am Strand und im Wasser gewesen, haben Blumen gepflückt und gespielt. Wir gingen mit hoch zu ihren Hütte. Unter einem Abdach saßen weitere Erwachsene und auf einem Tisch lag ein soeben frisch zerteiltes Schwein. Für ca. 1,80 Euro bekamen wir ein Bein und netterweise hackten sie uns auch noch den Fuß ab. Iva fragte uns an diesem Abend, ob wir sie und ihre 3 Kinder mit nach Pentecost nehmen könnten. Das lässt sich schwer verneinen, der Wind sollte nicht besonders stark sein und sie würde in Pangi, in dem Ort, wo wir eh hinwollten abgeholt werden. Abfahrt in zwei Tagen. Am nächsten Tag konnte ich mich vor lauter Muskelkater kaum bewegen; wir schafften es klar Schiff zu machen und die von der hohen Luftfeuchtigkeit entstandenen Stockflecken an den Wänden zu beseitigen.

Pentecost, Pangi, Wali und Loltong 24.10.-01.11.2018

Morgens um 7 wollten wir die kleine Familie am Strand abholen, ein ganzes Verabschiedungskomitee hatte sich am Strand versammelt. Iva, ihre drei Kids UND zwei Schüler standen parat. Klar, die nehmen wir natürlich auch noch mit, auch wenn uns VORHER niemand gefragt hatte. Zunächst verstauten wir ihre Taschen und Kartons…was auch immer darin war. Es quiekte und zappelte nichts. Diesmal transportierte ZIG ZAG wohl kein Schweinchen (sowie damals in TONGA). Dann nahmen alle draußen im Cockpit Platz. Das kleine Baby legte ich in unsere Babyhängematte und es schlief recht schnell ein. Den ca. 5-jährigen behinderten Jungen legte ich zunächst auf unsere Spielwiese, er konnte nur krabbeln, kullerte aber ziemlich hin und her. Er spielte und sabberte etwas mit und am Lego und irgendwann schlief er ein. Es hatte begonnen zu regnen, die Wellen war nicht ganz angenehm und Iva ging es sichtlich immer schlechter. Schüssel. Noah schaute mich erschrocken an und zeigte auf den Jungen, der in einer riesen Lake Erbrochenem lag. Oh nein. Er war komplett voll, genauso wie das Laken und die Polsterkissen auf denen er gerade eben noch friedlich geschlafen hatte. Scheiße. Seine Mutter konnte nicht helfen, also zog ich ihn aus und versuchte zu retten was zu retten war. Einer der Schüler kümmerte sich um Ivas dreijährige Tochter. Er war der einzige der nicht gespuckt hat auf dieser Fahrt und das Baby, das war netterweise auch ganz friedlich. Unter Land beruhigten sich die Schiffsbewegungen dann und alle waren ziemlich erschöpft. Wir ankerten und wir machten Nudeln mit Soße für alle. Jetzt ging es allen wieder gut. Iva rief ihren Mann an, der wohl aufgrund von lokalen Überschwemmungen noch nicht unterwegs war. Er meldet sich sobald er mehr weiß. Sehr beruhigend. Auf 6 weitere Übernachtungsgäste waren wir nicht ganz gefasst. Wir zogen die Polster ab und wuschen was das Zeug hielt. Nur das Trocknen fiel nicht ganz leicht, da es konstant nieselte und auch stärker regnete. Puh, das war echt echt ätzend. Wie sollten wir das denn trocken bekommen?!? Dann kam der erwartete Anruf; Mann setzte sich in Bewegung und sollte in einer Stunde da sein. Sehr gut! Sie bedankten sich sehr und entschuldigten sich für die Umstände. Angenommen, aber trotzdem scheiße.

Unsere Mission hier in Pangi hatte mit Mislin (wir sprechen es „Micheline“ aus)  zu tun. Wir wollten Juliana, Michelines Krankenschwester hier im Ort besuchen und hatten ihr als Dankeschön für ihren Einsatz einen Bananacake gebacken. Leider war sie für ein paar Tage in ein anderes Village gegangen, am nächsten Tag sollte sie aber wieder da sein. Also besuchten wir zunächst Michelines Schule; ganz gezielt Anita, ihre größere Schwester. Wir nahmen ein paar Videogrüße von Freundinnen auf, ließen Anita und Micheline per whatsapp videotelefonieren und zeigten ein paar Fotos von Micheline in der Klasse. Wir versuchten den Lehrern und Mitschülern zu erklären, dass sie eine Krankheit hat, die mit Medikamenten zu behandeln ist und dass es ihr hoffentlich bald besser gehen würde. Wir wollten vor allem aufklären. Wollten ihnen deutlich machen, dass Micheline nicht verflucht war (was der ein oder andere im Dorf dachte) und ihr Zustand nichts mit Black Magic zu tun hatte. Ihre Mutter war vor 5 Jahren an der gleichen Autoimmun Krankheit gestorben, nur das sie bei ihr nie diagnostiziert wurde; Pemphius Vulgaris.

Vor einem Mini Laden verkauften ein paar Frauen in Blätter eingewickelte Lunchpakete. Wir kauften einmal Fisch und Reis und einmal „Vanuatu Riverlobster“; Flussgarnelen mit Reis. Köstlich! Wir setzten uns an den Strand, nahmen die Finger und stillten unseren Appetit.

Im Dorf fragte auch der ein oder andere, woher wir kamen und wir suchten das Gespräch, zeigten Fotos und versuchten weiter aufzuklären. So trafen wir dann auch einen Bruder der verstorbenen Mutter, der sich sehr für unsere Unterstützung bedankte. Die meisten waren sichtlich schockiert von Michelines Zustand, doch wir versuchten wir diese Art Schock in Hoffnung zu verwandeln. Sie lebte und das war das Wichtigste!

Am nächsten Tag besuchten wir dann Juliana und machten ein Video für Micheline. Sie freute sich sehr über das Update und aktuelle Fotos von Micheline und bedankte sich sehr für den Kuchen. Es war inzwischen Ende Oktober, langsam Zeit in Richtung Australien aufzubrechen. Doch wir waren noch nicht ganz so weit. Wir hielten noch wenige Meilen weiter nördlich in Wali. Dem Heimatdorf von Micheline und gleichzeitig dem Ort in dem im Mai und Juni immer das Landdiving (Turmspringen) stattfindet. Wir wurden gleich am Strand von Michelines Tante und vielen vielen Kindern begrüßt. Ihr Vater hat Urlaubsbungalows im Ort gebaut und in eine dieser Hütten wurden wir eingeladen. Es gab frisch gebackenes Brot von Michelines Oma, Kokosnüsse und sogar ein Tee wurde uns angeboten. Wir zeigten Fotos, erklärten was in den letzten Wochen passiert war und wie der Plan für die nächsten Wochen aussah. Eilieen war ein Schatz. Sie verstand Englisch von allen am besten und wir versuchten ihr die Infos zu geben, so dass sie sie dann an die anderen weitergab. Wir machten viele Fotos und Videos von allen und schickten sie zu Tobi nach Vila, der sie dann Micheline zeigte. Unsere Kinder spielten und spielten mit allen auf der Wiese, am Strand und im Wasser. Sie waren so herzlich und super miteinander. Sobald es Dunkel war zogen sie mit den Einheimischen los und lernten kleine Krebse zu fangen, die sie uns anschließend stolz präsentierten. Immer wenn wir uns mit dem Dingi näherten, empfing uns eine Kinderschar, die uns am Ende des Tages auch wieder ins Wasser schob. Ich werde nie vergessen mit welch einem tollen Lächeln sie uns bis zu den Knien im Wasser stehend am 28.10.2018 verabschiedeten. 

Loltong  28.10.-01.11.2018

Kurz vor Dunkelheit erreichten wir das Ankerfeld in Loltong, Nord Pentecost. Linda und David von der JOSIDA waren bereits fast eine Woche vor Ort und wir waren gespannt was sie hier so fesselte. Die recht geschützte Bucht mit ihren gewaltigen, hohen, saftig grünen Hängen war schon imposant. Regelmäßig zogen irgendwo Rauchschwaden auf, irgendwo brannte immer ein Feuerchen. Oder war es das Dugong (eine Gabelschwanzseekuh) was täglich einmal seine Flossen oder Nase neben dem Boot herausstreckte, was sie so begeisterte?

Bald würden wir es sicherlich wissen. Unser Ankunftstag war der 50. Todestag des alten Chiefs. 100 Tage lang wurden morgens und abends die Trommeln geschlagen…schon gegen 5 in der Frühe. Am Abend, wenn das Feuer für das Essen im Nakamal (Gemeindehaus) angemacht wurde und einmal kurz, wenn das Essen fertig war. Wir hatten es nicht mehr geschafft bei Tageslicht an Land zu gehen, doch Linda und David kannten sich ja schon aus. Sie luden uns auf JOSIDA zu einem herrlichen Risotto ein. Die Kids fanden es großartig ein weiteres Boot zu entdecken und dann machten wir uns gemeinsam auf den Weg an Land. Es war stockdunkel, kein Mondschein, hier und da sah man das Licht einer Taschenlampe. Wir landeten an und wurden gleich von Mary und Mathew, denen auch der Yachtclub im Dorf gehört begrüßt. Sie nahmen uns mit zum Nakamal, wo heute Abend zu Ehren des Todestages ein Costumdance (Brauchtumstanz) und ein gemeinsames Essen stattfinden sollte. Wir liefen also über Strand, Stock und Koralle zum Dorfplatz und wurden in das mit Menschen gefüllte Nakamal gebeten. Rechts brannte ein großes Feuer, im vorderen Teil saßen die Frauen und Kinder auf Matten, mittig im hinteren Teil war eine Art Holzzaun erbaut. Dort war der Chief gestorben. Im hinteren Teil saßen die Männer und waren mit der Zubereitung und dem Konsum von Kava beschäftigt. Der hintere Teil war für Frauen tabu. Wir ließen uns zunächst alle im vorderen Bereich nieder. David und Georg wurden recht schnell auf einen Kava eingeladen und verschwanden in den hinteren Teil. Alles ganz schön düster und trotzdem fühlten wir uns gleich wohl. Überall lächelten uns weiße Zähne entgegen.  An diesem Abend lernten wir Ashley und Nandia, sowie ihre achso temperamentvolle und lustige Schwiegermutter kennen. Als Lino einschlief, wurde uns ein Kissen und ein Tuch gebracht und so schlief er mitten im Geschehen. Wir waren gespannt auf alles was noch passierte. Alle waren freundlich und interessiert, sprachen von dem bevorstehenden Tanz und einer Zeremonie. Irgendwann wurde uns ein geflochtener Korb gebracht, gefüllt mit in Blättern eingewickeltem Essen; Taro und Hühnchen, wir hatten als Ehrengäste ein Füßchen mit Kralle bekommen. Wir waren inzwischen alle recht müde und auch Noah legte sich irgendwann neben Lino und dann verließen einige Menschen das Nakamal. Sie bereiteten sich auf den Tanz vor. Wir waren gespannt. Teilweise mit Kapuzen oder Shirts übergezogen betrat die Gruppe das Nakamal. Der Gesang war tief, mehrstimmig und doch monoton. Ein Zombietanz?!? Ja, im langsamen Wiegeschritt tanzten sie sich in Richtung Zaun…also an den Ort, wo der Chief gestorben war. Irgendwie hatten wir wirklich etwas anderes erwartet, aber irgendwie war es auch großartig, manchmal schwangen ihre Arme an ihren Körpern vorbei als würden sie dem Verstorbenen etwas zuschaufeln, so wiegten sie sich dahin. Einer sang etwas vor, der Chor antwortete. Duster und monoton und so tanzten und sagen sie für Stunden. Normalerweise machen sie dies bis zum Morgengrauen. Wir sind gegen Mitternacht nach Hause gefahren und sie tanzten immer noch. Sie sagten allerdings heute Nacht auch nicht so lange zu machen, da morgen Sonntag sei, ein Gottesdienst stattfindet und eine weitere Costum Zeremonie anstand. Ein 9-jähriger, der seinen ersten Rang des Chiefseins erreichen wird. Was auch immer das genau bedeuten mag, am nächsten Tag würden wir mehr wissen.

Hatten wir uns noch vor einem Tag gefragt, was Linda und David es so schwer machte weiterzusegeln. Als wir am nächsten Morgen an Land kamen, erfuhren wir es: es waren die Kinder Loltongs! Sie strahlen, sind so interessiert, aufgeschlossen, ihr Charm war fesselnd. Bei ihnen musste man sich wohlfühlen. Lino wurde wie sehr häufig in den Dörfern von einem der Kinder entgegengenommen und durch die Gegend getragen. Noah und Mia fuhren sie gleich durch die blonden Haare und schon bald wurde gemeinsam gespielt. Wir wollten uns das Dorf einmal genauer ansehen, begleitet von bestimmt 15 Kindern liefen wir los, durchquerten einen kleinen Flusslauf und hinüber ins nächste Dörfchen. Eines der Mädchen war Motu. Was ein Süße! Was ein Lächeln, sie strahlte über beide Ohren, nahm Mia an die Hand und zeigte uns mit ihren Freunden Loltong. Die beiden kletterten die Bäume hinauf und schaukelten in den Bäumen. Sie spielten am Strand und im Wasser. Als später die Zeremonie begann, war der Dorfplatz erneut voller Menschen. Ich hatte eine Tasche mit Kinderklamotten, Spielzeugen und Seifen dabei und verteilte die Dinge an die vielen Kinder und ihre Mütter. Sie bedankten sich herzlichst. Das Schönste war eigentlich die Freude in den Augen der Kinder, wenn sie begriffen, dass es ein Geschenk war und sie es stolz anprobierten. Später oder auch am nächsten Tag kam dann der ein oder andere und brachte mir als Dankeschön eine Pampelmuse. Heute war also der erste große Tag für einen neuen kleinen zukünftigen Chief. Der erste der 5 Ränge wurde heute bestritten: Nach und nach brachten die Familienmitglieder die 12 Hähne; die mit einem Seilchen mit den Füßen an einen in den Boden gerammten Stock befestigt. Ein Stock hielt ein ganzen Schwein. Der Junge bekam von vielen vielen Menschen einen guten Segen. Dieser wurde in Form von den sogenannten Redmats (rote Matten) gegeben. Lila/rot geflochtene längliche Matten, die quasi die Hausbank darstellen. Jede Familie hat einen Sack voll dieser Matten Zuhause. Sie können damit Taro, Tiere oder auch das Schulgeld bezahlen. Der Junge hielt sich jede einzelne Matte über seinen Kopf und wie ein Schleier fiel sie an seinem Rücken entlang auf den Boden. Derjenige der den Segen gab, die Matte schenkte, lief drei Mal um den Jungen und sprach seine Wünsche laut aus. Das geschah allerdings in Bislama oder in ihrer eigenen Sprache, so dass wir den genauen Inhalt nicht ganz verstanden. Das dreimalige Umschreiten ist wie eine Unterschrift für die Nivans. Als alle Matten und Wünsche übergeben waren, durfte er zur Tat schreiten: 12 Hähne musste er erschlagen und ein recht ausgewachsenes Schwein. Letzteres zuckte noch ein wenig und ein Onkel gab ihm mit einem weiteren Schlag auf den Schädel den letzten Rest. Nun schnappten sich die Kinder die Hähnchen und liefen mit ihnen in Richtung Wasser. Losgerupft! Nachdem die Federn entfernt waren, wurden die Tiere noch einmal durchs Feuer geschwenkt und die Frauen rupften die letzten kleinen Daunen, nahmen die Innereien aus, zerteilten die Tiere und dann wurden sie in Blätter eingewickelt aufs Feuer gelegt. Das Schwein wurde ebenfalls mit Hilfe der Feuers entborstet und später dann zerteilt in Blätter eingewickelt und rein ins Feuer. Noah und Mia spielten während des Schlachtens die ganze Zeit mit vielen anderen Kindern im und am Wasser. Es war gerade Ebbe und so gab es eine riesen Fläche knöcheltiefes Wasser zum rumrennen und genießen. Was ein großer Spaß.

Mia suchte bei jedem Landgang gleich nach Motu. Wenn sie nicht zu sehen war, was selten vorkam, fragte Mia eines der anderen Kinder und kurze Zeit war ihre Freundin gefunden. Eines Morgens bat uns der Vater von Motu, Derek, zu sich auf die Terrasse. Ja, er hatte tatsächlich ein Steinhaus mit einer aus Beton gegossenen Terrasse. Er schlug vor Georg zu seinem Bruder zu machen, damit unsere Töchter Schwestern werden. Wenn man einmal in Vanuatu war klingt das völlig logisch! Da wir noch nicht ganz sicher waren, ob wir bereits am nächsten Tag weiterwollten, fand die Adoptivfeier noch am selben Tag statt. Seit dem 30.10.2018 haben wir nun also ganz offiziell Familie in Loltong, Nord Pentecost, Vanuatu. Wir backten einen Kuchen als Nachtisch und begaben uns am Nachmittag an Land. Nandia, Motus Mutter, ihre Mutter und auch Ashley ihre Schwägerin und noch ein, zwei Frauen saßen vor der Kochhütte und bereiteten ein Adoptivmahl vor. Ein riesen Fisch wurde vom Eis geholt, Yams geschält, Simborro vorbereitet, Reis gekocht. Ich half dabei Kochbanane zu hobeln und diese in die Blätter der Inselkohls zu wickeln. Die gewickelten Blätter legte man dann in einen Topf mit etwas Wasser, kochte sie und frische Kokosnussmilch verfeinerte den Geschmack kurz vor dem Verzehr. Dafür raspelt man das Fleisch einer Dried (getrockneten) Kokosnuss (also einer Kokosnuss wie wir sie aus dem Supermarkt kennen) schüttet Wasser drüber, nimmt die Masse in seine Hand und quetscht diese aus. Köstlich.
Das war mal eine spontane Feier. Interessant war, dass wir Frauen damit beschäftigt waren das Essen zuzubereiten, während Georg von Derek ins Nakamal geladen wurde. Denn selbstverständlich muss die Adoption auch von den anderen Herren im Ort genehmigt und mit einer Schale Kava besiegelt werden. Aus der einen Schale wurde noch eine, aus dem Essen wurde ein tolles Buffet. Derek und Georg waren nicht mehr gesehen. Ashley hielt eine kleine Ansprache über die Adoption. Ich gehöre nun zum Tribe der Tabbies und Georg ist Bule. Denn zwei von einem Stamm können nicht miteinander liiert sein. Wir wurden willkommen geheißen in der Familie und meine neuen Schwestern waren überglücklich mich ab heute Schwester nennen zu dürfen. Dann war das Buffet eröffnet und ich sollte mir als Erstes Teller für die Kinder, mich und Georg machen, dann wurden die Teller für die vielen Kinder portioniert, dann für meine Schwestern und Mutter. Von Derek und Georg keine Spur. Wir aßen, erzählten und die Kinder spielten, irgendwann durften sie einen Film auf dem Laptop schauen. Die Familie hatte ein Steinhaus, Handys und einen Laptop; nicht wirklich Standard für eine Nivan Familie hier im Dorf. Irgendwann schlief Lino ein, dann kam auch Noah zu mir auf die Matte und schloss seine Augen und letztendlich war auch Mia sehr sehr müde von dem schönen ereignisreichen Tagen. Von den Herren kein Lebenszeichen. Doch da kam Chris, Ashleys Mann zu Terasse, sah uns, sie sagten sich was und er verschwand wieder. Glücklich und auch sehr müde, saßen wir dort und da kamen sie. Mit einem entspannten Grinsen in ihren Gesichtern, Georg fast überrascht über die schlafenden Kinder. Die Ladies der Familie halfen mir die Kinder in Richtung Dingi zu tragen, beim Einsteigen in das Dingi, wollte ich Georg Lino in den Arm geben, doch das lehnte er ab. Er meinte er könnte sich gerade nicht so bewusst steuern und seine Reaktionen wären zu langsam, um Sicherheit zu garantieren. Die Gefahr bestand darin, dass er einfach mit Kino im Arm zur Seite umfallen würde, da der Balanceausgleich mangels Reaktionsgeschwindigkeit zu spät stattfinden würde. Aha. Gut das Mia und Noah wieder soweit wach waren, dass sie selber im Dingi sitzen konnten. Die Fahrt zurück zur ZIG ZAG ist in Loltong nicht weit und völlig unproblematisch, so brachte ich uns dann sicher zurück an Bord. Am nächsten Morgen stand fest: Wir bleiben noch einen Tag. Georg war immer noch langsam in allem was er tat. Entspannt…etwas zu entspannt für meinen Geschmack. Er hatte noch einen Laptop von einer anderen Familie zum reparieren mit an Bord genommen. Wir räumten und spielten, Georg reparierte und dann gingen wir noch ein letztes Mal an Land. Noch einmal spielen, die Anwesenheit der vielen fröhlichen Kinder genießen und sich von allen Freunden und unserer neuen Adoptivfamilie verabschieden. Das Gute war: Wir hatten den festen Plan im nächsten Jahr wieder zu kommen. Das machte den Abschied deutlich leichter. Wir lichteten den Anker und ein letztes Mal tauchte das Dugong neben ZIG ZAG auf. Bye bye Dugong. Bye bye schöne Bucht. Bye bye lovely people of Loltong. Bye Bye Family: Derek, Nandia, Lolowia, Grace, Motu, Marilyn and little Richard. Next year we will get to know your new little sister or brother.