Marquesas Inseln 1.7. – 4.8.2016

Bonjour oder auch Nana, wie man auf Tahitianisch pflegt zu sagen,

am 1.Juli waren wir nach 32 Tagen Pazifiküberquerung ab Panama in Hiva Oa – Marquesas – Französisch Polynesien angekommen. Aufatmen. Der größte Fleck Wasser lag hinter uns und wir waren sehr gespannt, was uns in der Südsee alles erwarten würde. Erst Bilder gucken, dann lesen? HIER gelangt ihr direkt zu den Fotos.

Hiva Oa (1.-2. Juli)

Es war bereits stockdunkel als wir Atuona ansteuerten. Vaughn von der Aislado, mit dem wir bereits seit einigen Seemeilen Funkkontakt hatten, holte uns per Dingi an der Hafenmole ab und führte uns durchs recht dichte Ankerfeld bis an die Betonpier, an der wir nach Achtern mit zwei Leinen und nach vorne per Anker festmachten. Alles fest?! Maschine aus. Angekommen. An Land erkannten wir schon gleich die Crews von drei Booten, die wir bereits in Panama kennengelernt hatten; ein Schweizer, ein Französisches und die Crew der Aislado; unser Neuseeländisches Buddy Boot. Die Schweizer hatten ihren Mast auf der Hälfte der Strecke verloren, die Franzosen waren von heftigen Böen getroffen worden. Da war es der Aislado (die Hiva Oa 24 Stunden vor uns erreicht hatte, tja ‚Länge läuft‘, sie sind ein bisschen größer) und uns ganz gut ergangen. Alles richtig gemacht:-)
Mia war kurz vor der Ankunft eingeschlafen, doch ich begleitete Vaughn zusammen mit Noah noch kurz zum Land. Gerochen hatten wir es schon vor vielen Meilen, gesehen noch viel eher und jetzt wollte ich den Boden unter den Füßen auch kurz spüren. Spannend war wie sehr Noah sich an mich klammerte und er in den ersten 10 Minuten auf keinen Fall auf Silvias oder Janas (von der Aislado) Arm wollte. Georg passte auf Mia auf, berichtete euch damals in der Zeit von unserer Ankunft und genoss das ein oder andere Gläschen Rum. Verdient. 3800 sm lagen hinter uns.
Am nächsten morgen erblickten wir die gesamte Kulisse um uns herum; hohe, grün bewachsene Berge, aus überall schroffe Felsen herausragten, Hähne, die auf dem Pier auf und ab stolzierten, Autos, vorallem riesen Jeeps, in der Ferne am Hang ein paar Häuser, Menschen am Ufer; angelnde Männer, spielende Kinder und Frauen mit einer Blume hinter dem Ohr.
Wir machten uns auf in Richtung Gendamerie (Polizei) um Einzuklarieren. Eine freundliche Polynesierin nahm uns mit ins Dorf (Auto auf, alle auf die Rückbank, Auto zu) und zeigte uns gleich alles was wichtig war; Supermarkt, Post, Polizei, Ärzte, Krankenhaus, Bürgermeisterei, Bank, Internetcafé und unser erstes Marae (Platz für zeremonielle und religiöse Zusammenkünfte).
Das Einklarieren war völlig easy. Bootspapiere und Pässe vorlegen, 1 Blatt ausfüllen. Fertig. Keine Kosten, zum Bedauern von Mia bekamen wir keinen Stempel in den Pass. Als der Polizist Mias Traurigkeit verstand, verschwand er, kam zurück und schenkte ihr einen Stempel zum Einkleben auf einem extra Blatt:-) Wir sind Europäer, die Marquesas Inseln französisch. Verrückt. Da bekommt man selbst nach 32 Tagen auf dem Ozean keinen Stempel;-) Wir dürfen uns als Europäer ohne weitere Verlängerung 3 Monate in Französisch Polynesien (Marquesas, Tuamotus und die Gesellschaftsinseln) aufhalten. Toll! ‚Hätten wir mal drei Monate Zeit‘, dachten wir uns damals…und siehe da: letztendlich werden wir sie nun wohl doch ziemlich komplett ausnutzen:-) Zu schön sind diese Archipele hier in der Südsee.
Als wir nun völlig legal auf dem Land waren, deckten wir uns mit CFP- Franc (ursprünglich franc des Colonies françaises du Pacifique („Franc der französischen Pazifikkolonien“, heute nur noch eine Abkürzung) ein und gaben die ersten von ihnen für Baguette, Eier, frischem Brie, Äpfel, Gurken, Milch und Eis aus! Wir schlenderten durch die Straßen und bestaunten das Panorama, insbesondere auf dem Marae, welches von tollen Tikis bestückt und landschaftlich von riesen Bergen eingerahmt wurde. Ein faszinierender Ort. Ein Ort an dem wir einfach mal dasaßen, den Geschmack eines gekühlten, frischen Apfels sowie den Anblick unserer beiden Kinder wahnsinnig genossen. Mia schleckte freudig ihr Eis und Noah erkrabbelte den Rasen. Wir waren glücklich. Wir waren tatsächlich in der Südsee angekommen! Auf einer Insel, wo die Frauen einfach so wie wir einen Ring an Finger eine Blume hinter dem Ohr (links, wenn vergeben, rechts, wenn noch ledig), einen farbenfrohen Blumenkranz auf dem Kopf und sowohl Männer als auch Frauen einfach so frische Blumenketten um den Hals trugen. Ein toller Anblick!
Eine weitere sehr freundliche Polynesierin nahm uns wieder zurück zum Boot. Sie war zudem noch geschmückt von einem typischen polynesischen Tattoo. Eigentlich begegneten wir keiner und keinem Einheimischen ohne Tattoo. An Knöcheln, Beinen, Armen, Schultern, im Gesicht; dezent und doch großflächig, filigran und kunstvoll waren sie bemalt. Georg und ich war es unabhängig voneinander aufgefallen: DAS waren wirklich sehr sehr schöne Tattoos. Georg bereut, dass er sich keines hat stechen lassen, dafür haben Mia und Noah ein Kleines umsonst bekommen. Mia eine Schildkröte und Noah einen Mantarochen. (Mehr zur Tatoo Kultur hat die Muktuk hier beschrieben: http://muktuk.de/?p=1409)
Zurück am Ankerfeld beschlossen wir gleich wieder abzulegen und mit Aislado zur Nachbarinsel Tahuata zu segeln. Eine Mülltour (der Abfall von 32 Tagen) noch zum Land und schon ging’s wieder auf’s Wasser.

Tahuata (2.-7.Juli)

Aber nur für 2-3 Stunden, schönstes Kaffeeklatschsegeln, und der Anker fiel vor einem langen Sandstrand in der Baie Hanamoenoa in Tahuata. Gleich entdeckten wir die ersten Mantarochen. Krasse Tierchen wie sie durchs Wasser fliegen. Apropos Mantarochen: Das mit den Tattoos der Kinder stimmt natürlich nicht.
Wir genossen einen Strandtag mit anschließendem Segler BBQ. Briten, Schotten, Neuseeländer, Franzosen, Kolumbianer, Schweizer und Deutsche kamen zusammen und wir hatten einen super Abend. Hätten wir gewusst, dass dies der einzige schöne und mückenfreie Strand auf den Marquesas ist, wären wir wahrscheinlich noch länger geblieben. Doch die Neugierde war zu groß und wir zogen weiter, zunächst allerdings nur 2 Buchten.

Baie Hapatoni (4.-6. Juli)
Was eine schöne Anchorage! Leider ohne Strand, aber mit glasklarem grünblau schimmerndem Wasser und einem blütenübersätem Hang. Die Kulisse feierten wir mit einem ‚Limonen Rum Sit in‘ an Bord der ZIG ZAG. Mit dabei war die Crew der Aislado und die der Skylark. Eine sehr lustige Nacht war ’s.
Nach ein paar Stunden Schlaf schnorchelten wir mit den Mantas und fuhren per Dingi zum kleinen Ort rüber. Gleich kamen ein paar Kids an, nahmen unsere Leinen entgegen, interessierten sich für unsere Herkunft, baten uns Pampelmusen an, zeigten und teilten ihren Unterstellplatz für den bevorstehenden Regen, spielten Noah ihren Ball zu und waren einfach polynesisch freundlich. Wir machten einen Spaziergang durchs ‚Örtchen‘. Ein kleiner Hubbelweg war die Hauptstraße, links die Bucht, rechts ein paar Häuser, eine Kirche, eine überdachter Treffpunkt für Feierlichkeiten. That’s it! Als wir wieder zurück zum Boot wollten, lud gerade eben ein kleines Versorgungsschiff einige Kisten mit Lebensmitteln und Säcke mit Baguette aus. Vom Schiff direkt in einen Jeep. Als wir fragten, ob wir ein paar Baguette erwerben könnten, wurden wir freundlichst beäugt, gezählt und pro Boot gab’s gleich zwei plus eins extra für die Kids. Und NEIN, wir durften nichts bezahlen und etwas beschämt übergab ich zumindest eine kleine Tüte mit Seifen und Shampoos, Kugelschreibern und Bleistiften, die wir als mögliche Tauschartikel für Obst mitgenommen hatten. Was ein freundliches Völkchen. Das kann man gar nicht oft genug erwähnen.
Am nächsten Tag folgten wir mit ein paar Stunden Abstand der Aislado und der Skylark nach Fatu Hiva. Als die Skylark aufgrund des Windes umkehrte, entschlossen wir, die erst spät losgekommen waren auch erst am nächsten Tag in Richtung Fatu Hiva aufzubrechen. Wir änderten unseren Kurs. Den extra Tag auf Tahuata wollten wir noch einmal am Strand verbringen. Leider regnete es so stark, dass wir an Bord blieben und die Skylark zu ‚Zähnchen no.4 Kuchen‘ und einem Kaffee einluden. Auch ohne dieselbe Sprache zu sprechen, Hana (7), Elenor (10), Mia und Noah verstanden sich ausgezeichnet! Vom Kuchen gingen wir gleich über zu einem sehr geselligen Abend auf der Skylark. An diesem wurde Georg von einem echten Schotten in die Geheimnisse des Whiskeys und Mia von den Mädels in die Geheimnisse der Medienwelt eingeweiht. Sie schauten gemeinsam die Pinguine von Madagaskar auf Englisch und Mia war begeistert. Am nächsten Tag segelten wir weiter nach Fatu Hiva und wir verabschiedeten uns von Stewart, Lou, Elenor und Hana. Aber wir wussten irgendwann, irgendwo werden wir uns Wiedersehen!

Fatu Hiva (7.-10. Juli)

Es war schon dunkel als wir in die Jungfrauen Bucht ‚Baie des Vierges‘ einfuhren. Imposante Felsen waren im Mondschein zu erkennen. Der Ankergrund war steinig und tief, doch irgendwann hatten wir unser Plätzchen gefunden; 50m Ankerkette plus 20 Meter Kettenvorlauf (einem 14mm dickem gedrehten Polyesterseil, das wir übrigens zum ersten Mal auf dieser Reise einsetzten) waren draußen. Der Törn hierher war nicht weit, doch die Wellenbewegung wie auf dem offenen Ozean. Etwas erschöpft kehrten wir bei Aislado zum Bord BBQ ein. Von Land hörten wir die Trommeln. Die Energie und der Beat war über Kilometer spürbar. Zu gern wären wir noch rüber gefahren um zu sehen, wer diesen Rhythmus in die Atmosphäre schlug. Doch wir wussten, es würde ein morgen geben;-) Getrommel und Tanz war hier auf den Inseln im Juni und insbesondere im Juli quasi Alltagsprogramm.
So wurden wir in den nächsten Tagen und Wochen zu treuen Zuschauern, wo auch immer eine Probe stattfand. Ob in einer Halle, unter einem Pavillon oder unter freiem Himmel. Ob die Kids, die Damen, die Herren oder alle gleichzeitig ihr Bestes gaben. Fasziniert bestaunten wir den kraftvollen und zugleich sinnlichen Ausdruckstanz mit atemberaubenden Hüftbewegungen, die von vielseitigem Getrommel und hin und wieder von Gesängen und Aufschreien untermalt wurden; Südseetechno der ganz besonderen Art. Gänsehaut! Alle tanzen; von ganz klein bis ganz groß, was sowohl aufs Alter als auch aufs Gewicht zutrifft. Alle übten für die lokalen Inselwettbewerbe, die rund um den 14. Juli (dem französischen Nationalfeiertag) stattfinden.
Den Tag verbrachten wir mit schwimmen und surfen in der Bucht. Also Noah, Mia und ich schwammen und Georg stieg auf Vaughns Surfbrett. UND er blieb oben. UND er kam voran. Respekt!
Dann machten wir trotz ziemlich viel Regen eine Wanderung zu einem Wasserfall (irgendwie regnet es immer, wenn wir zu einem Wasserfall möchten). Schöne Wanderung und ein wirklich hoher und spannender Wasserfall, wie er die breite Felswand hinunter donnerte. Mia und Georg nahmen ein kurzes Bad, doch das Wasser war wirklich seeehr erfrischend. Auf dem Rückweg wurden wir aber dann alle richtig nass, es regnete in Strömen und wirklich kalt und durchweicht, von warmen Kakao träumend, stiegen wir ins Dingi. Dieser Ausflug war dann wohl auch der Grund für eine ordentliche Schnupfnase und ein wenig Fieber bei den Kleinen. Naja, solange es nicht mehr ist…ist es gut für’s Immunsystem.
Einmal pro Woche werden die Inseln von der Aranui angefahren. Die Aranui ist halb Versorgungs- und halb Kreuzfahrtschiff; ein sogenannter Passagierfrachter (für maximal 254 Personen). Am Tag der Ankunft war der kleine Supermarkt kurzfristig mehr als überfüllt. Die Flip Flops häuften sich vor dem Eingang (Schuhe werden in den Häusern nicht getragen, im Supermarkt also auch nicht) und als wir auf ein paar Möhren und etwas Weißkohl hofften, waren wir beeindruckt, dass es nichts mehr gab. Innerhalb von Minuten weg. Also freuten wir uns über ein paar überteuerte, aber dennoch sehr frische leckere Neuseeländische Äpfel, ein paar Eier und wovon es immer genug gab; Butter, Brie und Tiefkühlwürstchen. Das Ganze für läppische 40 Euro;-( Ein Tütchen voller Lebensmittel, sehr beeindruckende Preise! Und wir dachten, die Karibik wäre teuer.
Naja, dann wollten wir uns mit neuen Bananenstauden, Brotfrüchten und Limonen eindecken. Wir hatten von tollen Tauschmöglichkeiten mit den Einheimischen gehört. Doch irgendwie sind wir da an den Falschen geraten. Nächstes Mal sind wir schlauer. Wir tauschten 4 Tetrapacks Wein (die hier, wie wir später feststellten üblicherweise mehr als 12 Euro pro Stück kosten), Zigaretten und einen kleinen Billigbrandy gegen 2 Bananenstauden, 3 Kokosnüsse, einige Pampelmusen und ein paar Brotfrüchte. Limonen waren uns eigentlich auch noch versprochen, doch dazu kam es nicht mehr. Der Mann war sehr gierig und ‚brauchte‘ den Wein, doch das haben wir leider zu spät gemerkt. Tauschartikel wie Seile, Shampoo, evt. Kleidung, Zigaretten und Alkohol sind sehr willkommen, ABER insbesondere der Tausch von Alkohol ist unserer Meinung nach mit Vorsicht zu genießen…hinterher weiß man immer mehr…
Wie auch immer Fatu Hiva war felsformationstechnisch definitiv die spektakulärste Anchorage der Marquesas! Die Wanderung zum Wasserfall ist auch sehr zu empfehlen und überhaupt sehr freundlich und nett dort, wenn man dort gerade in der Ecke ist;-)
Mit einer Nachtfahrt machten wir uns dann auf zu unserer 4. Marquesasinsel:

Oa Pou (11.-16. Juli)

Die Insel haben wir fast umrundet. Eigentlich wollten wir in den Norden. Die Aislado war uns mal wieder ein paar Stunden voraus uns über recht schlechten Funkkontakt hatten wir verstanden, dass der anvisierte Ankerplatz nicht gut wäre und sie in den Westen fahren. Dachten wir uns, dann checken wir den Süden und treffen uns irgendwo, wo es schön ist. Wir drehten also im Osten der Insel um und fuhren unten entlang. Wir haben uns auch getroffen, allerdings dann doch im Nordosten;-) Macht aber nix, Oa Pou hat wirklich eine schöne Küste aus der ebenfalls überall beeinduckende Felspinöpel (englisch: Pinnacles) herausragen. Und keiner weiß es besser als wir, wir haben sie gesehen, ALLE, und von ALLEN Seiten;-)
Mit im Hafenbecken lag wieder einmal die Aranui. Bei unserer ersten Ortsbegehung entdeckten wir zum ersten Mal auf dem Marquesas so etwas wie eine Stadt; viele Häuser und Gärten, eine Schule, eine Kirche und gleich drei Supermärkte. Einer hatte sogar Einkaufswagen und mehrere Reihen voll mit gefüllten und nicht wie bisher eher üblich einzeln ausgestellten Lebensmitteln. In der Kühlung fanden wir neue Äpfel, Möhren, grüne Paprika und Weißkohlköpfe; was ein Fest. Frisches Zeug. 10 Euro für eine Tüte Möhren, stolzer Preis, aber immerhin es gab sie. Außerdem shoppten wir frischen Salat, eine Rarität! Frisch, knackig und üppig für nur 2 Euro! Und dann gab es noch alles für eine Burgersession am Abend. FLEISCH! Einkaufstechnisch seit Panama paradiesische Angebote. Doch immer wieder stellten wir fest, dass wir wirklich gut verproviantiert hatten und bei den Preisen war ich immer und immer wieder stolz auf jede Packung Nudeln, Soßen, Pesto und Konserven jeglicher Art, die ich bereits in Deutschland gekauft hatte und wovon wir immer noch aßen und wahrscheinlich noch lange essen können;-) Auf unserer ständigen Einkaufsliste standen dann eher Dinge wie Brot, Obst, Gemüse, Käse, Eier, Mehl, Joghurt und Fleisch (ganz konkret; Hähnchenschenkel und Steak Haché, denn das war bezahlbar und lecker).
Um zu wissen, was und wieviel wir noch benötigen, muss man natürlich auch wissen was noch an Bord ist. Dafür haben wir eine Excelliste, die fast immer gut gepflegt ist;-) Heißt soviel wie, alle paar Wochen, muss man den wahren Inhalt noch einmal mit dem Soll abgleichen; Inventur. Inzwischen sind wir wahre Meister darin. Bei der Gelegenheit putzen wir dann auch die Schränke aus, sehen ob irgendwelche Dosen drohen durchzurosten oder ob mal wieder irgendwelche blöden Viecher den Weg in die Lebensmittel geschafft haben.
Ganz nett war übrigens der Supermarktbesitzer, der uns fragte, ob wir Interesse an ein paar Pampelmusen hätten. Wir waren nicht abgeneigt und er sagte er würde seine Frau dann bitten, welche zu sammeln, sie hätten genug und morgen würde er uns welche mitbringen. Das tat er. 4 große Säcke hatte er für uns! So groß wie ausgewachsene Kartoffelsäcke! Gratuit (umsonst). Bezahlen war nicht erlaubt. Wir verteilten sie auf drei Boote und unsere Netze im Cockpit waren wieder prall gefüllt.
Ansonsten haben wir in Oa Pou den notwendigen Ölwechsel der Hauptmaschine gemacht. Wie wichtig es ist auch wirklich jeden kleinen Pinöpel wieder zurück zu stecken, haben wir, wie ihr wisst, leidlich erfahren und nach fast zwei Monaten und vielen Spülvorgängen, kann ich behaupten, das fast kein Öl mehr in der Bilge ist. Georg und Vaughn haben auf seiner Nähmaschine unser leicht in Mitleidenschaft genommenes Lazybag (Großsegelhülle) erfolgreich geflickt. Mia hatte seit Portugal zum ersten Mal straßenbelags- und verkehrsmäßig endlich mal wieder die Chance Laufrad zu fahren. Wir haben nicht schlecht gestaunt, wie sehr wir die Größe anpassen mussten! Aber siehe da, nach ein paar Tagen, rollte sie uns davon.
Wir beschlossen zu den Feierlichkeiten rund um den 14.Juli (französischer Nationalfeiertag) hier zu bleiben. Gute Entscheidung. Die Festivitäten waren auf gutem Laufabstand vom Ankerplatz, die Menschen waren wieder einmal sehr freundlich hier und sie hatten uns in den letzten Tagen ja schließlich auch schon auf ihrer Insel entdeckt und wir waren nicht mehr ganz so fremd für sie. Alles eine Frage der Perspektive!
Die ‚Baracken‘ waren festlich und blumig geschmückt, es gab ein Kindertrampolin und ein super Festprogramm. Getrommel und Tanz, faszinierende Kostüme; Palmenröckchen, BH’s aus Blumen gesteckt, Federschmuck, Knochen- und Zahnketten, tolle Blumenketten und einmalige Kopfkränze. Alles war so farbenfroh und die Tänze so energievoll. Insbesondere die Herrengruppen waren auch ganz schön respekteinflössend, martialisch. Sie schlugen sich bei ihrer Haka-(Tanz) Choreografie heftig auf die Oberschenkel oder auf die eigene Brust, schrien kriegerische Laute aus. Mia hat sich bei ihrem Auftritt in die hinterste Reihe verkrümelt. Doch die Misswahl holte sie wieder hervor. Tolle ‚Prinzessinenkleider‘ wurden von hübschen, strahlenden Südseeschönheiten präsentiert.
Rundum die Bühne (eine Art Zelt ohne Seitenwände) gab es viele Essensgelegenheiten in Bretterbuden. Futtern, staunen, quatschen und nach dem offiziellen Programm richtig gute Musik. Die Kiddies sind eingeschlafen und Jana, Silvia und ich rockten die Tanzfläche. Party in der Südsee. Fotos von diesem Event, laden wir leider erst in Neuseeland hoch, da an diesem Abend Vaughn der Fotograph war und wir die Fotos leider noch nicht ausgetauscht haben. Wenn ihr allerdings einen Eindruck bekommen möchtet schaut mal auf der Seite der Muktuks. Tolle Bilder und super Bericht zu den Feierlichkeiten auf der Nachbarinsel Nuku Hiva: http://muktuk.de/?p=1375
Den letzten Abend in Oa Pou verbrachten wir an Bord der Sanuk, einem belgischen Catamaran, nach der Skylark und der Lulu noch eine Crew, die beschlossen hatte noch eine Saison in Französisch Polynesien zu bleiben. Verführerischer Gedanke, doch wir entscheiden uns nach einigen Gedanken, doch an unserem Neuseelandplan festzuhalten. Dann ging’s weiter zu unserer letzten Insel:

Nuku Hiva (16.Juli – 4. August)

Baie D’Anaho (16.-19. Juli) Baie de Taiohae (19.-28.Juli)
Irgendwie fühlte sich Georg nicht ganz so fit…so fing es an und sein Gesundheitszustand verschlechterte sich, dies hielt an und verbesserte sich erst nach knapp 2 Wochen. In der Zwischenzeit segelten wir in den Nordosten von Nuku Hiva; zur Baie D’Anaho und nach 3 Tagen in die Hauptstadt Taiohae im Süden der Insel. Die erste Bucht war wirklich sehr schön, ein ruhiger Ankerplatz, ein langer Strand am Fuße einer großen Bergkette. Es war sehr regnerisch und so konnten wir von Bord aus einige Wasserfälle in den Bergen sehen. Georg schlief und besuchte sehr regelmäßig die Toilette. Mia, Noah und ich machten in drei Tagen einen halbstündigen Strandspaziergang. Dieser war wirklich schön, aber leider gab es kleine biestige Nonos (winzig kleine Stechmücken), die sich fast unbemerkt an unsere Körper begaben. Aber nur fast! Daher blieb es bei einem kurzen Ausflug.

Kurz vor meinem Geburtstag verlegten wir das Schiff nach Taiohae. Ich hatte nicht viele Wünsche. Neben einem gesunden Georg, wünschte ich mir Internet und jemandem dem ich unsere Wäsche zum waschen geben konnte. Die Fahrt an der Ostküste hinunter war sehr schaukelig und unangenehm. Da halfen auch die tollen Delfine nicht. Uns war übel. Wir waren echt froh als wir da waren, aber in der Bucht war ebenfalls ein irrer Schwell und wir wackelten stark hin und her, wir hätten uns am liebsten sofort wieder zurück in die ruhige Bucht gebeamt. Georg fühlte sich eher unfitter als besser, die Toilettenbesuche steigerten sich noch und damit auch der Schlafbedarf. Meine Recherche ergab: es kursiert Magen Darm auf der Insel. Doch er hatte diese Insel ja noch gar nicht betreten?!
Mia, Noah und ich telefonierten (wirklich toll, das man über whatsapp quasi gratis mit der ganzen Welt quatschen kann), verproviantieren, internetteten; luden insbesondere mal neue Fotos hoch, spazierten herum und ließen unsere Gasflasche füllen. UND ich ließ waschen. 15 Euro pro 5 kg sind zwar ein stolzer Preis, doch das sehe ich als mein ganz persönliches Geburtstagsgeschenk an mich selbst:-) Die großen Dusch- und Badehandtücher und auch Spannbettlaken und Kissenbezüge freuen sich maschinell mal wieder so richtig durchgeschleudert zu werden! Wäsche und Gas kann man übrigens direkt am Anleger bei Kevins Yachtservice machen und Internet gibt’s entweder auch bei ihm oder nebenan beim Snack oder 300 m weiter etwas gemütlicher in einem Café / Restaurant. In Taiohae gibt es die reichhaltigsten Supermarktangebote und es gibt einen richtigen Gemüsemarkt; nicht günstig, aber es gibt neben dem fast überall erhältlichen Weißkohl auch Auberginen, Salat, Gurken, Möhren, sogar Zucchini und Tomaten. Nicht imer alles, aber immer etwas;-)
Meinen Geburtstag verbringen die Kinder und ich an Land. So wenig Zeit wie an diesem Tag, haben Georg und ich während der gesamten Reise noch nicht miteinander verbracht. Seltsam, aber krank ist krank. Die Kids und ich machten Großeinkauf und kommunizierten das Internet leer. Kurz bevor wir dann zu Georg zurück wollten, landete ein Dingi an. Ich wollte helfen und so lernten wir die VIDA kennen. Angelika, Bernie mit Felix und Alex; eine deutsche Familie. Großartig! Ebenfalls auf dem Weg nach Neuseeland. Sie waren gerade eben aus Panama angekommen und wir gingen spontan mit ihnen Essen.
Georg fühlte sich step by step etwas wohler, aber es dauerte. Wäre er fit gewesen, hätten wir die Vida zunächst nur kurz kennengelernt und so konnte Mia einige Tage mit Alex (5) und Felix (7) malen, spielen und insbesondere Noah ihren Katamaran entdecken, während ich mit der erwachsenen Crew den ein oder anderen kühlen Sundowner im Cockpit genoss. Georg hatte seine Ruhe und schlief sich gesund.
Am 26. machten die Vidas und die ZIG ZAGs einen gemeinsame Inselrundfahrt. Generell eine gute Idee, aber vor Ort vllt. nicht über Kevin vom Yachtservice buchen zumindest nicht bei Joyceline. Eine rechthaberische, eher unansehnliche, unflexible, uninformierte und dazu definitiv zu teure französische Tourführerin; kurzum nicht zu empfehlen. Aber die Insel ist schön, wir haben einige Marae besucht, tolle Tikis gesehen und den Anblick hoher Wasserfälle und toller Aussichten genossen. Wenn eine Inselrundfahrt auf den Marquesas, dann auf Nuku Hiva. Und wenn irgendwo krank werden, dann auch hier. Für den Rest der Crew aufgrund von Supermärkten, Internetmöglichkeiten und bezahlbarem, leckerem Poisson Cru (roher Fisch in Limettensaft und Kokosmilch) der beste, zivilisierteste Ort zum Verweilen. Aufgrund unseres recht langen Aufenthaltes können wir sagen, dass die Bucht schwellige und unschwellige Tage hat. Kommt halt drauf an…Die Bucht ist riesig, hat eine sehr nette Bergkulisse und mit uns ankerten knapp 30 andere Boote in ihr. Wir hatten einige starke Regenfälle in Taiohae und dann entstehen viele Wasserfälle, was so hübsch kitschig aussieht wie die bescheuerten Friede Freude Eierkuchen Fantasien im Zeugen Jehova Käseblättchen, dem Wachturm. In Bestzeiten haben wir von Bord aus bis zu 18 gleichzeitig sehen können; Wasserfälle und keine Wachtürme, ein Glück.
Als Georg wieder ‚voll‘ an Bord war und wir wussten, dass die Lulu (ihr erinnert euch? Angelika und Ernst aus Deutschland) in Kürze Nuku Hiva erreichen würde, beschlossen wir auf sie zu warten und vorab noch einen Abstecher nach Hakatea zu machen.

Hakatea (28. Juli – 1. August)

Das ist die Bucht in der 2011 Stefan, ein deutscher Segler von einem Einheimischen während der gemeinsamen Ziegenjagd ermordet wurde. Heike, seine Freundin hatte ein Buch ‚Blauwasserleben‘ geschrieben und 2015 wurde ihre Geschichte verfilmt. Vielleicht hat der ein oder andere von euch schon einmal von der ‚Kannibaleninsel in der Südsee‘ gehört. Es war für uns jedenfalls ein etwas seltsames Gefühl in diese Bucht zu fahren. Von der Muktuk hatten wir erfahren, dass wir bei Kua und Teiki ein herrliches Essen und frisches Obst bekommen könnten. Wir besuchten sie und Kua erzählte uns stolz von ihrer Obstplantage, ließ uns einiges Mal probieren und wir meldeten uns für den Folgetag zum Essen an. Gemeinsam mit der Vida begaben wir uns auf den feuchtfröhlichen Weg zum Wasserfall. Ich erwähnte es ja schon, immer wenn wir loswandern, beginnt es zu regnen…aber wir haben durchgehalten. Zumindest bis zu der Stelle, an der man den besten Blick auf den Wasserfall haben soll. Aufgrund des vielen Regens hatten wir Glück und sahen gleich zwei riesen Wasserfälle;-) Mia hat übrigens auf den Marquesas eine Panik vor Regen in Kombi mit Wind entwickelt. Sobald sie eine graue Wolke sieht und sie sieht sie immer als erstes: ‚Mama, Papa Reeeegen, wir müssen uns schnell unterstellen‘ und wehe es gibt gerade nur eine regendurchlässige Palme in der Nähe! Inzwischen sind wir ja einige Wochen weiter und ja die Panikphase ist überstanden;-) Generell können wir von unserer Wanderung berichten, das mehr Wasser auf uns als den Berg herunter kam, Wege zu Bächen wurden, der Bach zum reißenden Fluss und der Rückweg zum Abenteuer…dieses führte nämlich durch einen Fluss, an dem auf dem Rückweg netterweise eine andere Wandergruppe auf uns gewartet hatte, um uns per Menschenkette sicher auf die andere Seite zu geleiten. Da waren wir doch ganz dankbar mit den vier Kids und dem strömenden Flusswasser;-) Ziemlich durchnässt erreichten wir dann Kua, Teiki und Mateo, ihren 12 Jahre alten Sohn, die uns bereits mit einem gedeckten Tisch erwarteten. Es gab gleich Frischwasser zum entmoddern, sowie Handtücher und trockene Shirts für Mia und Noah (als kleiner Mönch im Batiklook auf den Fotos zu erkennen). Wir genossen ein köstliches Mittagessen mit gekochten Schrimps in Kokosmilch dazu Reis, Brotfrucht und in Blättern über dem Feuer gebackenem Kokosnussbrot, Trinknüsse und Obstsalat; ein wahres Fest! (Das ganze für knapp 10 Euro pro Person). Dann gaben wir eine Obstbestellung für den nächsten Tag auf: 2 Bananenstauden (unterschiedlicher reifegrad; 5 und 10 Tage), 2 Brotfrüchte, Sternfrüchte, 3 kg Limonen, 30 Pampelmusen (handballgroß und echt lecker) und 2 Papayas. Alles zusammen für nur ca. 40 Euro.
Mateo war ganz verliebt in Noah und freut sich schon irgendwann auch noch ein Geschwisterchen zu bekommen. Kua ist eine ganz liebenswürdige, frohsinnige Polynesierin. Als wir unser Obst abholten, half Georg beim Koprasackschleppen (Kopra; getrocknete Kokosnüsse, die zur Herstellung von u.a. Ölen nach Tahiti verschifft werden) und wir (vorallem Georg, sein Französich ist einfach sehr sehr gut) unterhielten uns noch ein wenig intensiver mit Kua und Mateo über das Leben und die Leute in Französisch Polynesien. Durchaus interessant war zu erfahren, dass der Mörder von Stefan ihr Cousin war und wie sie sehr emotional ihre Erinnerungen an die Zeit in 2011 mitteilte. Was damals wirklich geschehen ist, wird wohl irgendwie immer ein Rätsel bleiben…
Mit vollgepacktem Obstdingi ging’s zum Verstauen auf die ZIG ZAG. Dann nahmen wir einen Ungarischen Segler („Heiße Laslow, komme aus Ungarn, bin schon 1982 vor den doofen Kommunisten abgehauen“) mit defektem Motor in Schlepptau und fuhren aus der Bucht raus zurück in Richtung Taiohae. Sobald Laslow Wind hatte, entkoppelte er sich und wir motorten ihm davon. Wir schalteten auf der dem Rückweg nach Taiohae den Wassermacher ein.

Taiohae (1.-4. August)
Abends ist die Lulu in Funkreichweite (ca. 20 sm entfernt), sie sind seit 4 Wochen auf dem Wasser und benötigten unsere Hilfe. Sie hatte es unterwegs ganz schön getroffen; so ziemlich alles hatte den Geist aufgegeben; Vorstag und Segel gerissen, Batterien platt, dadurch keinen Kühlschrank mehr, keine Klospülung, keine Navigationslaternen, die Ruderanlage war stark blockiert, der Autopilot defekt und kurz vor der Bucht stellten sie fest: Motor will nicht. Georg schleppt das 9t schwere Stahlboot mit Klein-Erna (unserem Dingi, benannt nach Johannes Erdmanns Oma, von uns namentlich adoptiert) ab, gut dass wir in Panama einen neuen Außenborder gekauft haben! Nach gefühlten 5, tatsächlichen 1,5 Stunden und jeder Menge Adrenalin; ich höre Angelika noch durch das Funkgerät ‚Georg, bitte schnell, wir können nichts mehr machen, wir treeeeiben auf die Felsen…‘ schaffen sie es in die Bucht.

Als der Anker eingegraben war, gab es erst einmal Burger und Bierchen an Bord der ZIG ZAG. Wir wollten alles wissen und sie gern auch alles loswerden und so wurde es später und später…unsere Wege hatten sich nach den Las Perlas getrennt. Wir waren direkt Richtung Marquesas aufgebrochen, die Lulu zunächst runter nach Ecuador, von dort für ein paar Tage nach Galapagos (sind an einen ‚guten und bezahlbaren‘ Offiziellen geraten) und dann hierher nach Nuku Hiva. Das Wiedersehen war toll. Wir verbrachten noch 2 Tage miteinander. Wir verproviantierten uns mal wieder und dann machten wir uns am 4. August auf die Reise zum nächsten Ziel; den Tuamotus.

Wir haben insgesamt 5 der 6 bewohnten Inseln des Marquesas Archipels besucht. Mit ihnen verbinden wir hohe, grüne Berge, einzigartige schroffe Felsformationen, atemberaubende Wasserfallwanderungen, unglaublich freundliche, meist tätowierte, mit Blumen geschmückte Menschen, sehr teure Supermarktangebote, frisches französisches Baguette, klarstes Wasser, viele viele beeindruckenden Mantarochen und neue Segelfreunde wie z.B. Birgit und Andreas von der Muktuk (deutsch), Andreas von der Mellifera (deutsch), Familie Helm von der Vida (deutsch) und Familie Henderson von der Skylark (Englisch/Schottisch). Außerdem genossen wir die Zeit mit unserem Pazifikbuddyboot der Aislado (Neuseeländisch) und das Wiedersehen mit Angelika und Ernst von der Lulu (deutsch). Toll war’s!
In Hiva Oa hat uns das Marae am meisten imponiert, in Tahuata der Strand und die Menschen, in Fatu Hiva die Ankerbucht, in Oa Pou die Tänze und das Trommeln und in Nuku Hiva die Versorgungsmöglichkeiten; der Gemüsemarkt, das vorhandene Internet und der Besuch von Kua, Teiki und ihrer Obstplantage in der Bucht von Hakatea.

Nana und bis bald!

Irene

 

Ein Gedanke zu “Marquesas Inseln 1.7. – 4.8.2016

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