Kanarische Inseln erreicht

Buenos Dias,

wir sind am Do gegen 12.00 Uhr hier auf der Isla de la Graciosa angekommen! Eine wunderschöne 27 km² kleine sandige Insel nördlich von Lanzerote. Eine Insel, die sich besonders durch ihre Vulkanlandschaft, Dünen und Treibsandzonen hervorhebt. Wunderschöne Farben wie bereits Mia kurz vor der Ankunft feststellte „Berge malt rot weiß“ ja es ist wirklich malerisch schön hier! Wir waren bereits 2003 mit unserer kleinen Futschi Kato (Shark 24) hier im Hafen, einiges hat sich geändert und vieles auch nicht:-) Es gibt immer noch sehr sehr viel Sand hier! Die ‚Straßen‘ sind nicht geteert und hinter den zwei, drei Häuserreihen sieht man wieder Sand Sand und noch mehr Sand. 2, 3, 4 Cafés und Restaurants, 2 Supermärkte, ein Metzger, ein Bäcker, that’s it! Was braucht man mehr? Ok, zugegebener Maßen ist Internet nach 5 Tagen Abstinenz schon was Feines und immerhin in EINEM Café hat man eine recht gute Verbindung. Bestandteil unserer To do Liste am Morgen ist dann also auch, aufzuschreiben was wir im Netz googlen wollen :-).

Doch nun erst einmal eine kleine Rückblende:
Am vorletzten Sonntag gegen 15 Uhr hieß es Leinen los, der Himmel war blau, die Sonne schien, die Wetterprognose gut, das Boot war bestens verräumt und vorbereitet. Wir waren sehr guter Dinge! Endlich war es soweit, Kurs Kanaren. Wir legten ab, fuhren Slalom um die Fischerboote raus auf den Fluß, dann links ab Richtung Atlantik. Noah brachte ich zunächst unter Deck in seinen angeschnallten Maxi Cosi. Als ich wieder ins Cockpit kam, schaute ich in zwei große hilfesuchende Augen.

Mia sitzt im Cockpit in ihrem auf dem Cockpittisch montiertem Stühlchen. Sie hat wahnsinnige Angst! ZIG ZAG knallt von einer Welle auf die nächste, sie sind hoch und sehr kabbelig! Wer hatte mit solch einem Start gerechnet. Mia hoppste vor lauter Schwerelosigkeit in ihrem Sitz auf und ab. Was ein ätzender Seegang in der Flußmündung zum Meer. Solch eine Angst hatte Mia noch nie zuvor gehabt. Sie schnürte mir fast die Luft ab, so sehr klammerte sie sich an meinen Hals bzw. an meinen ganzen Körper als ich sie aus dem Stühlchen auf meinen Schoß hob. Was hatten wir nur gemacht?! Sie hätte unten sein müssen um den Wellenbergen nicht direkt ins Auge sehen zu müssen, doch dafür war es zu spät wir waren mitten drin, Georg manövrierte uns raus, Mia weinte und schrie immer wieder „Portugal gehen Portugal gehen“…dann wurde es zu einen „Hause gehen Haus Haus Haus, mein Haus“ und auch mir flossen die Tränen, war es die richtige Entscheidung die Reise anzutreten? Ich vermisse die Family und Freunde schon jetzt enorm!!! Niemals wollten wir unserem Töchterchen so viel Angst machen, die hatte wahnsinnige Panik und wollte mich nicht mehr los lassen. Irgendwann ist sie dann im Salon an mir geklammert eingeschlafen ein Arm war nicht genug „ganz Arm Mama Hause Hause gehen Haus Mama Papa“. Emotionen über Emotionen…

Dabei hatten wir eigentlich herrlichstes Segelwetter, blauer Himmel und Sonnenschein, doch mit Mia ins Cockpit zu gehen war unmöglich, sie wollte unten bleiben, schlief und spielte und klammerte. Also blieb auch ich unter Deck. Da war mir nicht ganz so wohl, obwohl ich doch bisher nie mit Seekrankheit zu kämpfen hatte…Mia schaute immer lethargischer aus der Wäsche bis auf ‚Ingasaft‘ bekamen wir nichts in sie rein und der kam später leider auch wieder retour! „Aua Bauch“ ist eigentlich ein deutliches Signal, doch ich hab’s zu spät richtig gedeutet. Sie lief über und spuckte auch mir den Ingasaft entgegen! Georg sorgte für ein Schüsselchen und saubere Klamotten und als wir Mia entkleidet hatten, floh ich ab ans Deck und brach meine Mandarinen wieder aus, die ich doch irgendwie versucht hatte in mich reinzubekommen, schließlich sollte Vitamin C Seekrankheit doch entgegen wirken. Nach 19 Segeljahren hatte ich irre Angst nun auch unter Seekrankheit zu leiden. Wie sollte ich dann für die Kids da sein, würde ich weiterhin noch Milch produzieren oder würde die durch den Stress wegbleiben?! Prämilch (Milchpulver aus der Dose) hatte ich vollkommen außer Acht gelassen und war nicht an Bord. Shit sobald mein Magen leer war ging ich wieder rein zu Mia, Noah schlief friedlich. Mia hatte saubere Klamotten an, aber Hände, Gesicht und Haare rochen nach Erbrochenem, ich wahrscheinlich auch. Sie kuschelte sich auch wieder an mich, ich wollte für sie da sein, doch der Geruch und die leichte Schräglage bzw. das Schaukeln war nicht förderlich fürs Wohlbefinden. Wir waren Schnell, so fühlte es sich an, jegliches fragen wie schnell oder gucken, wo wir waren, war mit zuviel Energie verbunden! Immer wieder liefen mir die Tränen und ich fragte mich, ob es das war?! Wollte ich das? Hatten wir uns das so vorgestellt? Wo war meine Kraft? Warum war ich plötzlich seekrank? Zu wenig Schlaf in der Nacht zuvor, vllt. hätten wir vor der Abfahrt richtig essen sollen, nicht nur so nen Happen im Vorbeigehen…dann der panische Start im Fluß und die klammernde Mia unter Deck… Mia hatte die Wochen von Krefeld nach Portugal so super mitgemacht, wie konnte es sein dass auch sie nun spuckte…war Angst der Auslöser?! Georg wachte quasi die ganze erste Nacht, ich war nur darauf bedacht nicht weiter in Panik zu verfallen, meine Emotionen in den Griff zu bekommen und für Mia und Noah da zu sein. Wir funktionierten; Georg seglerisch, als Papa und als Freund, ich als Mama und Nahrungsquelle.

Am kommenden Tag war der Wind weniger geworden. Wir rasten nicht mehr mit 8 sondern eher mit 6 oder 7 Knoten und Mia war wieder ganz fröhlich. Das erste mal wieder ins Cockpit Stühlchen war ihr nicht ganz geheuer „große Wellen, große Wellen, hüpfen Hause gehen“. Dann spielte sie Obst schneiden, machte ein Tierpuzzle und alles war ok. Irgendwann machten wir auch den Motor unterstützend an.
In dieser Nacht wachte vorallem ich, ich erfasste unsere kompletten Medikamente digital für eine Gesamtübersicht. Anschließend stellte ich mir alle 13 min den Wecker bis ich nicht mehr wach geworden bin und Georg aus der Vorschiffskoje kam, den Wecker ausmachte und die Schicht übernahm. In der man bei ausschließlicher Motorfahrt bei dieser Dünung hervorragend schlafen konnte. Ansonsten schliefen wir unterwegs alle im Salon und Noah in seinem Bettchen ebenfalls im Salon hinter dem Leesegel. Wie praktisch doch so ein Kinderwagenaufsatz als Bettchen:-) Mobil eben!
Heute hatte Mia ganz viel mir Duplo gespielt, sie liebt es zu bauen und zu stecken, die Männchen heißen meist Diana, Bernd, Anika und Lena…liegt wohl auch an den Kaninchen und Hühnern, die sie verbaut, wie bei den Valksens eben. (Die Valksens: Diana ist meine Schwester) Am Abend wurde noch getanzt, gesprungen und gefeiert…warum? Na, weil Mia Partys liebt!

Am Dienstag war der Wind zeitweise komplett eingeschlafen und Georg und Mia zelebrierten einen Duschtag. In wenigen 100m passierten wir die AIDA Blue auf dem Weg nach Funchal ansonsten war fahrtechnisch nix los. Mias Mittagsschlaf wurde zur Ruhestunde, schlafen wollte sie nicht, dafür war sie dann am Abend für ihre Verhältnisse sehr früh in der Koje. Gegen 20.00 Uhr war Schicht im Schacht; meine Crew schläft, ich spüle, schreibe und räume, checke den Verkehr, draußen ist es pech schwarz, es ist bewölkt, hier und da blinken ein paar Sterne hervor, das Boot schiebt sich durch das Wasser an Steuerbord und Backbord fluoresziert das Wasser.

Mittwoch: Heute war der dritte Tag! Es herrschte sehr gute Stimmung an Bord, alle waren etwas ausgeschlafener und an das Schaukeln gewöhnt. Der Wind ist wieder da und wir können segeln, so ganz ohne Motor! Kurz nach dem Frühstück, seh ich durch das Salonfenster einen Delfin vorbei schwimmen. Alle Mann an Deck! Diese wahnsinnig schönen und faszinierenden Tiere! Sie begleiteten uns eine ganze Zeit, tauchten und glitten durchs Wasser, schossen raus und spielten mit dem Bug. Wir spielten und kochten, genossen das wunderschöne Blau des Wassers und des Himmels und freuten uns über unser zügiges Vorankommen. Mittags ließ der Wind ein wenig nach und wir ließen die Maschine ein wenig mit laufen. Am Abend frischte es allerdings schon wieder auf und es hieß „Motor aus“!
Das Boot schaukelte hin und her und der Wind blies in die richtige Richtung. Nachts war er da, der ach so beeindruckende klare Sternenhimmel! Überall funkelte es, wir hatten Neumond und bis auf das Leuchten der Sterne war es stockfinster.

Am nächsten Morgen waren schon die ersten Berge am Horizont zu sehen. Zunächst Lanzerote und dann auch die kleineren Vulkankegel von Graciosa. Wir freuten uns auf die Ankunft im kleinen Hafen von Graciosa. Gegen 12 Uhr am Mittag legten wir an und bekamen auch ohne vorheriger Reservierung, die man scheinbar inzwischen machen musste einen Liegeplatz. Wir hofften genau die Ruhe auf dem Inselchen erleben zu dürfen, wie wir sie von 12 Jahren vorgefunden hatten. Und ja, man glaubt es kaum, es scheint sich nicht viel geändert zu haben. Nun erst einmal ankommen, den Strand besuchen, ’ne Sandburg bauen und weitere Pläne schmieden. Mehr von uns dann in ein paar Tagen.

Hasta Luego

7 Gedanken zu “Kanarische Inseln erreicht

  1. Danke für die Aufnahme in den Verteiler. Spannender und ehrlicher Bericht der ersten durchwachsenen Tage! Ab jetzt wird es bestimmt richtig schön, wünsche der ganzen Familie eine tolle Zeit!

  2. Hallo Ihr Zwei+zwei!
    Das ist ja toll, dass ich mich auf euren Newsletter aufgenommen habt. Wir hier verfolgen gerne, was ihr gerade so macht und wo ihr bereits angekommen seid.
    Wir wünschen Euch weiterhin alles Gute, auch wenn der Start etwas aufregend war.
    Viele Grüße
    Ralf + Family

  3. Ihr Lieben! Was für ein Start! Aber Mia scheint ja alles gut verdaut (oder ausgespuckt) zu haben. Kein Wunder, dass ihr erst einmal ein paar TAge Land unter den Füßen brauchtet! Uns geht es gut. Die Kinder gehen nun alleine zur Schule u. nach Hause. Magdalena hatte ihre erste „Sonderhausaufgabe“, weil sie ihre Hausschuhe nicht weggeräumt hat. Naja, bei einer Schule mit über 200 Kids muss man wohl Ordnung halten. Ansonsten – Martinszug, Ü-30 Party, der erste Schnee, der erste Elternabend in der Schule, Urlaub nach Korsika für nächstes Jahr gebucht (Hütte auf einem Campingplatz), Novembermarkt in meiner Schule, die Kinder lesen so langsam alleine, wir backen nächste Woche die ersten Plätzchen, Adventskalender ist fertig gebastelt…lg, wir drücken euch ganz fest. Regina, Heli, Magdalena, Jakob

  4. Hallo, das war ja ein heftiger Reisebeginn. Ich freue mich, dass es alles wieder gut geht.
    Ich habe noch gut 5 Monate, dann geht es auch bei uns los. Möglicherweise werden wir doch noch ein Blog einrichten.
    Weiter eine gute Reise und viele Grüße aus Münster
    Lutz D.

  5. Vielen Dank für den aufregenden Bericht.
    Was habt ihr erlebt und gemeistert.
    Zum Glück ist alles gut gegangen. Mia hat hoffentlich wieder Vertrauen in die Segelei
    gefasst. Die schönen Erlebnisse wie Delfine aus nächster Nähe zu sehen!
    Dann die wunderschöne Natur – der Nachthimmel u.v.m. Weiter so – wir freuen uns
    auf den nächsten Bericht. Viel Glück und liebe Grüsse von
    Werner und Brigitte

  6. Hallo ihr 4!
    Es ist wunderschön wieder von euch mit auf die Reise genommen zu werden💋
    Sicherlich werden wir uns dieses Mal nicht auf eurer Tour begegnen…. Wie schade, da wir sehr oft an Curacao denken. Werdet ihr dort wieder anlegen?

    Immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel

    Rolf und Sabine Hillebrands

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